Review

Amaranthe, die schwedische Band um Frontfrau Elize Ryd, veröffentlichen mit „Helix“ bereits ihr fünftes Studioalbum. Dieses dürfte vor allem wieder Freunde der speziellen Kombination von Metal und Pop ansprechen, für die Amaranthe seit jeher bekannt sind.

Anlaufschwierigkeiten

Das beweisen schon die ersten Tracks des Albums („The Score“ und „365“). Allerdings wird schnell offensichtlich, dass diese beiden Nummern zum Einstieg nicht die beste Wahl darstellen. Zu belanglos und arm an Höhepunkten plätschern diese Songs daher. Der vermeintliche Anspruch, hiermit einer größtmöglichen Menge an Hörern (mit unterschiedlichen Genrevorlieben) gefallen zu müssen, erweist sich als kontraproduktiv.

Hat man diese Titel jedoch überstanden – oder nutzt die Funktion der Skip-Taste – folgen dann doch einige Tracks, die besser überzeugen und die vorhandenen Stärken der Band und ihrer Musik repräsentieren.
„Inferno“, „Helix“ und auch „Breakthrough Stardust“ besitzen Tempo, Härte und die gewollte Eingängigkeit im Refrain.

Das stimmliche Dreigestirn

Dabei sind es besonders wieder die Gesangsstimmen, die sehr vordergründig agieren und damit nicht nur den Amaranthe-Sound, sondern auch den jeweiligen Song prägen. Elize Ryd stellt einmal mehr ihre gesangliche Perfektion unter Beweis und auch die Growls und Core-Einlagen von Henrik Englund Wilhelmsson können in jeder Hinsicht überzeugen.

Leider schafft es der neue Mann für den Clean-Male-Gesang nicht, mit seinen beiden Mitstreitern am Mikro mitzuhalten. Nils Molin hat eine gute Stimme, wie man in der Halbballade „Unified“ hören kann. Im Zusammenspiel mit Ryd und Wilhelmsson fehlt es seiner Stimme allerdings an Präsenz und Charisma. Damit geht Amaranthe ein wichtiger Bestandteil ihres Sounds – drei unterschiedliche Gesangsstimmen – zumindest teilweise verloren.

Als einer der besten Titel auf „Helix“ entpuppt sich überraschenderweise „GG6“, ein äußerst Core-lastiger Track, in dem Wilhelmsson in Bestform agiert und der durch einen dazu passenden, reduzierten Refrain seine unmittelbare Wirkung erzielt.

Filler statt Killer

Während auch „Countdown“ und „Iconic“ noch zu den hörenswerten Tracks gehören, findet sich leider auch der eine oder andere Filler im weiteren Verlauf auf dem Album wider. Eine Fokussierung auf knackigere Hooks, einen höheren und verstärkten Metal-Anteil sowie eine Reduzierung der elektronischen Elemente und Spielereien wären sicherlich nicht von Nachteil gewesen.

Amaranthe (Copyright: Marcus Robinson)

Trotz der vorhandenen positiven Aspekte – gerade im Vergleich zu ihrem letzten Album „Maximalism“ – hat „Helix“ daher vielfach noch Luft nach oben. Das beginnt beim Songwriting und reicht bis zur gesanglichen Integration des neuen Sängers Nils Molin.

Was tun, wenn es instrumental wird?

Auch drängt sich beim Hören der Eindruck auf, dass die Band mit den gesangsfreien Passagen in den Songs auf instrumentaler Ebene zumeist nichts oder nicht viel anzufangen weiß.

Diejenigen, die an den letzten Veröffentlichungen der Schweden Gefallen gefunden haben, werden letztlich auch mit „Helix“ nicht enttäuscht werden. Als Fazit können wir allerdings wieder nur festhalten, dass die Band ihr unbestrittenes Potenzial bei Weitem nicht ausschöpft und auch mit „Helix“ kaum einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Video

Tracklist

01 The Score
02 365
03 Inferno
04 Countdown
05 Helix
06 Dream
07 GG6
08 Breakthrough Starshot
09 My Haven
10 Iconic
11 Unified
12 Momentum

Details

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Label: Spinefarm Records
VÖ-Termin: 19.10.2018
Spielzeit: 41:14

Copyright Cover: Spinefarm Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde