Review

Die Band Cor Scorpii (lat. „Herz des Skorpions“) aus Norwegen fühlt sich im Extreme Metal zu Hause. Dass für diese Art Musik das „Herz des Skorpions“ schlägt, wird auf ihrem aktuellen zweiten Album „Ruin“ ebenso deutlich, wie ihre skandinavische Herkunft in den acht neuen Songs heraushörbar ist, schwingt doch stets eine gewisse Melancholie und Düsternis in den Titeln mit.

Unter dem Oberbegriff Extreme Metal vereinen Cor Scorpii sowohl Elemente des Black Metal als auch jene des Pagan und Folk Metal. Dadurch erhält „Ruin“ nicht nur einen abwechslungsreichen, sondern auch einen teils traditionellen Anstrich.

Abwechslungsreich wird es zudem durch ein opulentes und komplexes Songwriting.
So stechen viele Songs durch ihren Facettenreichtum heraus, der sich beispielsweise in Tempo- und Melodievariationen zeigt, während andere Titel gitarrenlastig nach vorne gespielt werden („Fotefar“). Von Blastbeats getriebene Phasen gehen dabei oftmals in melodische Passagen über und bringen dadurch die Hörer sowie die jeweiligen Songs immer wieder zur Ruhe, um auf die nächste musikalische Eruption vorzubereiten.
Einzig die Parts, in denen stures non-stop Geknüppel auf dem Plan steht, nehmen den Titeln ihre Wirkung, sodass es wünschenswert wäre, in diesen Momenten statt simples Gekloppe mehr Akzente zu hören.
Nur wenige Tracks (wie z.B. „Hjarteorm“) fallen auf „Ruin“ eher simpel aus, beschränken sich vorrangig auf die Black Metal Komponente und hinterlassen – im Vergleich zu den stärkeren Nummern auf „Ruin“ – keinen bleibenden Eindruck.
Somit lässt sich feststellen: Je vielschichtiger ein Song ausfällt, desto mehr, Interessanteres und Spannenderes bietet er den Hörern an.

Das benötigt natürlich ausreichend Zeit und entsprechend aus- (und gleichsam ein-)ladend fallen die Songlängen auf „Ruin“ aus.
Aufpassen müssen Cor Scorpii dann jedoch, dass sie ihre Titel nicht überfrachten und die Hörer eventuell mit allzu vielen Details und Wechseln überfordern. In der Mehrheit der Tracks gelingt dies gut, sodass der Faden während des Hörens nicht verloren geht.

Cor Scorpii (Copyright: Cor Scorpii)

Für einen zusätzlichen Unterhaltungswert sorgen die in jeweils drei Songs anzutreffenden Gastvocals. Sängerin Annika Beinnes veredelt die betreffenden Songs (u.a. „Svart Blod (Hovmod står for fall)“) mit klassischen Vocals und lockert die Tracks dadurch auf, während Mats Lerberg (I Swear Damnation, ex-Funeral) sie mit Klargesang (u.a. „Skuggevandrar“) und partiellen Growls versieht.
Da mögen ein manches Mal Assoziationen zu Bands wie Arkona, Alkonost oder Dismal Euphony aufkommen; schnell wird jedoch klar, dass Cor Scorpii sehr eigenständig agieren und nur ansatzweise Gemeinsamkeiten mit Referenzbands aufweisen.

Somit dürfte sich ein Platz im Extreme Metal zu sichern sein. Für Hörer der stilistischen Schnittmenge aus Black, Pagan und Folk ist Cor Scorpii und ihr Album „Ruin“ auf jeden Fall sehr zu empfehlen.

Video

Tracklist

01 Svart Blod (Hovmod står for fall)
02 Hjarteorm
03 Skuggevandrar
04 Fotefar
05 Helveteskap
06 Ri di mare
07 Ærelaus
08 Siste dans

Details

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Label: Dark Essence Records / Soulfood
Vö-Termin: 15.06.2018
Spielzeit: 53:56

Copyright Cover: Dark Essence Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde