Review

In der Szene u.a. mit der Band Predatory Violence aktiv, beschreitet Andreas Budweiser mit seinem Debütalbum „Alarm“ ab sofort auch Solopfade, um laut eigener Aussage die Musik zu machen, die er selbst am meisten liebt.

So ganz einig scheint sich der Musiker diesbezüglich jedoch nicht zu sein, denn „Alarm“ kratzt mit den darauf zu findenden zehn Songs sowohl die (Thrash) Metal-, Rock- als auch Electronica-Regionen an. Dies und der partielle Einsatz an Samples verspricht Abwechslung – wäre da nicht der Sound, der dem Albumtitel scheinbar mehr als gerecht wird. Alarm schlagen dabei nicht nur ein chaotisches Zusammenspiel, scheinbar zu löschen vergessene einzelne Spuren und als willkürlich wahrgenommene Einsätze, sondern auch ein dadurch entstehender wirrer instrumentaler Background, durch den auch der Gesang ziemlich in den Hintergrund gerückt wird.
Schwer fällt es somit, die Gesamtspielzeit von knapp 51 Minuten durchzuhalten, noch schwerer fällt es, die Texte zu verstehen, obschon jenen laut Infozettel nachgesagt wird, dass sie „nicht nur zum Hören, sondern auch zum Denken gestaltet“ sind.

Ebenso wie die Texte gehen auch die einzelnen Samples und die weiteren eingebrachten musikalischen Ideen unter.
So wirkt beispielsweise das Instrumental „Something Different“ komplett entbehrlich. Das elektrolastige Stück, welches mit vereinzelten Akustikgitarrentönen versehen wurde, die leider auch eher wie ein Versehen wirken, zieht das Intro von Folgesong „Yell Like Hell“ unnötig in die Länge, ohne eine entsprechende Atmosphäre aufzubauen oder in sich stimmig zu wirken. Wie eine Noise-Attacke durchbricht diese Phase des Albums das ansonsten zwar ähnliche, aber immerhin temporeiche Geschehen auf „Alarm“ und scheint dabei übertrieben langatmig.

Apropos Länge: Nicht selten besitzen die Songs viele repetitive Phasen. So wird zum Beispiel der Opener „Melody Of Scorn“ mit 6:26 Minuten und steten Wiederholungen nahezu totgespielt, ohne Highlights folgen oder erkennen zu lassen.

Insgesamt birgt „Alarm“ viele Effekte und Raffinessen. Leider kommen diese kaum zur Geltung und werden übertüncht vom weniger als mäßigen Klangbild. Überraschend, dass sich Andreas Budweiser mit diesem Ergebnis zufriedengegeben hat. Man mag dem Album nun einen Old-School-Charme unterstellen und ihn als Argument für die Produktion hernehmen, doch selbst unter diesem Aspekt fällt das Schönreden ebenjener noch schwer.

Sowohl vom Label als auch von Musiker Andreas Budweiser hat man somit deutlich mehr erwartet und auch bereits zu hören bekommen. Von „Alarm“ wünscht man sich letztlich jedoch eher, es wäre ein Stummfilm denn ein Studioalbum geworden. Fans dürfen und werden ihr Glück hier versuchen – wir wünschen dafür viel Erfolg und Durchhaltevermögen.

Video

Tracklist

01 Melody of Scorn
02 ALaRM
03 Stalking the Pey
04 Pika Don
05 The Wig
06 Fred Astaire
07 Take the Advice
08 Something Different
09 Yell Like Hell
10 Floating in the Pit

Details

Andreas Budweiser – Facebook

Label: Kernkraftritter Records / Al!ve
Vö-Termin: 19.05.2017
Spielzeit: 50:55

Copyright Cover: Kernkraftritter Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde