Review

Die Indie-Rocker Bail mögen es gerne etwas peppiger und leichter. Auf ihrem aktuellen Album „Superscar“ gut zu hören, sind der straighte Rock-Sound der Band sowie gelegentliche instrumentale Abschweifungen, die weitab der anfangs fröhlichen Fassade agieren.

Wo der erste Song viel Rhythmus mitbringt, folgt mit dem nächsten direkt eine halbe Ballade. Dennoch versuchen Bail, möglichst viele ihrer dynamischen Riffs in dem Ganzen unterzubringen. Auch Klänge vom Piano bilden keine Seltenheit. Somit gestaltet sich „Superscar“ zunächst einmal sehr abwechslungsreich. Die Jungs bringen es nicht nur fertig, reichlich Energie in ihre Songs zu integrieren, sondern können auch im langsameren Tempo verfahren. Oftmals laufen verschiedene Riffs nebeneinander her und verleihen vielen Passagen mehr Farbe. Sie sind außerdem noch angenehm arrangiert, sodass man sich von Anfang an gut in die Platte einhören kann.

Stimmlich bringen Bail ein sehr ruhiges und sanftes Organ an den Start. Im Grunde fügt man sich gesanglich gut in den Kontext ein, wobei es an vielen Stellen noch Luft nach oben gibt; vor allem weil sich vieles sehr zurückhaltend anhört. Hier hätte man ruhig mehr aus sich herauskommen und vielleicht auch mal etwas wagen können.

Da die Sounds auf „Superscar“ sehr einfach gestrickt sind, hat der Hörer ab der guten Hälfte des Albums nicht gerade das Gefühl, als würde man noch überrascht werden. Bail mischen diesbezüglich immer mal wieder etwas Retro-Feeling in die Musik, was an sich nicht verkehrt ist. Nur hat es den Anschein, als hätte man eine Menge der Riffs oder Songaufbauten schon bei anderen Bands gehört. Da hilft auch ein gelegentlicher Pickslide nicht wirklich weiter, wenn er nicht gerade geschickt platziert wurde. Gleiches gilt für die akustischen Parts in den Refrains.

Bail (Copyright: Bail)

Bail (Copyright: Bail)

Und doch haben Bail manchmal ihre Momente, in denen sie emotional viel bewegen können. Dafür brauchen sie nicht einmal ein melancholisches Piano; da reicht dann auch schon mal ein etwas voranpreschendes Tempo, das sie mit gleichermaßen hysterischem Gesang untermalen.

„Superscar“ ist kein perfektes Album, aber man sollte nicht unbedingt einen Bogen darum machen. Es scheint so, als würden Bail ihren Stil erst noch finden. Wenn sie nicht unbedingt immer auf Schmusekurs fahren würden, wären da ordentliche Möglichkeiten drin, aber für den Moment reicht auch ein Album, das mit seinen vielen Varianten Spaß macht.

Video

Trackliste

01 Superscar
02 I Don’t Want To Be The One To Tell You
03 The Wall Is Down
04 I’m So Glad That I Have You
05 Somewhere There Is Light
06 The Supermodel Is Pregnant
07 In The Last Show
08 Worth Trying
09 How Can I Possibly Be Happy
10 Down To The Middle
11 My Disease
12 I Won’t Tell You Anything

Details

Bail – Homepage
Bail – Facebook

Label: N13 Music
Vö-Termin: 07.10.2016
Spielzeit: 56:32

Copyright Cover: N13 Music



Über den Autor

Christopher