Review

Alkaloid melden sich nach ihrem 2015er Album „The Malkuth Grimoire“ auf „Liquid Anatomy“ mit ihrer Definition vom modernen und interessanten (Technical) Death Metal zurück.

Hannes Grossmann, Morean und Co. haben hier wieder einiges zusammengeschustert, was der gemeine Hörer nicht so leicht verarbeitet. Diverse Durchläufe sind daher ein Muss. Dann aber sorgen viel Straightes und ein scheinbar enormer Drang zum guten Songwriting für ein einmaliges Hörerlebnis.

„Kernel Panic“ startet mit 80er-Jahre Hair-Metal-Intro-Riffs hervorragend in das Album, während zudem sämtliche Gesangsmöglichkeiten abgearbeitet werden. Der Opener ist damit bereits eine Wucht, was nicht zuletzt an den coolen Ideen liegt, die die Truppe immer wieder hervorzaubert. Sie verstehen es einfach, aus Brutal Technical Death und melodiösen, verqueren Parts einen soliden Track zu bauen, der auf ganzer Linie funktioniert.

„As Decreed By Laws Unwritten“ ist genau so eine Nummer, die mit massig Groove und geilen Riffs sofort zündet und keine Aufwärmphase braucht. Für den Gesang sind Morean und Bandkollege Danny Tunker zuständig – und sie machen ihren Job perfekt; derart viele Variationen hört man kaum bei einer anderen Band heraus. Außerdem wird massiv mit Effekten gespielt, was sehr begrüßenswert ist.

Dass es bei „Liquid Anatomy“ – wie eingangs erwähnt – mehrere Durchläufe bedarf, zeigt u.a. auch „Interstellar Boredom“. In diesem Song passiert so viel, was beim ersten Hören einfach noch nicht greifbar ist.
Im Gegensatz dazu zermürbt der Song
Chaos Theory and Practice“ schon gleich zu Beginn den Hörer (auf positive Art), um schließlich in einem Monster-Groove zu münden. Absolut herrlich!

Mit „Rise of the Cephalopods“ schließen Alkaloid ihr Album – und man könnte nun überrascht über die geringe Anzahl von nur acht Tracks sein. Ein Blick auf die Spielzeit zeigt jedoch, dass das Album über eine Stunde Hörvergnügen in Anspruch nimmt, was bei dieser Art von Musik sehr beeindruckend ist.

Alkaloid (Copyright: Alkaloid)

Weniger beeindruckend ist hin und wieder hingegen der Sound, und zwar dann, sobald in einem Song zu viel los ist; dann gehen die ganzen Spezialeffekte etwas unter. Das kommt zum Glück nur selten vor und es hilft zudem, genauer zuzuhören und die Truppe zwingend unter Kopfhörern zu genießen. Denn insgesamt kommt beispielsweise das Schlagzeug sauber durch und klingt Grossmann-typisch schön satt und dennoch natürlich. Die Gitarren fräsen sich ebenfalls berstend durch die Tracks und gerade der Gesang ist super abgemischt. Diesbezüglich bleiben keine Wünsche offen.

Alkaloid sind definitiv eine Ausnahmeband im Metal-Bereich. So viel Kreativität gepaart mit kompromisslosem Totschlag-Metal verdient gehört zu werden, während „Liquid Anatomy“ bereits jetzt ein potenzieller Anwärter zum Album des Jahres ist.

Video

Trackliste

01 Kernel Panic
02 As Decreed by Laws Unwritten
03 Azagthoth
04 Liquid Anatomy
05 In Turmoil’s Swirling Reaches
06 Interstellar Boredom
07 Chaos Theory and Practice
08 Rise of the Cephalopods

Details

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Label: Season of Mist
Vö-Termin: 18.05.2018
Spielzeit: 64:40

Copright Cover: Season of Mist



Über den Autor

Marcus
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