Review

Stille Wasser sind tief. Und das trifft auch auf das Erzeugnis der französischen Band April Fishes zu. „Carpe d’Or“ beherbergt einen Sound, der sich mit experimentellen Ansätzen an teilweise improvisierten Jazz sowie an einige leicht rockige Passagen macht. Eine Mischung aus entspannenden Melodien und verzwickten Sounds durchströmen die sieben Songs dieser Platte.

Tatsächlich muss man sagen, dass es sich hier nicht ausschließlich um eine expressionistische Art von Musik handelt. Die Stärke von April Fishes liegt darin, die Titel neben der Extravaganz immer noch so zugänglich wie möglich zu gestalten – nicht zuletzt durch den gekonnten Einsatz verschiedener Instrumente.

In „Nori Et Wakame“ dominiert das Saxophon einen großen Teil des Titels, während sich die Gitarre ihm unterordnet. Doch gegen Ende des Songs beginnt man, allerlei Sounds einzubringen, so als würde der Schlagzeuger nebenbei noch in Besteckschubladen rumwühlen oder sich am Mobiliar zu schaffen machen. Zusammen mit den verdrehten Klängen der Saiten- und Blasinstrumente ergibt sich eine unangenehme Stimmung, aber im positiven Sinne. Ein Stilmittel, dem man auf „Carpe d’Or“ noch oft begegnen wird.

Doch mit den folgenden Songs fokussiert sich das Quartett wieder zunehmend auf einen melodischen Anstrich der Titel. Besonders die Streichinstrumente kommen hier zum Tragen und bilden immer wieder Highlights, die hängen bleiben. Allein der Einsatz des Saxophons ist manchmal zwar gut getimt, aber macht durch den penetranten Klang oft die anfängliche Stimmung kaputt. Dabei nimmt man sich eigentlich hier die Zeit, die Songs weiter auszubauen und dem Ganzen immer wieder ein musikalisches Element hinzuzufügen.

Mit „Tendance Brique“ steigt man dann auf den Groove-Zug auf. Bis zur Mitte des Songs geben April Fishes ordentlich Gas, bevor sie sich wieder ihrer ruhigeren Seite besinnen, welche aber auch mit guten Drum-Beats untermalt wurde. Manchmal können diese Strecken an akustischem Minimalismus schon eintönig werden, was aber durch ansprechende Riffs oft wieder kompensiert wird.

April Fishes (Copyright: Michael Parque)

April Fishes (Copyright: Michael Parque)

Es ist vor allem die Dynamik, die auf „Carpe d’Or“ an den Tag gelegt wird. Verschiedene Rhythmusmuster oder überhaupt die nahtlosen Übergänge zu Stilwechseln lassen diese Platte abwechslungsreich klingen. Es ist sogar so, dass man weniger auf den experimentellen Teil wartet, als dass man in vielen Passagen einfach einsinken will, weil sie die Trommelfelle so angenehm massieren.

Natürlich ist dieses Album nicht ohne Makel, aber es ist besonders überraschend und unvorhersehbar, mit was April Fishes als nächstes daher kommen. Zudem ergibt sich daraus ein gewisser Repeat-Effekt, da man alles noch einmal genau erleben möchte. So surreal und doch gleichzeitig ansprechend klingt „Carpe d’Or“.

Trackliste

01 Offshore
02 Nori Dt Wakame
03 Carpe d’Or
04 Tendance Brique
05 Les Eaux Du Gouffre Aux Tortues
06 Nishiki
07 La Fosse Des Mariannes – Pays De Neige

Details

April Fishes – Facebook

Label: Atypeek Music / Grolektif
Vö-Termin: 22.04.2016
Spielzeit: 44:17

Copyright Cover: Atypeek Music



Über den Autor

Christopher