Review

Die Clowns schlagen wieder zu. Auf ihrem bereits dritten Album „Lucid Again“ geht es erneut wild, im Vergleich zum Vorgängermaterial allerdings hörbar weniger rau zu – und für Punk-Verhältnisse wartet die Band sogar mit recht langen einzelnen Spielzeiten auf.

Die Truppe aus Melbourne nimmt sich auf ihrer Platte jede Menge Zeit, auszuprobieren, ihren Sound in neue Richtungen zu lenken und gleichzeitig verschiedene Melodien zu erkunden. Im Kern bleibt die Musik aber wohl der übliche energiegeladene und vor allem ungehaltene Hardcore, Punk, Noise-Rock und was man noch so für Krach-Elemente bei Clowns findet.

Direkt wird dem Hörer abermals der prägnante Gesang ins Ohr springen bzw. das prägnante Organ des Frontmanns; immer in einem Zwiespalt zwischen Gesang und Geschrei, aber von beiden Punkten nie zu wenig oder zu viel.

Durch die jugendliche Erscheinung der Stimme wirkt natürlich auch der Kontext auf „Lucid Again“ viel stärker. Dieser besteht nämlich, wie von Clowns gewohnt, aus einer zugänglichen Attitüde – mit Drums, die ohne Ausnahme nach vorne gehen, und Riffs, die sich nicht nur in den Gehörgängen festkrallen, sondern dazu auch noch verdammt gute Laune verursachen.

Egal wie dreckig oder chaotisch der Sound auf diesem Album auch wirkt, man kommt nicht darum herum, ihn direkt zu mögen, geschweige denn gegen den Drang des Kopfnickens anzukämpfen. Gleichermaßen zieht sich der Stil der Band dermaßen durch alle neun Songs, dass man stets einen gewissen musikalischen Charakter vor Augen hat.

Was den experimentellen Teil der Platte angeht, so verhält es sich ähnlich wie mit dem Gesang: Es ist ein zwiespältiges Element.
Auf der einen Seite muss man der Band zugutehalten, dass sie auch mal neue Wege einschlagen, ohne dabei vollkommen ihre Identität zu verlieren. Daraus ergeben sich sicherlich Momente, die einen aufspringen lassen; vor allem dann, wenn Clowns abseits der Norm agieren.
Der Eindruck, dass sie ihr eigenes Territorium jedoch nicht verlassen, verstärkt sich durch diese verschiedenen eingeworfenen Ideen im Laufe des Albums dennoch zunehmend. So werden die ausschweifenden Einfälle meistens nicht zu Ende gedacht oder es werden Parts dazwischen geschoben, die sich in den einen oder anderen Songs wiederholen.

Clowns (Copyright: Clowns)

Aber wenn schon nicht damit, dann punktet die Band mit ihrem allseits präsenten Skater-Punk.

Versteift man sich somit nicht allzu sehr auf diese Aspekte, kann man an „Lucid Again“ durchweg seinen Spaß haben, ohne dass diese Scheibe zu einem No-Brainer wird.
Clowns verstehen es einfach, ihre Hörer mitzureißen, und dass sie mal etwas Neues wagen, beweist nur, dass sie ihren Fans auch mal etwas Neues bieten wollen.

Video

Trackliste

01 Lucid Again
02 Like A Knife At A Gun Fight
03 Dropped My Brain
04 Pickle
05 Noise In The Night
06 Destroy The Evidence
07 Forensic Science
08 15 Minutes Of Inamyy
09 Not Coping

Details

Clowns – Homepage
Clowns – Facebook

Label: This Charming Man Records
Vö-Termin: 14.04.2017
Spielzeit: 42:31

Copyright Cover: This Charming Man Records



Über den Autor

Christopher