Review

Aufgrund ihres jungen Durchschnittsalters könnte man meinen, die Band Blossoms sei noch ziemlich grün hinter den Ohren. Ambitioniert sind die fünf Freunde aus Stockport, Manchester jedenfalls, denn nichts Geringeres als „die Tradition von Bands wie The Stone Roses und Oasis und all den anderen fortsetzen, die vor [ihnen] kamen“, ist ihr Ziel, dem sie sich mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum einen großen Schritt nähern.

Entsprechend groß sind auch die Melodien ihrer auf „Blossoms“ befindlichen zwölf Songs, die sich stilistisch am ehesten dem Synth- und Indie-Pop zuordnen lassen.
Immer wieder trumpfen Blossoms dabei mit neuen Elementen und Akzenten auf, sodass beispielsweise durch Gruppen-Background-Klatschen in „Cut Me And I’ll Bleed“, Akkordeon-Nachahmungen in „Texia“, nostalgische Brit-Pop-Epen wie „Blown Rose“ oder Akustiknummer à la „My Favourite Room“ für Abwechslung in ihrem lässig-seichten Pop gesorgt wird.

Dass der Gesang nicht ganz akzentfrei ausfällt, macht Blossoms umso sympathischer und verleiht dem Quintett einen Wiedererkennungswert. Der typisch nordenglischen Note von Sänger Tom Ogden hört man gerne zu und in Kombination mit seiner hellen, klaren jugendhaften Stimme verströmt sein Gesang selbst in melancholisch angehauchten Tracks stets eine Art Optimismus, der für gute Laune beim Hören sorgt.

Und auch mit mitreißenden Ohrwürmern sparen Blossoms nicht. So legt man gleich zu Beginn mit „Charlemagne“ einen schmissigen Hit hin und präsentiert damit einen heißen Anwärter für eine Dauerrotation.
Bereits anhand des Openers, aber auch in den folgenden Songs „At Most A Kiss“, „Getaway“ und „Honey Sweet“ wird deutlich, dass Blossoms stets auf den Punkt kommen. Ihre Tracks sind straight und im Aufbau schnörkellos. Ein kurzweiliges Hörvergnügen, das dennoch (oder gerade deswegen) im Ohr bleibt.

Blossoms (Copyright: Universal Music)

Blossoms (Copyright: Universal Music)

Auffallend ist zudem, dass auf „Blossoms“ nach einem starken Beginn der Fokus mehr auf die stilistische Bandbreite der Band gelegt wurde. Zwar sind auch weiterhin eingängige Titel auf dem Album zu finden, jene variieren jedoch mehr und zeigen immer mal wieder andere Seiten der Band auf. Die anfänglich starken Pop-Nuancen weichen zugunsten der Vielseitigkeit der Truppe.
Auf die stilistische Wandelbarkeit, die facettenreich, aber dennoch homogen und auf Albumlänge in sich stimmig wirkt, deutet erstmals das knappe zwischenspielartige „Onto Her Bed“ an. Was hier noch ziemlich überflüssig und wie ein Platzhalter erscheint, gewinnt mit den anderen Tracks mehr an Profil und lässt das Album zu keinem Zeitpunkt langweilig werden.

Seicht, kurzweilig und auf ganzer Linie eingängig stellen Blossoms sich und ihre Musik mit ihrem Debüt vor – und klingen dabei, als seien sie bereits alte Hasen in der Musikszene. Beschreiten die jungen Männer diesen begonnenen Weg weiter, könnte ihr eingangs erwähntes Vorhaben durchaus realistisch und erfolgreich, allemal aber erstrebenswert sein.

Tracklist

01 Charlemagne
02 At Most A Kiss
03 Getaway
04 Honey Sweet
05 Onto Her Bed
06 Texia
07 Blown Rose
08 Smashed Pianos
09 Cut Me and I’ll Bleed
10 My Favourite Room
11 Blow Draft
12 Deep Grass

Details

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Label: Virgin / EMI (Universal Music)
Vö-Termin: 05.08.2016
Spielzeit: 40:01

Copyright Cover: EMI (Universal Music)



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde