Review

Alestorm melden sich zurück – und wie!

„No Grave But The Sea“ heißt die neue Scheibe der Metal-Piraten und wer im Vorfeld vielleicht Zweifel gehegt hatte, ob das Band-Konzept der Schotten ein weiteres Mal funktioniert, darf diese getrost dem Klabautermann geben.

Mit Fanfaren-Keys und fettem, aber einfachem Gitarrenriffing startet „No Grave But The Sea“ mit gleichnamigem Titeltrack, um dann mit einem Refrain aufzuwarten, der umgehend ins Ohr geht. Ein typischer Alestorm-Song, der aber gerade dadurch zu gefallen weiß.

Das anschließende „Mexico“ kommt unbeschwert und lässig daher (vor allem die Gitarre in der Strophe). Mit sehr humorvollem Text offenbart auch hier wieder der Refrain aufgrund seiner Eingängigkeit ein sehr großes Mitsingpotenzial.

Im weiteren Verlauf des Albums gesellen sich noch einige Tracks der Marke „fröhliche Tavernenlieder“ (wie zum Beispiel „Bar und Imbiss“, „Fucked With An Anchor“ oder „Pegleg Potion“) hinzu. Diese sind zum Mitsingen, -feiern und -schunkeln geradezu prädestiniert, zünden trotz ihrer Simplizität immer wieder aufs Neue und treiben mit Sicherheit auch dem Letzten den Miesepeter aus den Gliedern.

Warum die Hörer aber auf einen Song namens „Alestorm“ bis jetzt warten mussten, müssen uns die trinkfreudigen Schotten allerdings einmal erklären. Der Refrain ist wirklich catchy!

Dass Alestorm durchaus auch anspruchsvoller können, haben sie in der Vergangenheit bereits vereinzelt bewiesen. Auch auf „No Grave But The Sea“ versucht man mit derartigen Tracks einen gewissen Ausgleich zu den ausgelassenen musikalischen Trinkgelagen zu schaffen. Und genau diese Songs sind Alestorm auf der neuen Scheibe vortrefflich gelungen.
Da wäre zum Beispiel „To The End Of The World“ – ein wahrlich epischer Metal-Song, nicht von der Spielzeit, sondern von der Komposition und den bombastischen Arrangements. Diverse Variationen im Gesang, dazu ein opulenter Chor im Mittelteil, den Hammerfall zu ihren besten Zeiten nicht besser hinbekommen hätten, zeugen hier nicht nur von reichlich Abwechslung, sondern bilden quasi das Sahnehäubchen auf dem wohl besten Song des Albums.
In dieselbe Kerbe schlägt auch „Treasure Island“, der einen großen Melodiereichtum offenbart und dessen Break und Chor in der Songmitte ebenfalls epische Züge aufweisen.

Überhaupt findet der aufmerksame Hörer fast in jedem Song ein entsprechendes Highlight – ein Punkt, der nicht unerheblich dazu beiträgt, dass man bei „No Grave But The Sea“ gerne die Repeat-Taste drückt.
Hervorzuheben wären hier der Kreischgesang in „To The End Of The World“, der dem Song zusätzlich zu den oben erwähnten Pluspunkten noch eine gewisse Härte und Aggressivität verleiht. Oder der Core-Anteil im Lied „Alestorm“, mit dem bei den feierfreudigen Freibeutern nicht unbedingt zu rechnen war, der aber trotzdem passend erscheint.

„Man The Pumps“ geht schließlich noch ein wenig in Richtung Symphonic Power Metal, wobei überraschenderweise die Geige einen Großteil der Melodie trägt, während „Rage Of The Pentahook“ alle Pagan-Freunde glücklich machen wird, denn hier wird zu Polka-Rhythmen kräftig das Tanzbein geschwungen.

Alestorm (Copyright: Adam Opris)

Christopher Bowes und Co. präsentieren somit ein rundum gelungenes Album, das keine Kritikpunkte erkennen lässt. Ausnahmslos jeder Song zündet umgehend. Die Hooks sitzen, die Songs sind stets auf den Punkt gespielt. Die Musik geht somit den Hörern in Ohr und Bein – der Großteil sind nun einmal Gute-Laune-Songs. Dabei verzichten Alestorm dieses Mal komplett auf Balladen, Cover-Songs oder überlange Tracks.

Der aufmerksame Hörer wird zudem feststellen, dass sich einige Gitarrensoli in den Albumtracks wiederfinden (wie zum Beispiel in „Bar und Imbiss“ oder „Man The Pumps“). Überhaupt stehen Alestorm diese Metal-Zutaten und der leicht episch-bombastische Einschlag in einigen Songs, wie bereits erwähnt, außerordentlich gut.

Somit macht die Band auf „No Grave But The Sea“ alles richtig. Das Konzept geht ein weiteres Mal auf, daher gibt es von unserer Seite die verdiente Höchstpunktzahl.

Video

Tracklist

01 No Grave But The Sea
02 Mexico
03 To the End of the World
04 Alestorm
05 Bar und Imbiss
06 Fucked with an Anchor
07 Pegleg Potion
08 Man the Pumps
09 Rage of the Pentahook
10 Treasure Island

Details

Alestorm – Homepage
Alestorm – Facebook

Label: Napalm Records
Vö-Termin: 26.05.2017
Spielzeit: 47:00

Copyright Cover: Napalm Records



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde