Review

Aus Raider wurde einst Twix, aus Marceese wurde Baby Kreuzberg. Damit untermauert der Berliner nicht nur seine offensichtliche Liebe zu seiner Heimatstadt, laut Pressetext soll mit der Namensänderung gleichzeitig auch der Rock’n’Roll stärker betont werden. Tatsächlich pendelt der Singer-Songwriter auf dem aktuellen Album „Twang Twang“ zwischen handgemachtem Blues, Country, Rock und Swing und klingt nicht selten wie Elvis („Mababe“) oder zumindest nach einer Konzertfernsehaufzeichnung aus den 70ern.

Der Retro-Aspekt wird auf „Twang Twang“ nämlich großgeschrieben und so scheinen die insgesamt 13 neuen Tracks auf alt getrimmt. Kommt der Retro-Charme zwar dem authentisch gehaltenen Gesamtklang, der an einen Live-Jam im Proberaum erinnert, wie bereits das Coverartwork visuell zu vermitteln versteht, zugute, steht er vor allem dem Gesang immer wieder im Weg. Hier ist das stimmliche Potenzial stets nur zu erahnen und wird nur bedingt (u.a. in „Monkey Business“) zum Ausdruck gebracht. Nicht selten sorgt die gesangliche Performance in diesem Format und mit teils vorhandener Verzerrung daher für einen Nerv-Faktor. Noch dazu wirkt die diesbezügliche Einseitigkeit oftmals sehr monoton. Daran ändert auch leider ein Titel mit deutschen Lyrics  wie „Be Ba Baby“ nichts.

Um Abwechslung ist Baby Kreuzberg somit des Öfteren bemüht, und auch die Gitarrenarbeit sticht positiv hervor, während man der Instrumentierung insgesamt keinen Vorwurf machen kann, doch der Drive von Songs wie „Ain’t No Texas Ranger“ oder die ruhigen Momente eines Songs wie „These Three Words“ sind zu seltene Vorkommnisse, um bei „Twang Twang“ länger am Ball zu bleiben.

Baby Kreuzberg (Copyright: Baby Kreuzberg)

Nichtsdestotrotz sind die Leidenschaft und die Freude des Musikers an seinem Tun über die gesamte Albumlänge deutlich hörbar, der Spaß des Hörers an „Twang Twang“ hingegen verflüchtigt sich zum Ende hin. Was erst noch interessant erschien, wiederholt sich schließlich zu sehr. Das Ausbleiben von Überraschungen und Highlights untermauert dies und die Monotonie des Albums gewinnt – trotz interessanter Gitarrensoli – die Oberhand. Würde man es von Vorgängeralben nicht besser wissen, könnte man dem Künstler beinahe eine Einfallslosigkeit unterstellen, die ihren Höhepunkt schließlich im textlich uninspirierten und repetitiven „Once Upon A Time“ findet. Hat somit zunächst selbst der genrefremde Hörer Gefallen an „Twang Twang“ gefunden, verliert er ebenso wie der eingefleischte Fan auf der Suche nach Abwechslung möglicherweise schnell das Interesse. Das hätte man besser machen können.

Video

Tracklist

01 Every Dog Has His Day
02 Monkey Business
03 Ain’t No Texas Ranger
04 Dirty Street
05 These Three Words
06 Mababe
07 Once Upon A Time
08 She-Devil
09 #Asshole
10 99 mph
11 Be Ba Babe
12 Brown-Eyed Gal
13 These Chains

Details

Baby Kreuzberg – Homepage
Baby Kreuzberg – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 04.11.2016
Spielzeit: 46:53

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde