Review

Andi the Wicked lässt die Saiten sprechen – und es scheint auf dem Instrumental Metal Album „Freak On Frets“ in der Tat so, als ob er dies wörtlich nimmt, denn schon nach wenigen Minuten hat der Musiker unter Beweis gestellt, dass ein virtuoses Gitarrenspiel durchaus eine gesangliche Performance ersetzen kann.

Begleitet von Drums präsentiert Andi the Wicked auf acht Songs sein Können an der Gitarre und legt die Titel in ihrer Spielzeit derart lang an, dass genug Platz für viel Gefrickel und Details bleibt. Die Verspieltheit entfaltet sich auf diese Weise hervorragend, ohne sich in nerdige Progressivität oder zu „unhandliche“ Parts zu verlieren. Damit bleibt jeder Titel – auch in ihren hörbaren Entwicklungen – nachvollziehbar und Hörer jeglicher Façon dürften sich mit dem Material ausreichend unterhalten fühlen.

Das Tempo seines Spiels hält Andi the Wicked vorrangig sehr hoch, sodass oft mit galoppierenden Riffs durch die Tracks gejagt wird. Monoton wird das Ganze durch den teils vorhandenen Geschwindigkeitsrausch jedoch nicht, denn durch die Abwechslung auf dem Griffbrett bleiben auch die Songs stets interessant.

Andi the Wicked (Copyright: Andreas Dötsch)

Andi the Wicked (Copyright: Andreas Dötsch)

Etwas offensichtlicher hätte man sich jedoch die Stilvariationen auf „Freak On Frets“ gewünscht, die dadurch nicht nur das Talent des als Live- und Studiomusikers buchbaren Mannes, sondern auch seine stilistische Bandbreite an spielerischem Können deutlicher zum Ausdruck gebracht hätte. Zwar deuten Titelgebungen wie „That Rocks“, „Heavy Funk“ und „Classic 5“ bereits an, welche Genres auf Tracks und Gitarrenspiel Einfluss genommen haben, und alles in allem wirkt das Album durch die eher nur angedeuteten Stilausflüge sehr konsequent und einheitlich, dennoch mangelt es ein wenig an diesbezüglichem Facettenreichtum.

Dabei zeigt Andi the Wicked vor allem in dem ebenfalls auf klassische Inspiration zurückzuführenden „Damn Lick“, dass er u.a. Elemente der Klassik hervorragend mit seiner Gitarre adaptieren kann. Metallische Strukturen kombiniert der Musiker hier mit Klassik-Melodien zu einem knapp 7-minütigen flotten Hörgenuss.

Gitarren-Fetischisten kommen mit „Freak On Frets“ ebenso auf ihre Kosten wie Fans gelungener Instrumentalstücke. Verpackt in zwar lange, aber kompakt wirkende Titel zeigt Andi the Wicked, dass Musik durchaus für sich selbst sprechen kann.

Video

Tracklist

01 That Rocks
02 The Shark Song
03 Threat
04 Porn
05 Classic 5
06 Heavy Funk
07 Damn Lick
08 Bad In Bed

Details

Andi the Wicked – Homepage
Andi the Wicked – Facebook
Andi the Wicked – Bandcamp

Label: Eigenproduktion
Vö-Termin: 01.06.2016
Spielzeit: 47:58

Copyright Cover: Andi the Wicked



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde