Review

Mit den beiden EPs „Our Fears“ und „Below Zero“ traten Box and the twins aus Köln erstmals in Erscheinung. Nun folgt mit „Everywhere I go is Silence“ ihr Debütalbum, mit dem das Trio seine Hörer auf insgesamt zwölf Titeln in Dark und Dream Pop Gefilde entführen möchte.

Ganz so ruhig, wie der Titel verheißt, fällt der Silberling jedoch nicht aus, denn schon beim Opener „Pale Blue Dot“ trifft die Komponente „Dark“ mehr zu als „Dream“, da bereits das ausgiebige Intro dieses Songs eine eher bedrohliche als beschauliche Atmosphäre vermittelt. Erst im weiteren Verlauf verdichtet sich der Track und baut sich durch die Zugaben von weiteren Klangflächen und dem einsetzenden Gesang auf.

Schon jetzt ist klar, dass es im elektronischen Hintergrund bei Box and the twins des Öfteren mal unbequem zugehen kann. Und auch die Gitarren führen zuweilen – wie in „Sometimes The Waves“ – dazu, genau dann besonders wohltuend zu klingen, wenn sie ihre Arbeit abrupt komplett einstellen. Dass es aber auch anders geht und genau diese Zutaten überzeugen können, zeigt der Abschlusssong „Notes To The Spiders“. Hier dominieren die ruhigen Töne, Akustikgitarrenklänge und eine gefühlvolle Pianobegleitung.

Ebenso verursachen Songs wie „Gravity“ oder „This Place Called Nowhere“ ein angenehmes Hörerlebnis, bei dem die Eingängigkeit vorherrscht und die instrumentale Ebene weitaus straighter angelegt wurde. Hierbei beweisen Box and the twins, dass es im Songarrangement nicht immer allzu experimentierfreudig und außergewöhnlich zugehen muss, sondern auch einfache Mittel ausreichen, um zum Ziel zu führen.

Ähnlich simpel, zudem reduziert und auf Wiederholungen setzend schließt sich dem überzeugenden Musikangebot „Perfume Well“ an, ein Song, der zu den Frühwerken des Projekts zählt. Der partiell vorhandene männliche Gesang im Refrain sorgt für das gewisse Etwas und wertet den Titel noch einmal zusätzlich auf.

Die allgemeine Soundzusammensetzung in der Mehrheit der Tracks beschert dem Album „Everywhere I go is Silence“ zwar Abwechslung, gleichzeitig aber auch eine Unberechenbarkeit. Zusammengenommen hindert dies den Hörer häufig daran, tief in den hier gefahrenen Dream Pop einzutauchen und jenen zu genießen. Daher sind es vor allem die tanzbaren, treibenden Stücke, die punkten können. Dabei kommen den Titeln insbesondere die Wave-Strukturen zugute, die der düsteren, verqueren Elektronik eine große Portion Melancholie entgegensetzen. Ebenso sorgt der mit reichlich Hall unterlegte Gesang für einen schwelgerischen Charakter der Songs.

Box and the twins (Copyright: Box and the twins)

Der Name „Everywhere I go is Silence“ mag in Anbetracht der zum Teil sirrenden Elektronik und stark betonten Gitarren vielleicht nur bedingt zutreffen, damit wirkt gleichzeitig die Stilbezeichnung Dream Pop nicht ganz treffend. Ebenso stellt man sich unter Dark Pop angesichts der hell-halligen Gesangsstimme vermutlich zunächst etwas anderes vor. Gönnt man dem Album jedoch mehrere Durchläufe und lässt sich auf die Wave-geschwängerten Songs ein, wird man diese stilistischen Anlehnungen durchaus finden und in dem einen oder anderen Song sogar persönliche Favoriten ausmachen können. Dies bedeutet zugleich, dass Box and the twins nicht mit jedem Titel brillieren. Es gilt, sich zukünftig auf die Stärken in den hier positiv erwähnten Songs intensiver zu konzentrieren und die elektronischen Zugaben etwas griffiger zu gestalten.

Video

Tracklist

01 Pale Blue Dot
02 Gravity
03 This Place Called Nowhere
04 Perfume Well
05 Hundred Flowers
06 Birds
07 Guilty Red
08 Ice Machine
09 Sometimes The Waves
10 Curtains
11 Western Horizon

Details

Box and the twins – Homepage
Box and the twins – Facebook

Label: Synth Religion (CD) / Manic Depression (LP) / Altone
Vö-Termin: 08.11.2016
Spielzeit: 50:39

Copyright Cover: Synth Religion



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde