Review

Mit seinen Büchern, darunter auch und insbesondere seine True-Crime-Thriller, belegt Prof. Dr. Michael Tsokos, Professor für Rechtsmedizin an der Berliner Charité, regelmäßig die vorderen Bestsellerlistenplätze. Nun soll auch die filmische Adaption des Romans „Zersetzt“ (erstmals 2016 bei Droemer Knaur erschienen) – als SAT.1 Film im Fernsehen – an diese Erfolge anknüpfen.

Ausgestrahlt am 11.12.2018, allerdings mit nur mäßigen Einschaltquoten, fällt dies der Verfilmung jedoch augenscheinlich sehr schwer. Und auch die vorliegende DVD-Veröffentlichung fürs Heimkino kann diesen Eindruck nicht umkehren.

Worum gehts?

„Zersetzt“ splittet sich zunächst in zwei Handlungsstränge auf, die letztendlich miteinander verknüpft werden.

Während BKA-Rechtsmediziner Dr. Fred Abel (Tim Bergmann) ins osteuropäische Transnistrien geschickt wird, um dort zwei Mordopfer zu identifizieren, die in Kalkfässern gelagert wurden und fast vollständig zersetzt sind, treibt in Berlin ein Serienkiller (Harald Schrott) sein Unwesen. Ihm zum Opfer fällt die junge Kellnerin Jana (Svenja Jung), die, unter Drogen gesetzt, mehrfach von ihm vergewaltigt wird. Ein Video ihrer Vergewaltigung landet schließlich auf Abels Handy, doch dessen Handlungsspielraum ist nicht nur durch die geografische Distanz beschränkt, sondern auch deshalb, da er selbst mittlerweile mehr und mehr ins Fadenkreuz eines politischen Komplotts und damit in immer größere Gefahr gerät … Für beide Figuren beginnt nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit, sondern auch auf Leben und Tod.

Was läuft schief?

So spannend die Handlung jedoch anmutet und so beklemmend sie teilweise inszeniert ist, schlussendlich gelingt es der Verfilmung nicht, den Zuschauer über die Gesamtlänge von 93 Minuten bei der Stange zu halten.

Während die auf Prof. Dr. Michael Tsokos basierende Figur Dr. Abel das Sezierbesteck an seine Leichenfunde legt, taten es ihm die Macher unter Regie von Hansjörg Thurn scheinbar in Bezug auf die Handlung gleich. Die beiden Handlungsstränge wirken permanent getrennt bleibend; eine plausible, nachvollziehbare Verbindung will nicht entstehen. Aus diesem Grund wirkt „Zersetzt“ oftmals sehr undurchsichtig und wirr.

Ähnliches kann man auch dem Beginn des Films bescheinigen, der dadurch einen unmittelbaren Zugang erschwert.

Leicht macht es dem Zuschauer diesbezüglich dann auch die Tonqualität nicht, denn wie von einigen deutschen Produktionen bereits gewohnt (allen voran diverse Til Schweiger-Filme) fällt die Sprachausgabe häufig zu leise und das Gesprochene somit zu nuschelig aus. Besonders undeutlich wird es in Szenen zwischen Jana und ihrem Peiniger.

Gute Besetzung

Beide werden dafür herausragend gespielt von Harald Schrott und Svenja Jung, die zeitweise sogar die Hauptfigur in den Hintergrund drängen. Doch ob hinter- oder vordergründig – die schauspielerische Leistung kann insgesamt überzeugen. Grund dafür u.a.: Der TV-affine Zuschauer wird dies betreffend auf bekannte Fernsehgesichter stoßen, die ihr Handwerk verstehen.

Nach wahren Begebenheiten

Tim Bergmann als Dr. Abel in der Verfilmung „Zersetzt“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Prof. Dr. Michael Tsokos. (Copyright: Universum Film GmbH)

Als Adaption eines True-Crime-Thrillers beruht „Zersetzt“ entsprechend auf wahren Begebenheiten.

Verpasster Mehrwert

Dies lässt Prof. Dr. Michael Tsokos den Zuschauer auch in der Dokumentation „Zersetzt – Die wahre Geschichte“ wissen, die am 11.12. im Anschluss an den Fernsehfilm auf SAT.1 lief. Leider fehlt von jener Doku auf der DVD jede Spur. Es wird versäumt, die kurzweilige, knapp 40-minütige, dafür aber sehr interessante und informative Berichterstattung beispielsweise als etwaiges Bonusmaterial (das hier lediglich eine Trailershow ausmacht) auf die Veröffentlichung zu pressen und ihr damit eine Aufwertung sowie einen zusätzlichen Kaufanreiz zu verpassen.

Fazit

Alles in allem kann die Verfilmung „Zersetzt“ zwar positive Aspekte aufweisen, aus dem Schatten der erfolgreichen Romanvorlage jedoch nicht heraustreten. Hier wäre definitiv mehr drin gewesen.

Trailer

Handlung

Er ist der Beste seines Fachs und genießt internationales Ansehen: Rechtsmediziner Dr. Fred Abel ist die Schlüsselfigur zwischen zwei kniffligen Fällen.

Der sadistische Arzt Dr. Harald Lenski entführt in Berlin die junge Kellnerin Jana, setzt sie unter Drogen und vergewaltigt sie mehrfach. Ein Video ihrer Vergewaltigung landet auf Abels Handy – doch dessen Handlungsspielraum ist beschränkt.

Er befindet sich bei einem Einsatz in Transnistrien, einem abgespalteten Gebiet Moldawiens, wo zwei bis zur Unkenntlichkeit zersetzte Kalkleichen mit Folterspuren gefunden wurden. Dr. Abel soll die Identität der Leichen feststellen.

Während für die junge Kellnerin in Berlin ein grausamer Wettkampf gegen die Zeit beginnt, gerät Abel in Transnistrien mehr und mehr ins Fadenkreuz eines politischen Komplotts und in immer größere Gefahr …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 14.12.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 93 Minuten

Copyright Cover: Universum Film GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde