Review

Fetzige Rhythmen, catchige Riffs sowie ein paar freshe Reime und schon hat man ein akustisches Erzeugnis wie „Autonomous“. Atmosonic aus Marburg orientieren sich in Richtung Alternative Rock mit dem Schwerpunkt auf ein Crossover aus Rap, wie man ihn um die Neunziger herum erleben durfte, wo auch diverse Nu Metal Bands einen Aufschwung erlebten.

Alles beginnt mit obligatorischen Rap-Vocals über hallendem Gitarrensound und pulsierendem Bass. Die Raptechnik weiß hier sogar wirklich zu überzeugen, besonders aufgrund des abgestimmten Flows der ein wenig Old School Flair à la Rage Against the Machine oder sogar etwas Exzentrik von Limp Bizkit mitbringt. Dazu gibt es klaren Gesang und gelegentliche Shouts zur Akzentuierung. Beides fällt im Laufe von „Autonomous“ aber immer wieder zu dünn aus. Hinter dem Gebrüll fehlt der Druck und auch der Gesang erfüllt „nur“ seinen melodischen Part. Da bleiben die gerappten Teile oft das Highlight des Ganzen, mal abgesehen von den Texten.

It’s You In My Dreams /
cause you were the hottest bitch I’ve seen /
I do wanna spank you /
make you say thank you

Wenn bei „Dirty Phantasies“ nicht noch ein catchy Off-Beat drunter gepackt worden wäre und der gesamte Song sehr stark nach Party klingen würde, wären diese Lyrics nicht annähernd so gut rübergekommen. Dabei sind diese Themen nicht mal die uninteressantesten; diese wären wohl jene, in denen es um den gelegentlichen drogenbezogenen High geht. Das bildet auf „Autonomous“ eine Ausnahme, passt aber dennoch irgendwie nie in den Kontext des Sounds.

Dabei wird ebendieser fast durchgehend solide praktiziert. Die Verse werden oft von effektreichen Gitarren gestaltet, während in den Hooks ordentlich Gas gegeben wird. Dennoch ist es so, dass Atmosonic zu Beginn eines Titels wie „Answers“ akustisch wirklich die bösen Endgegner raushängen, aber dann in den Refrains die anfängliche Stimmung komplett verweichlichen lassen. So etwas zieht die Platte runter und lässt die Musik nicht von vielen präsenten Stücken hervorstechen.

Dann kommen „Honey Trap“ oder „Another Day“ und man merkt, dass es auch anders geht. Erster überzeugt mit einem ansteckenden Groove, der nach vorne geht, während die Band auf „Another Day“ einen deutlichen Stilwechsel vollzieht, ohne von der Intention der Platte abzuweichen. Besonders die Auswahl der Rhythmen sorgt hier für Abwechslung.

Atmosonic (Copyright: Atmosonic)

Atmosonic (Copyright: Atmosonic)

Krachen wird es zum Schluss noch mal mit „Wolf“. Hier gilt: Lautstärke aufdrehen und im Takt des diabolischen Grooves bleiben, denn nur der Refrain weiß das Ganze perfekt abzurunden.
„Nothing Left To Say“ fasst ganz „Autonomous“ noch einmal gut zusammen und lässt das Album lässig ausklingen.

Was Atmosonic hier abliefern, hat durchaus seine Ecken und Kanten. Leichte Defizite, wenn es um den Gesang geht, manchmal fragwürdige Texte und auch die Songstrukturen hätte man anderweitig viel catchiger Aufbauen können.
Nichtsdestotrotz weiß die Band ihre Hörer zu unterhalten. „Autonomous“ hat einen angenehmen Vibe, mit dem man sich treiben lassen kann, ohne sich durch Songs durchquälen zu müssen. Hier und da taucht dann die eine oder andere Perle auf, die zeigt, dass hier noch eine Menge Potenzial drinsteckt, das nur voll ausgenutzt werden muss.

Video

Trackliste

01 Sick Of It
02 Answers
03 Honey Trap
04 No Better Than Me
05 People
06 You’re Going Down
07 Dirty Phantasies
08 Something’s Wrong
09 Unneccessary Confrontation
10 Another Day
11 No Empathy
12 Wolf
13 Nothing Left To Say

Details

Atmosonic – Homepage
Atmosonic – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 05.02.2016
Spielzeit: 55:43

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Christopher