Review

In Zeiten von Diskussionen über Frauenquoten, Gleichstellung, #metoo Initiativen und Co. scheint die in den 70ern verortete Serie „Zarah – Wilde Jahre“ aktueller denn je zu sein.

„Zarah – Wilde Jahre“ ist gerade für das übliche ZDF-Programm einmal erfrischend anders, direkt und zeitgemäß inszeniert. Obschon die Darstellung des Journalistenalltags der damaligen Zeit das Grundgerüst der Serie bildet und die Themen somit stets in diesem Kontext serviert werden, wirkt „Zarah“ dennoch nicht zu speziell. Vielmehr sorgen gerade die persönlichen Dramen der Figuren und die aktuelle Brisanz einiger Themenschwerpunkte für einen Blick über diesen „journalistischen“ Tellerrand hinaus und lassen sich nicht ausschließlich auf die Welt der damaligen Printmedien reduzieren.

Dazu tragen auch die schauspielerischen Leistungen bei, die stets authentisch scheinen und auch heutzutage noch für ein hohes Maß an Identifikationspotenzial sorgen. Dadurch kann sich der Zuschauer (vor allem die Zuschauerin) gut in die Figuren hineinversetzen, allen voran in die Hauptdarstellerin Zarah Wolf, eine junge feministische Autorin und Aktivistin, gespielt von Claudia Eisinger, während die Serie gleichzeitig bewusst macht, was sich bereits seit den 70ern in Sachen Emanzipation getan hat – und leider eben auch noch nicht.

Abseits der Themenrelevanz, der inhaltlich gezeigten ausschnitthaften deutschen Emanzipationsgeschichte, der authentischen Kulissen und der gelungenen Besetzung sorgt insbesondere der Soundtrack der Journalistenserie für Gefallen. Die passend gewählten Songs an richtig platzierter Stelle bieten somit neben der optischen auch eine akustische Retrospektive und unterstützen die entsprechenden Szenen auf gelungene Art und Weise. Auch der intensive und aussagekräftige Titelsong der Serie fällt diesbezüglich positiv auf.

Eine Frauenrechtlerin inmitten einer Männerdomäne in „Zarah – Wilde Jahre (Staffel 1)“ | Copyright: Edel:Motion / Georges Pauly

Wer nach den insgesamt sechs Folgen der ersten Staffel noch nicht genug von der toughen Protagonistin und ihrem politischen wie persönlichen Kampf hat, der erhält durch das mitgelieferte Bonusmaterial in Form von „entfallenen Szenen“ und „Outtakes“ weitere Möglichkeiten der Unterhaltung. Schade, dass man hier nicht auch fern vom Fernsehformat auf die faktischen Hintergründe der Serie eingegangen ist, um damit den Informationsgehalt der Extras zu erhöhen bzw. überhaupt darzubieten. Für all jene, die diesbezüglich historisch interessiert sind, hält die Serie allerdings ein nettes Gimmick parat, sodass die hier präsentierte Zeitgeschichte teilweise mit realen TV-Aufnahmen im Splitscreen unterfüttert wird.

Damit ist „Zarah – Wilde Jahre (Staffel 1)“ eine gute Mischung im „Dramedy“-Bereich, die gemäß der 70er Jahre offen und frei mit Themen wie Sexualität und Chauvinismus umgeht.
Bedenkt man den auch gegenwärtig noch vorhandenen Gesprächs- und Handlungsbedarf der hier behandelten Themen, verwundert es vielleicht, dass der eigentlich verdiente Erfolg dieser Serie bislang noch weitgehend ausblieb und „Zarah“ eher als Geheimtipp gilt. Schade.

Trailer

Handlung

1973. Als die bekannte Frauenrechtlerin Zarah Wolf das Angebot des Verlegers Frederik Olsen bekommt, Mitglied der Redaktion seiner auflagenstarken Illustrierten „Relevant“ zu werden, sieht sie die Gelegenheit gekommen, das Thema der Emanzipation machtvoll voranzutreiben. Schnell muss Zarah erkennen, dass der Widerstand der Männerkaste unüberwindlich scheint. Zarahs Themen sind bedeutsam, für die meisten männlichen Kollegen jedoch nur „Gedöns“: der Kampf gegen den § 218, der Abtreibung mit Zuchthaus sanktioniert, gegen einen alltäglichen Sexismus, gegen eheliche Gewalt an Frauen und für die Gleichberechtigung auf allen Ebenen.

Um sich gegen Olsen, Chefredakteur Hans-Peter Kerckow, den konservativen Politikchef Schaffelgerber, den mit hohen Testosteronspiegel ausgestatteten Kulturredakteur Hartwig oder den cholerischen Chefgrafiker Balkow durchzusetzen, geht Zarah riskante Wege und lässt sich bald auf einen Machtkampf um die Führung der Redaktion ein. Dass Verlegertochter Jenny sich in Zarah verliebt, macht die Sache nur noch komplizierter. Und Zarah muss sich klar darüber werden, was sie für ihre Karriere und ihre politischen Ziele bereit ist zu opfern.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

DVD 01
01 Titel & Titten
02 Deutschlands grausamste Emanze
03 Ich hab auf sein Grab gepinkelt
04 Ein Festival der Liebe

DVD 02
05 Ballern und bumsen
06 Papi ist der Beste!

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: German (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 27.10.2017
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 270 Minuten
Extras: Entfallene Szenen / Outtakes / DVD-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde