Review

„KotzeAdel“ ist ein Album, das ebenso auf klischierten Black Metal herumtrampelt, wie es sich gleichzeitig soundtechnisch sehr von einer konventionellen Art differenziert. Teilweise scheint es, als ob Animo Aeger selbst gar nicht mehr wissen, was sie hier gerade für Ziele verfolgen – und das führt zu einem durchaus hörbaren Ergebnis.

Opener „Manipulazitzen“ ist ein Song, der dem Hörer direkt ins Gesicht geworfen wird und generell den Anteil an Black Metal auf diesem Album recht gut zusammenfasst bzw. fährt die Band darin besonders den Teil auf, in dem den Konsumenten Drums und Riffs nur so um die Ohren fliegen. Als Einstieg ganz angenehm, vor allem wenn Anime Aeger bereits jetzt ihre Affinität zu exzentrischem Gesang durchblicken lassen.

Apropos Gesang: man muss ihn nicht mögen. Sicherlich werden die hysterischen Schreie und der Gesang mit fraglichen Qualitäten einige Hörer abschrecken. Dieser Standpunkt ändert sich jedoch schnell. Das einzige Manko ist, dass man die Lyrics im Klargesang oft nur schwer versteht, was insbesondere daran liegt, dass nebenbei derart viel zusätzlich abläuft.

Die letzten Sekunden des Songs „Manipulazitzen“ bilden schließlich direkt eine passende Überleitung zum darauffolgenden Titel „Prismenknast“ und damit geht es ein deutliches Stück tiefer in die Materie. Der zunächst gewöhnungsbedürftige Gesang mischt sich sehr gut mit den atmosphärischen Sounds. Auch die Geschwindigkeit betreffend hält man sich zurück, wobei ein paar Ausrutscher dann doch nicht vermeidbar sind.

Was man Animo Aeger und „KotzeAdel“ zugutehalten muss, ist die abwechslungsreiche Art, die Dinge anzugehen, denn nie wird sich zu sehr auf gegebene Dinge versteift und stattdessen ein gewisser Avantgarde-Faktor integriert.

Animo Aeger (Copyright: Animo Aeger)

Die Songs, die hinsichtlich der anfänglich rohen Klänge am meistens herausstechen, sind „T R A M S“ und „Allein im Schlick“.
„T R A M S“ ist ein Pianostück inklusive verstörender Geräusche und bildet merklich einen Bruch auf „KotzeAdel“.
„Allein im Schlick“ beginnt direkt mit ungewöhnlich schwungvollen Rhythmen, die im Kontext des Liedes sehr gut in den aggressiven Black Metal Part eingebunden werden.

Der wohl längste Song der Platte, „Die Hochkonjunktur des WENN als WANN“, dient letztlich quasi als umfassendes Fazit zu diesem Album. Sowohl die positiven als auch die negativen Punkte finden sich hier zusammen.
Stellenweise wirkt es so, als ob Animo Aeger einfach zu viel wollten. Durch derart viele Ideen, wie hier einfließen, verliert man leicht den roten Faden, während die Titel sich dadurch immer wieder äußerst unkontrolliert anfühlen.

Im Gegensatz dazu gibt es sowohl in diesem Titel als auch auf dem Rest des Albums viele Ideen, denen der Hörer eine Menge abgewinnen kann; besonders dann, wenn es von 0 auf 100 und im Anschluss direkt in einen fesselnden Groove zurückgeht.
„KotzeAdel“ ist sicherlich anders, aber nicht so anders, dass man es sich nicht anhören möchte.

Video

Trackliste

01 Manipulazitzen
02 Prismenknast
03 Die Hochkonjunktur des WENN als WANN
04 T R A M S
05 Galeere Ekel
06 Allein im Schlick
07 Kosmenhort

Details

Anime Aeger – Bandcamp

Label: Bleeding Heart Nihilst Productions
Vö-Termin: 12.12.2016
Spielzeit: 38:45

Copyright Cover: BHN Productions



Über den Autor

Christopher