Review

Fasziniert von der Geschichte um Kain und Abel konzipierte Gabriele Bernasconi darüber eine Rock Oper und holte sich für die musikalische Umsetzung einige namhafte Gastmusiker mit ins Boot. Entstanden ist im Rahmen dieser internationalen Kooperation das Album „The Redemption Of Cain“, mit dem der Italiener unter dem Projektnamen Art X debütiert.

Wer jedoch aufgrund des ähnlichen Konzepts auf leichte, eingängige Kost à la Avantasia hofft, der wird ein wenig enttäuscht sein, denn obschon (oder gerade weil) hier renommierte Musiker am Start sind, fallen die zehn Titel von „The Redemption Of Cain“ insgesamt – sowohl musikalisch als auch textlich – sehr sperrig aus.

Stark an der Grenze zur progressiven Musik kratzend, erscheinen die Songs des Albums äußerst verkopft und lassen nur wenig Raum für eingängige Melodien. Damit liefert Art X den Hörern zwar eine vertonte Geschichte, nicht aber eine, die sofort ins Ohr geht und dort auch hängen bleibt. Der progressive statt melodische Eindruck trägt zudem dazu bei, dass Songstrukturen ebenso wie ein musikalischer roter Faden verloren gehen. Nur selten weiß „The Redemption Of Cain“ daher die Hörer umgehend zu fesseln. Sofern Art X ihre Melodien aber mal ungestört laufen lassen, wird ein Titel auch greifbarer. Leider ist dies in der Mehrheit der Tracks nicht der Fall.

Unterstützend wirkt diesbezüglich auch die textliche Ebene nicht. Mal scheint es, dass für zu wenig Song zu viel Inhalt geboten wird, mal raubt das gesprochene statt gesungene Wort dem Album seine Zugänglichkeit. Gerade in letzteren Fällen gehen auch Bombast und Opulenz der Musik verlustig. Besonders die eingebundenen Chöre, die normalerweise ihre diesbezügliche Wirkung nicht verfehlen, gehen im detailreichen musikalischen Geschehen zu sehr unter.

Alles für sich genommen – und es gibt eine Menge zu hören und zu entdecken – funktioniert sehr gut, zusammengefügt als Ganzes hinterlassen einige Songs jedoch den Eindruck eines großen Flickenteppichs, der kein harmonisches Gesamtwerk ergibt. Somit fällt es schwer, sich auf „The Redemption Of Cain“ als Ganzes zu konzentrieren, während hingegen separate Passagen und Elemente durchaus angenehm zu hören sind.

Art X - Gabriele Bernasconi (Copyright: Gabriele Bernasconi)

Art X – Gabriele Bernasconi (Copyright: Gabriele Bernasconi)

Diese Zwiespältigkeit spiegelt sich auch in den Gesangparts wider. Im Alleingang kommen die einzelnen Stimmen hervorragend zur Geltung, was angesichts von Sängern wie u.a. Zachary Stevens (Savatage, Circle II Circle), Amanda Sommerville (Avantasia, Epica), Blaze Bayley (Iron Maiden, BLAZE) oder Roberto Tiranti (Labyrinth, WonderWorld) nicht wundert, treffen male und female Vocals jedoch in einem Track aufeinander, so drückt dieses Zusammenspiel nicht immer eine klangliche Harmonie aus. Am Können der Gastmusiker liegt dies allerdings keinesfalls, vielmehr an der Art der Zusammenstellung.

Für Freunde von Rock Opern mit eher progressiv wirkendem statt melodischem Einschlag ist „The Redemption Of Cain“ daher ein Reinhören empfehlenswert. Alle anderen finden hier jedoch nicht mehr als eine durchschnittliche Leistung vor, von der man sich in allen Belangen deutlich mehr erhofft hat.

Video

Tracklist

01 Memoriae
02 Knowledge & Death
03 The First Sacrifice
04 The Second Sacrifice
05 Crime, Pain and Penance
06 Lilith
07 Lucifer
08 A Wife’s Love
09 The Keeper
10 Eden, Finally…

Details

Art X – Homepage
Art X – Facebook

Label: Metalville / Rough Trade
Vö-Termin: 28.10.2016
Spielzeit: 57:41

Copyright Cover: Metalville



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde