Review

Kunstvoll fällt das Cover von „Twisted Lines“ aus, dem aktuellen und inzwischen dritten Album des Projekts Alphamay, nicht ganz so kunstvoll die elf Songs des Silberlings, die dafür aber mit Abwechslungsreichtum und kraftvollem Sound überzeugen, während jeder Titel für sich genommen sehr straight seine inhaltliche und musikalische Intention auf den Punkt bringt.

Stilistisch bewegt man sich entsprechend vielseitig in den Weiten des Electro. Dieser animiert mal durch eine eher harsche Ausrichtung zum Tanzen und Aggressionen abbauen, mal versetzt er die Hörer zurück in die 80er und 90er Jahre, indem Retro-Klänge das musikalische Geschehen bestimmen oder zumindest maßgeblich beeinflussen. Die Mehrheit der Tracks auf „Twisted Lines“ findet sich aber im eingängigen Synthpop heimisch, der das Tanzen ebenso wenig ausschließt wie das Träumen zu teils atmosphärischen Klängen. „Silence Emotion“ oder „Enchantment Rose“ laden zu Letzterem beispielsweise gelungen ein. Ein dichter Klangteppich und der ruhige Gesang bergen Züge von tranceartigen Strukturen, wie man sie in ähnlicher Art auch von Angelzoom kennt. Im starken Kontrast dazu stehen Titel wie „3:45 AM“ oder ein phasenweise vor allem gesanglich harsches „Ease Your Pain“.

Die Pop-Schiene wird von Alphamay zur Genüge bedient. Selten verpasst man einzelnen Tracks avantgardistische Nuancen, dafür spielt das Duo häufig mit Stilkombinationen, die stets homogen wirken, dabei aber gleichzeitig immer mal wieder die üblichen Genre-Hörgewohnheiten durchbrechen. Diese Überraschungen sind es, die Alphamay an eigenem Profil gewinnen lassen und wovon es noch mehr hätten sein können. Ein hervorragendes Beispiel ist der Titel „The Scepter Alliance“, der nicht nur brillante Momente bereithält, die partiell an The Arch erinnern, sondern ebenso nichts an Eingängigkeit verliert.

Alphamay (Copyright: Alphamay)

Alphamay (Copyright: Alphamay)

Stimmlich passt Sänger Henning zu der gewählten Musikrichtung des Projekts Alphamay wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Seine warme Stimmfarbe ist aber nicht nur genretauglich eingesetzt, sie transportiert zudem den dunklen Touch des Albums, denn „Twisted Lines“ möchte sich stimmungstechnisch u.a. in der düsteren Electro-Ecke platziert sehen und dieser Plan geht auf. So fügen sich auch die verzerrten und aggressiveren Gesangparts, scheinbar aus dem Off von Projektmitstreiter Cris beigetragen, harmonisch in das Gesamtkonzept des Albums ein.

Obwohl Alphamays verstärkt Synthpop ausgerichteten Songs allesamt überzeugen und die Trademarks des Genres gekonnt implizieren, sind es die Titel, in denen mutig aus dem allseits bekannten und erwarteten Korsett ausgebrochen wird, die großen Eindruck hinterlassen. Damit ist „Twisted Lines“ ein Album, das sowohl für Synthpop Fans die richtige Anlaufstelle bietet als auch für jene, die innerhalb dieses Stils für interessante und innovative Ideen und Zugaben offen sind.

Video

Tracklist

01 Weak Philosophy
02 Ease Your Pain
03 No Man’s An Island
04 Summer of ’89
05 Nightclub Nightmares
06 The Rising Moon
07 Silence Emotion
08 3:45 am
09 The Scepter Alliance
10 Enchantment Rose
11 Dreams In Colours

Details

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Label: Timezone Records / Kitty Killer
Vö-Termin: 19.02.2016
Spielzeit: 43:27

Copright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde