Review

Beyond the Styx kommen aus Frankreich. Viele gute Bands kommen aus Frankreich, darunter Gojira, Alcest oder Daft Punk. Natürlich ist das kein Garant für grandiose Musik, aber man muss sich da auch nicht verstecken.
Gerade der Hard- und Grindcore Bereich wird momentan ordentlich von Frankreich bedient. Beyond the Styx kann man sehr gut zur Hardcoreszene zählen. Mit brutalen Riffs, langsamem Tempo und hackigen Tracks schicken sie ihre moderne Platte namens „Leviathanima“ ins Rennen. Ob das Gesamtkonzept überzeugen kann, klären wir hier.

Seit 2011 wird das Internet fleißig mit Demos und einer EP gefüllt, um im Jahre 2015 schließlich mit dem Longplayer „Leviathanima“ an den Start zu gehen. Die Jungs verschreiben sich ganz klar dem breakdownlastigen Hardcore bzw. eher dem Deathcore mit metalcorigem Charakter, wenn es um die melodiösen Riffs oder um Gangshouts nach Schema F geht. Die eine oder andere Death Metal Komponente schleicht sich außerdem ein. „Kiss the Abyss“ geht somit wunderbar als moderne Death Metal Nummer durch. Nicht im allseits beliebten Technical Death, sondern eher im Chimairaschen Groove Metal, wie ihn auch Lamb of God in die Welt hinaustragen.

Omnipräsent ist dabei immer das Organ von Emile, denn jenes erinnert stark an Post Metal Vocals, die eine Beziehung mit einer Klospülung eingehen. Fieses Gekeife trifft durchfallstarken Abend im Pariser Underground.

Kompromisslos wird sich durch die Songs geprügelt. Dabei knallt das Schlagzeug ziemlich durch die Lautsprecher. Dazu würde sich ein differenzierter Sound bei den Gitarren positiv auswirken, denn die klingen eher etwas verwaschen und vor allem bei den melodiösen Riffs geht hier einiges verloren.
Den Charme der Moderne nehmen Beyond the Styx auch vollkommen mit. Gitarrentöne müssen genau auf den Bassschlägen sein, 2-Step muss sein und Breakdowns lockern diese Parts immer und immer wieder auf.

Beyond the Styx (Copyright: Franck Potvin)

Beyond the Styx (Copyright: Franck Potvin)

Leider beschreibt das die Platte schon ganz gut im Kern, denn viel Abwechslung wird hier nicht geboten. Die Songs sind definitiv nicht schlecht, jedoch spiegeln sie eine junge Metalszene wider, die oftmals den Fokus nur auf Brutalität legt und dabei das Songwriting aus den Augen verliert. Das ist schade, denn die Jungs haben ein gutes Gespür für treffende Momente und Atmosphäre. Die Songs transportieren ihre Message, und zwar hart und voll ins Gesicht. Wenn dann aber Pig Squeals Breakdowns das Ende eines guten Songs bedeuten, na dann, gute Nacht! Despised Icon haben das damals gut umsetzen können, sich dann aber davon abgewandt, da es doch etwas ernster werden sollte. Nun ja, jeder, wie er mag.

In „Respice finem“ zeigen Beyond the Styx ihre ruhige Seite und siehe da, es funktioniert. Schönes Gitarrenspiel trifft mitreißenden Drumbeat. Das können die Jungs also auch. Hut ab!
Solche Songs bleiben allerdings die Ausnahme, wobei gerade die melodiösen Parts ruhig öfter auftreten könnten. Gerne auch dissonant, denn das funktioniert auf „Leviathanima“ ebenfalls super.

Fazit: Man merkt, dass Beyond the Styx viele Ideen haben, diese aber noch nicht in ein richtiges musikalisches Gesamtwerk pressen können. Viele Songfragmente sind klasse und machen wirklich Spaß beim Hören, doch das ganze Werk hört sich nicht leicht an, sondern ist eher ein Krampf, der auch nicht zum mehrmaligen Hören motiviert. Wer auf brutale Songs steht und gerne in der modernen breakdownlastigen Musikwelt lebt, sollte die Jungs mal im Auge behalten, denn mit dem Alter kommt die Reife und mit der Reife vielleicht auch ein gutes Gespür für erstklassige Songs.

Video

Trackliste

01 Quo fata ferunt
02 Autop6gorgones
03 Echidna’H
04 Kiss the Abyss
05 Code orphantage
06
Respice finem
07 SanctuarINK
08 LupUS
09 Venomen(on!)
10 Insurr@ction
11 101 Demons
12 ØDY55EU5

Details

Beyond the Styx – Homepage
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Beyond the Styx – Twitter

Label: Klonosphere Records / Season of Mist
Vö-Termin: 27.02.2015
Spielzeit: 52:21

Copright Cover: Klonosphere



Über den Autor

Marcus
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