Review

Für viele gilt das Album „The Satanist“ als Nonplusultra und Karriere-Höhepunkt der polnischen Death/Black Metal-Macht Behemoth. Nicht so für Fans der Alben „Evangelion“ und „Demigod“. Mit „I Loved You At Your Darkest“ veröffentlicht die Band, die bekannt ist für pfeilschnelle Tracks mit starker Atmosphäre und fiesem Gesang, nun ihr elftes Studioalbum. Und so viel vorweg: Es geht hier weitaus rockiger zu als bislang.

Schnell fällt zudem der massive Einsatz von Chören oder mehrstimmigem Männergesang auf. Dies in Kombination mit Nergals Drang zur Selbstdarstellung in schwarzen Kirchengewändern passt wie die Faust aufs Auge zu den Atmo-Göttern.

Die Songs

Das Intro „Solve“ wird mit einem Kinderchor eingeleitet, bleibt zunächst sehr gediegen und wirkt eher Behemoth-untypisch. Ab der Hälfte kommen bereits Blastbeats und melancholische Riffs zum Tragen, die auf den sich anschließenden Song „Wolves Ov Siberia“ hindeuten. In diesem geht es direkt von Beginn an blackmetallisch zu. Dies jedoch auf eher klassische Art. Vereinfacht und natürlich belassen kommt in diesem Titel darüber hinaus der Schlagzeug-Sound daher und weckt diesbezüglich Erinnerungen an „The Satanist“.

Während man sich bei den ersten Klängen von „God = Dog“ dann kurzzeitig fragt, ob man tatsächlich noch eine Scheibe von Behemoth im Player hat, starten diese prompt mit einem Behemoth-Gewitter durch. Kompromisslos und blanke Gewalt auf der einen Seite, Sprechgesang und melodische Gitarren auf der anderen Seite. Hier treffen beide Behemoth-Welten aufeinander – Experimentierfreude trifft Black/Death Metal.
Schlagzeuger Inferno prügelt sich dabei in gekonnter Manier durch den Track, während lässige Riffs ausgepackt werden, die stark in die Post-Richtung gehen. Auch ein solides Solo darf hier nicht fehlen.

Still the same?

Man hat jedoch das Gefühl, häufig denselben Ablauf zu erleben. So endet beispielsweise der Song „Ecclesia Diabolica Catholica“ genau so wie „God = Dog“. Indes vernimmt man Ausreißer wie „Bartzabel“, bei denen das Verhältnis zwischen smooth und brutal irgendwie unausgeglichen wirkt. „If Crucifixtion Was Not Enough“ wartet dann sogar mit einem Midtempo-Beat auf, der total daneben klingt und vielmehr ein Humpa-Humpa-Feeling versprüht.

Sehr gefallen kann dagegen das Outro „Coagula“. Kraftvoll, emotional und schnell – ein kleines Highlight am Schluss. Auch dieser Track bleibt zwar recht einfach, dafür aber auch eingängig.

Fazit

Behemoth (Copyright: Grzegorz Gołębiowski)

Grundlegend kann man sagen, dass Behemoth deutlicher nach „früher“ klingen – nur etwas vereinfachter und spielfreudiger.
Wie bereits erwähnt, ist der Rock-Anteil deutlich zu spüren.
Die Tracks auf „I Loved You At Your Darkest“ sind zudem eingängiger. Indem sie einfacher geschrieben wurden, werden sie gleichzeitig auch nachvollziehbarer.
Hin und wieder stößt man auf Entscheidungen der Band, die ihre Fans erst einmal finden müssen. Die-Hard Behemoth-Hörer wird das aber nicht stören. Nichtsdestotrotz schadet beim nächsten Mal mehr Härte nicht – insbesondere bezüglich der Riffs.

Video

Trackliste

01 Solve (Intro)
02 Wolves Ov Siberia
03 God = Dog
04 Ecclesia Diabolica Catholica
05 Bartzabel
06 If Crucifixtion Was Not Enough
07 Angelvs XIII
08 Sabbath Mater
09 Havohej Pantocrator
10 Rom 5 8
11 We Are The Next 1000 Years
12 Coagula (Outro)

Details

Behemoth – Homepage
Behemoth – Facebook

Label: Nuclear Blast
Vö-Termin: 05.10.2018
Spielzeit: 46:32

Copyright Cover: Nuclear Blast



Über den Autor

Marcus
Marcus