Review

Als „authentisch[en], handgemachte[n] Heavy-Metal-Rock“ kündigt der Pressetext die Band Agentpunch und ihr neues Album „Investigation“ an und verortet den darauf gefahrenen Stil „irgendwo zwischen Jimi Hendrix, Deep Purple und Led Zeppelin, […] über Iron Maiden und Saxon, […] mit einer geballten Portion Motörhead“.

Dies und das den Sound betreffende qualitative Endergebnis sprechen dafür, dass die Band aus Osnabrück weiß, was sie tut. Know-how ist somit vorhanden, doch Originalität sucht man hingegen vergebens. Vor allem Einflüsse von Motörhead und Saxon sowie den zwar nicht auf der Presseinfo angeführten, aber von uns mal ins Spiel gebrachten Iron Savior zu ihren rockigen Zeiten hört man definitiv heraus und ließen Agentpunch durchaus auch als deren Coverband durchgehen. Dies allerdings leider auf Kosten fehlender Eigenständigkeit. Jene will sich auch mit den gegen Ende von „Investigation“ zunehmenden, aber dezent ausgeprägten stilistischen Grenzgängern (u.a. beispielsweise mit verstärktem Punk-Touch) nicht herauskristallisieren. Stattdessen fahren Agentpunch einen druckvollen Nostalgietrip, der sich derart nah an einstige (und teils immer noch aktive) Genre-Größen orientiert, dass die eigene Identität auf der Strecke bleibt.

Kommt das Quartett somit ein paar Jahre zu spät, um Fans zu gewinnen und ein mit Szenestars besetztes und von ihnen geprägtes Genre zu bereichern? Jein, immerhin klingen Agentpunch trotz ihres Traditionsbewusstseins ansprechend modern. Ebenso ist ihnen die nötige Portion Spielfreude und Energie nicht abzusprechen, die der Mehrheit der 13 Tracks auf „Investigation“ zu bescheinigen ist.

Eine diesbezügliche Ausnahme bildet – jedoch nicht unbedingt im negativen Sinne – die balladeske Nummer „In The Wind“. Erst- und einmalig drosseln Agentpunch dabei das Tempo und setzen phasenweise den Fokus auf den Gesang. Schön, wenn es die gewünschte Wirkung hätte, doch leider trübt hier die englische Aussprache auf mäßigem Schulniveau den Hörgenuss, für den eigentlich catchy und radiotaugliche Melodien sorgen.

Nennenswertes Niveau wird man auch insgesamt in den Texten nicht finden. Stilrelevante Schlagwörter und bewährte Phrasen prägen die lyrische Seite ebenso wie mitgrölfähige Verse. Mehr (aber bitte auch nicht weniger) erwartet man allerdings auch nicht.

Agentpunch (Copyright: Agentpunch)

Anders sieht das mit der handwerklichen Seite von „Investigation“ aus. Bei den vorausgeschickten Vergleichen wird dies betreffend schon einiges erwartet – und Agentpunch enttäuschen nicht. Insbesondere die Gitarrenarbeit weiß zu gefallen und rettet schon mal einen eher durchschnittlichen Titel vor der Skipptaste.

Ist die Enttäuschung, mit Agentpunch eine Neuentdeckung in jeder Hinsicht zu erleben, erst einmal überwunden, wird „Investigation“ mit jedem weiteren Hördurchgang überzeugender. Unumstritten versteht es die Truppe, ihre Hörer wenn schon nicht zum Headbangen, dann doch zum gelegentlichen Mitwippen zu animieren. Wer Abwechslung zu den Alteingesessenen auf der Playlist haben möchte, könnte mit Agentpunch eine Ergänzung für seine Sammlung finden.

Video

Tracklist

01 Stranger Demon
02 Hunting Souls
03 Revolution
04 System
05 Marching East
06 Thunderbolt
07 Pulling The Beast
08 In The Wind
09 Do You Wanna Know
10 Investigation
11 Punished
12 Judgement Day
13 Fallig Down

Details

Agentpunch – Homepage
Agentpunch – Facebook

Label: Timezone Records
Vö-Termin: 30.06.2017
Spielzeit: 48:01

Copyright Cover: Timezone Records



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde