Review

Mit ihren Supportauftritten von Combichrist und Aesthetic Perfection konnten Controlled Collapse nicht nur die jeweiligen Besucher überzeugen, sondern heimsten jene gleich für das Wachstum der eigenen Fanbase ein. Das spricht für das Electro-/Industrial-Projekt, und dass dies definitiv seine Berechtigung hat, stellt das Quartett nun mit dem neuen Album „Post-traumatic stress disorder“ unter Beweis.

Zwölf Songs zeugen darauf von der harschen Seite der Truppe, die mal elektronisch-tanzbar, mal mit deutlich mehr Härte, erzeugt u.a. durch druckvolle Gitarrenarbeit, Zerrsounds und dezent platzierte gutturale Sequenzen, den Hörer auf ihre Seite zieht.

Trotz recht simplen, von Loops lebenden Strukturen ist Controlled Collapse ein Ideenreichtum zu bescheinigen, der kreativ und oftmals mutig eine Umsetzung findet. Nicht selten stößt man dabei auf musikalische Extravaganzen à la IAMX. Doch meint man schon ein Highlight auf „Post-traumatic stress disorder“ ausgemacht zu haben, setzen Controlled Collapse mit einem nächsten Track nach, der den Hörer ein weiteres Mal fordert und überzeugt. Dies verschafft dem Album eine Langzeitwirkung und lässt es zu keinem Zeitpunkt langweilig werden.

So wenig die repetitiven Songaufbauten zunächst Abwechslung zu versprechen scheinen, so vielseitig zeigt sich der Silberling am Ende. Bedrohlich düster baut sich somit ein Titel wie „Burn The Bridges“ auf, um anschließend in „Lust“ eher hellere Klänge ertönen zu lassen. Eine hypnotische Wirkung erzielen hingegen die Synths in „Does It Hurt To Be Alone“, während stampfende, tragende Beats einem Song wie „Simple Story“ einen eindringlichen Anstrich verpassen, dem ebenfalls eine hypnotische Note nicht ganz abzusprechen ist.

Controlled Collapse (Copyright: Willy Wilson)

Es liegt jedoch nicht nur an der musikalischen Ebene, dass „Post-traumatic stress disorder“ den Hörer angenehm einzulullen versteht, ihn ganz einnimmt und mit seinen Grooves und Beats mitreißt. Gleichberechtigt stehen hierfür die stimmlichen Darbietungen Pate. So ergänzen sich die partiell vorkommenden Screams und gutturalen Effekte mit dem wiedererkennungswürdigen Leadgesang auf wunderbare Art und Weise.

Mit den Tracks „Memories“, „Thoughts & Dreams“ sowie „Unhappy“ wird mit einem gleichsam unterschiedlichen wie brillanten musikalischen Hattrick die zweite Hälfte des Albums eingeläutet und nach dem vollständigen Durchlauf von „Post-traumatic stress disorder“ steht fest: Controlled Collapse erzielen oft mit nur wenigen Mitteln beständig und vor allem auf Albumlänge eine (positive) Wirkung und lassen es, obschon keine kommerziellen Ohrwürmer fokussiert wurden, darüber hinaus nicht an Eingängigkeit missen. Ein interessantes Hörerlebnis, das keine Kritik zulässt.

Video

Tracklist

01 Create The Change
02 Burn The Bridges
03 Lust (Album Version)
04 Does It Hurt To Be Alone
05 Simple Story
06 Disgrace
07 Memories
08 Thoughts & Dreams
09 Unhappy
10 Lie!
11 Adios
12 Loop

Details

Controlled Collapse – Facebook
Controlled Collapse – Bandcamp
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Label: Alchera Visions / Machineries / audioglob
Vö-Termin: 14.04.2017
Spielzeit: 45:52

Copyright Cover: Alchera Visions / Machineries / audioglob



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde