Review

In ihrer Heimat Finnland landete die Band Bloodred Hourglass mit dem Album „Heal“ und ihrem darauf befindlichen Melodic Death Metal auf Platz 13 der Charts. Nun macht sich das Quintett bereit, auch international durchzustarten und wirft „Heal“ unter anderem den deutschen Hörern zum Fraß vor.

Überzeugen wollen und werden sie dabei vor allem mit epischen Melodien, die manch andere Band des Genres in Staunen versetzen. Momentaufnahmen der melodiehaften Stücke in Kombination mit den dichten Keyboardarrangements erinnern das eine und andere Mal an Songfragmente von Children of Bodom; von diesen Assoziationen einmal abgesehen bleiben Bloordred Hourglass auf „Heal“ aber durchgehend eigenständig.

Pfeilschnelle, salvenartige Abschnitte im kernigen, aber modernen Soundgewand wechseln sich in ihren neun Songs des Öfteren mit ruhigen, stimmungsvollen Parts ab, ohne dass die einzelnen Songpassagen und Übergänge wild zusammengewürfelt wirken.
Eine Ausnahme bildet diesbezüglich der Rauswurf „Requiem Of Our Last Days“. Mit 11:29 Minuten Laufzeit der längste Song des Albums, kann er mit den zuvor gezeigten Stärken nicht mithalten. Die Spannung wird nicht über den gesamten Track gehalten, ebenso wenig fügen sich die einzelnen Songpassagen harmonisch aneinander. Eventuell hätten sich Bloodred Hourglass einen Gefallen getan, wenn sie dem Motto „in der Kürze liegt die Würze“ gefolgt wären.
Ansonsten reiht sich auf „Heal“ jedoch in sich stimmig eine epische Melodie an die nächste, welche insbesondere durch die hervorragende Gitarrenarbeit und den Gesang an die Hörer transportiert werden.

Trotz permanenter Beschallung mit Growls und Screams eignet sich das Album aber nicht ausschließlich für Fans der gutturalen Sangeskunst, denn gerade ihre melodische Ausrichtung dürfte auch den genrefremden Hörer abholen.
Dass Bloodred Hourglass darüber hinaus aber durchaus auch Klargesang gutstehen könnte, lässt das Intro des Songs „We Form The Broken“ erahnen. Mit „klarer“, aber zugleich leicht verzerrter und leidender Stimme, die sich auch in einer Gothic Rock Band gut machen würde, wird der Track auf atmosphärische Art eröffnet. Lange halten sich die Finnen aber nicht damit auf und servieren gesanglich schon nach wenigen Sekunden ihre bewährten Growls.

Bloodred Hourglass (Copyright: Jukka Suihkonen)

Bewährt scheint auch ihr Songwritingkonzept zu sein. Während die Titelenden meist gelungen auf den Punkt gebracht werden, verlieren Bloodred Hourglass nur wenig Zeit mit möglichen Intros. Direkte Trackeinstiege wie in „Architects“ zeigen dem Hörer daher prompt, wo der Hammer hängt. Die Auf-die-Zwölf-Methode funktioniert somit auf „Heal“ ebenso gut wie ihre Atmosphäre bildenden Einleitungen; und sobald die erste packende und meist emotionale Melodie folgt, ist alles andere sowieso schnell vergessen – abgesehen davon, am Ende des Albums die Repeattaste zu drücken.

Wer schließlich sogar so begeistert von der Truppe ist, dass ein Repeat nicht ausreicht, der möge statt zur regulären Album-CD-Version einfach zum Deluxe Doppelalbum greifen, das zusätzlich zum aktuellen Opus als Bonus das Vorgängeralbum „Where The Oceans Burn“ bereithält. Mehr Bloodred Hourglass geht dann aber wirklich nicht.

Video

Tracklist

01 Quiet Complaint
02 The Last Of Us
03 Architects
04 We From The Broken
05 Remnants
06 Six Feet Savior
07 Times We Had
08 Divinia
09 Requiem Of Our Last Days

Details

Bloodred Hourglass – Homepage
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Label: Ranka Kustannus / Rough Trade
Vö-Termin: 26.01.2018
Spielzeit: 46:23

Copyright Cover: Ranka Kustannus



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde