Review

Mit „Avatar Country“ veröffentlicht die Band Avatar nicht nur ihr inzwischen siebtes Studioalbum, sondern sie ruft darauf sogleich ein eigenes Königreich aus. An Ideen mangelt es den Schweden scheinbar nicht und auch visuell macht sich ihre Kreativität 2018 wieder bemerkbar. Doch wichtiger als der optische Eindruck ist natürlich der musikalische – und diesbezüglich liefert das Quintett erneut auf hohem Niveau ab.

Gebührend episch und erhaben eröffnen Avatar ihren neuen Streich auf mehrstimmige und feierliche Weise mit dem Intro „Glory to Our King“. Die nötige Stimmung ist aufgebaut, schon fliegen anschließend in „Legend of the King“ die Finger flink über die Saiten. Auf die gekonnte Avatar’sche Gitarrenarbeit wird der Hörer auch im weiteren Verlauf immer wieder stoßen, was nicht nur Liebhaber des Instruments begeistern dürfte.

„The King Welcomes You to Avatar Country“ heißt es im Anschlusstrack, und „The King“ tut dies auf eine sehr groovige und bluesige Art. Hardrock statt Metal steht dabei auf der Tagesordnung. Doch Fans der härteren Klänge müssen nicht lange auf ihre präferierten Töne warten, denn mit „King’s Harvest“ serviert die Band tiefe Gitarren, gutturale Einsprengsel und derbes Gekloppe der Felle.

Nach dem ebenso melodischen wie eingängigen Titel „The King Wants You“ setzen Avatar dem Flow ihrer bis dato abwechslungsreichen Rock-Metal-Fusion durch „The King Speaks“ zunächst ein jähes Ende. Wie der Songname verheißt, darf der Hörer hier eine narrative Sequenz inmitten des Albums „Avatar Country“ erwarten, die für die meisten wohl in Schriftform im Booklet besser einen Platz hätte finden sollen, unterbricht der Track doch zu sehr das bisher gefällige Hörerlebnis. Obwohl inhaltlich passend und mit soundtrackartigem Theme unterlegt, wirkt „The King Speaks“ somit eher wie ein Störfaktor.

Entschädigt wird man mit „A Statue of the King“, das erneut die Härte der Band und damit auch ihren (melodischen) Death Metal Einfluss betont.

Avatar (Copyright: Johan Carlén)

In „King After King“ darf man dann schon ein letztes Mal dem Gesang von Johannes Eckerström lauschen, denn Avatar verabschieden ihre Hörer schließlich mit zwei Instrumentalstücken. Zieht man diese, das Intro „Glory to Our King“ sowie das gesprochene Interlude „The King Speaks“ ab, bleiben auf „Avatar Country“ lediglich sechs „richtige“ Songs, auf die Fans und Hörer seit dem 2016er Album „Feathers & Flesh“ sehnsüchtig gewartet haben. Eine etwas geringe Ausbeute, die dafür aber immerhin überzeugen kann.

Denn Avatar erfinden sich in jedem Song auf „Avatar Country“ neu, ohne ihr gefahrenes Konzept zu gefährden. Immer für eine Überraschung gut, lassen sie dadurch keine Langeweile beim Hören aufkommen. Zwar kann man über den narrativen Zwischenpart in Form von „The King Speaks“ sowie über den instrumentalen Rauswurf im Doppelpack streiten, dafür holen sie mit den restlichen dynamischen Songs die Hörer immer wieder ab. Das führt zu teils nicht von der Hand zu weisendem Dauerrotation-Potenzial und stellt unter Beweis, dass das Konzept der Band auch auf ihrem neuen Album aufgeht.

Video

Tracklist

01 Glory to Our King
02 Legend of the King
03 The King Welcomes You to Avatar Country
04 King’s Harvest
05 The King Wants You
06 The King Speaks
07 A Statue of the King
08 King after King
09 Silent Songs of the King, Part 1: Winter Comes When the King Dreams of Snow
10 Silent Songs of the King, Part 2: The King’s Palace

Details

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Label: Century Media
Vö-Termin: 12.01.2018
Spielzeit: 43:23

Copyright Cover: Century Media



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde