Review

Mit einem Mix aus Synthpop, Darkwave und EBM debütiert das Projekt Alienare aus Hamburg und bittet seine Zuhörer auf seinem Erstling „Beyond Love“ zum Tanz. Dabei sollte der umgehend ausgelöste und auf Dauer des Albums anhaltende Bewegungsdrang begleitet werden von einer guten Kondition, denn satte 15 Tracks wurden hier festgehalten.

Quantitativ kann sich „Beyond Love“ somit schon einmal sehen lassen, und auch den Ohren geneigter Electro-Fans wird sich der Silberling nicht verschließen. Dafür sorgt nicht zuletzt eine druckvolle Produktion, die die Beats energisch aus den Boxen krachen lässt. Zusätzlich beweist Newcomer Alienare ein Gespür für eingängige Melodien, das der Zuträglichkeit des Albums deutlich zugutekommt.

Jeder Song baut eine eigene Atmosphäre auf und vermittelt daher eine geringfügig andere Stimmung, ohne die Gefilde des oft als fröhlich wahrgenommenen Synthpops komplett zu verlassen. Es sind aber gerade die Tracks mit Dark Electro-Anstrich oder harschen Beats, mit denen Alienare kritiklos überzeugt. Eine diesbezügliche Kostprobe bietet bereits der Opener „Interference“.

Sobald diese eher dunkel-elektronischen Nuancen jedoch vernachlässigt werden, driftet das Projekt durch eher standardisierte Kost in Beliebigkeiten ab, die kaum nennenswerte Unterschiede zu anderen Synthpop-Veröffentlichungen erkennen lassen. Jenen „Fehler“ begeht Alienare bereits mit dem zweiten Song. „Beyond“ mag eventuell den Albumtitel namentlich aufspalten, macht darüber hinaus jedoch keine halben Sachen hinsichtlich einer gewissen Herkömmlichkeit.

Alienare (Copyright: Alienare)

Schlecht sind jene Tracks nicht, nachdem Alienare jedoch sein Potenzial durch besagte Kracher angedeutet hat, denen die „zahmeren“ Electrotitel nur bedingt das Wasser reichen können, indem sie zudem weniger Raffinessen, Highlights und Alleinstellungsmerkmale aufweisen, wirken sie in diesem direkten Vergleich zumindest ein wenig inspirationsarm.

Auch die Stimme kommt in den dunkel gefärbten Tracks besser, eigenständiger und aussagekräftiger zur Geltung und besitzt somit mehr „Charakter“ als in den typischen Clubhits, die sicherlich die Tanzflächen füllen, sich jedoch nicht nachhaltig im Ohr festsetzen werden.

Dass dies dem Hörgenuss aber keinen Abbruch tut, und weil außerdem das eine oder andere Highlight immer wieder aufblitzt (besonders hörenswert ist in diesem Zusammenhang auch „All Thats Left“), kann „Beyond Love“ von Alienare nicht nur Electro-Fans empfohlen werden, sondern es wird darüber hinaus dringend geraten, dieses Projekt im Auge zu behalten. Mit ein bisschen mehr Mut, die Wege des Standards des Öfteren mal zu verlassen, kann sich hier noch Größeres anbahnen.

Video

Tracklist

01 Interference
02 Beyond
03 Move
04 Area 51
05 The Whole World
06 Love Control
07 Pain
08 Mission Abort
09 Providence
10 All That’s Left
11 The One
12 Tremor
13 Day Into Night
14 Forever
15 Ion

Details

Alienare – Homepage
Alienare – Facebook

Label: R.A.U. Entertainment
Vö-Termin: 28.04.2017
Spielzeit: 55:45

Copyright Cover: R.A.U. Entertainment



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde