Review

„The Jester’s Court“ lautet der Name des aktuellen und inzwischen sechsten Studioalbums von Chris Caffery.

Einmal mehr heißt es bei dem langjährigen Gitarristen von u.a. Savatage und Trans-Siberian Orchestra (TSO) hier: Selbst ist der Mann. Und so ist Caffery höchstpersönlich für Lead- und Backingvocals, Lead- und Rhythmusgitarre, Akustikgitarre, Bass sowie Keys zuständig.

Trotz seines Multitalents und musikalischen Tatendrangs holte er sich jedoch weitere namhafte Musiker für die Aufnahmen mit ins Boot und versieht die gastmusikalische Unterstützung durch Namen wie Brian Tichy (Whitesnake, Billy Idol, Foreigner), Alessandro Del Vecchio (Jorn, Voodoo Circle) und Lonnie Park sowie durch die TSO-Bandkollegen Jane Mangini, Tony Dickinson, Joel Hoekstra und Angus Clark.

In zwölf Songs zeigt die illustre Runde, was sie unter Heavy Metal und Heavy bzw. Hardrock versteht, sodass sich stilistisch in diesem Dunstkreis über 58 Minuten lang entsprechend bewegt wird.

Dass Chris Caffery nicht nur temporeich nach vorne spielen kann, stellt er mit einer Ballade wie „Lost Tonight“ unter Beweis. Gleichzeitig verdeutlicht dieser Song auch die streitbaren Defizite im Sound. Passt der rohe, dunkel-dumpfe Klang vor allem zu den rockigen Titeln auf „The Jester’s Court“ und verströmt manches Mal sogar einen gewissen Live-Charakter, sorgt er in „Lost Tonight“ für Kopfschmerzen. Weder die Stimmen (sowohl Lead- als auch Backvocals) können hier überzeugen, noch wirkt der Titel sehr differenziert. Ebenso scheint die Lautstärke phasenweise zu schwanken. Die gute Idee des Tracks geht damit verloren; schade, denn allein melodisch hätte der Song das Potenzial gehabt, um ganz große Gefühle zu erzeugen.

Chris Caffery (Copyright: Chris Caffery)

Immer wieder holt Chris Caffery seine Hörer an anderen Stellen mit Abwechslungsreichtum und Melodiestärke ab.
Beginnend mit dem treibenden Opener „Upon The Knee“, folgen im weiteren Verlauf nicht minder headbangfähige Tracks. Teils überraschen dabei dezente progressive Einsprengsel, mal erklingen helle Keys mit 80er Charme, mal gleicht die versprühte Atmosphäre einer Alice Cooper-Liveshow und wieder an anderer Stelle („Protect My Soul“) werden hörbar Blues- und Country-Gefilde geschrammt.
Kurzum: Kein Titel gleicht dem anderen; langweilig wird es auf „The Jester’s Court“ somit nicht. Zugleich besteht die Gefahr, dass nicht alle Songs gleichermaßen gefallen können. Während ein kanonartiges „Checkmate“ eher negativ aus dem Rahmen fällt, kann auch die zweite Albumhälte insgesamt nicht mit dem starken Auftakt mithalten.

Ist ein Stück aber mitreißend, dann auf ganzer Linie, sodass man sodann auch gerne mal den einen oder anderen gesanglich nicht sitzenden Ton überhört. Wünschenswert wäre es allerdings, wenn auf allzu inbrünstig herausgehauene Vocals (wie phasenweise in „Magic Man“) zukünftig verzichtet wird.

Davon abgesehen bleibt nur noch zu sagen: Für Genre-Fans eine klare Empfehlung.

Tracklist

01 Upon The Knee
02 1989
03 Lost Tonight
04 Magic Man
05 Protect My Soul
06 Inside My Heart
07 Luna Major
08 Watch
09 The Feeling Of A White Lie
10 Checkmate
11 The Jester’s Court
12 Baby You And I

Details

Chris Caffery – Homepage
Chris Caffery – Facebook
Chris Caffery – Twitter

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 27.07.2018
Spielzeit: 58:10

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde