Review

„Your Name. – Gestern, heute und für immer“ des japanischen Regisseurs Makoto Shinkai („The Garden of Words“, „Die Reise nach Agartha“) erscheint hierzulande bei Universum Anime und ist mit einigen Vorschusslorbeeren zu uns rübergeschwappt. Schließlich erhielt der Film zahlreiche Awards und ist nach den Einspielergebnissen an den Kinokassen mit bislang mehr als 358 Mio. US-Dollar der weltweit erfolgreichste Anime überhaupt. Shinkai gilt daher – unter seinem Protest – für einige schon als der neue Hayao Miyazaki („Chihiros Reise ins Zauberland“, „Prinzessin Mononoke“, „Mein Nachbar Totoro“). 

„Your Name“ ist ein gefühlvolles Teenager-Drama, das eine Geschichte über eine junge Liebe erzählt und einen außergewöhnlichen Weg nachvollzieht, auf dem zwei Menschen sich begegnen.

Die junge Mitsuha lebt gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Großmutter in dem ländlichen Provinznest Itomori in Japan. Von ihrem Leben und den Bräuchen und Traditionen dort ist sie mehr als genervt und sehnt sich ein aufregendes Leben in einer Großstadt wie Tokio herbei. Ein solcher Großstädtler ist der aus Tokio stammende Junge Taki, der sich neben der Schule als Kellner in einem Restaurant in der Millionen-Metropole etwas dazu verdient.

Eines Tages wacht Taki jedoch im Körper von Mitsuha auf und umgekehrt. Die beiden jugendlichen Helden tauschen im Schlaf mehrfach ihre Körper, sehr zur Verwunderung und Belustigung ihrer staunenden Freunde, die die beiden nicht wiedererkennen können. Taki wird zumindest zügig eine völlig neue, weibliche Seite an ihm nachgesagt. Damit sich die beiden nicht zu sehr gegenseitig im Leben herumpfuschen, beschießen sie sich gegenseitig Nachrichten zu hinterlassen, was sie jeweils im Körper des anderen erlebt haben. Da gibt es Nachrichten mit dem Textmarker auf Arm oder Gesicht, auf dem Smartphone oder auch in den Notizbüchern.

Irgendwann hört der Körpertausch der beiden jedoch aus dem Nichts auf und Taki, der sich ein bisschen in das junge Mädchen vom Lande verguckt hat, beschließt sie dort persönlich zu besuchen. Im ländlichen Japan angekommen soll Taki jedoch feststellen, dass der skurrile Körpertausch nicht das einzig Mysteriöse ist, was er durchmachen soll. Mitsuha scheint nicht nur provinziell, sondern auch zu einer anderen Zeit zu leben. Das alles hat mit einem Kometen zu tun …

Gerade zu Beginn ist „Your Name. – Gestern, heute und für immer“ ein äußerst unterhaltsamer Film mit reichlich Situationskomik. Beispielhaft sei hier nur der Running Gag genannt, dass Taki jedes Mal aufs Neue, wenn er sich als Mädchen in der Kleinstadt in den Bergen wiederfindet, erstaunt seine Brüste bestaunt und abtastet, wobei er jedes Mal von „seiner“ kleinen Schwester erwischt wird, die ihn für verrückt erklärt. Womöglich etwas infantil, aber dennoch witzig inszeniert. Ohnehin beweist Shinkai hier viel Feingefühl und Einfühlungsvermögen, wenn es um die Charaktere und ihre (pubertären) Probleme geht.

Je länger die Spielzeit dauert, desto mehr entwickelt sich der Anime aber zu einer weniger leichtfüßigen, spritzigen und witzigen kleinen „Freaky Friday“-Geschichte hin zu einer schicksalhaften Liebesgeschichte, die emotional sehr aufgeladen ist und durchaus einen Wechsel im Erzählton mitbringt. Gepaart wird dies noch mit einer gewissen Zeitreise-Thematik, wodurch der Film ab der Hälfte fast überladen wirkt.

Mitsuha aus der Kleinstadt und Taki aus Tokio tauschen die Körper in „Your Name. – Gestern, heute und für immer“ | Copyright: Universum Film / ©2016 TOHO CO., LTD. / CoMix Wave Films Inc. / KADOKAWA CORPORATION / East Japan Marketing & Communications, Inc. / AMUSE INC. / voque ting co.,ltd. / Lawson HMV Entertainment, Inc. All rights reserved.

Indes lässt sich über den Anime gar nicht sprechen, ohne die emotionale Bedeutung der Bilder zu akzentuieren. Die wunderbaren Charakterdesigns, aber insbesondere die malerische Welt suchen ihresgleichen. Die Inszenierung bedient sich virtuos aller Möglichkeiten eines modernen Trickfilms und sieht zu jeder Zeit hochwertig aus.

Meines Erachtens ist die schicksalhafte Verstrickung der beiden Teenager in „Your Name“ – offenbar entgegen der allgemeinen Wahrnehmung – kein ebenso starker Anime, wie der neulich besprochene „A Silent Voice“ von Regisseurin Naoko Yamada, da jener mit seiner geerdeten Story, seinem emotionalen Thema und erzählerischem Feingefühl einfach noch mehr zu bieten hat. Der vorliegende Film von Shinkai verfügt hingegen gerade zu Beginn über eine spürbare Leichtfüßigkeit und ist, wenn auch weniger intensiv, auch bis zum Ende herzerwärmend inszeniert.

Beide Werke sind aber sicherlich zwei der besten Animationsfilme der letzten Jahre.

Trailer

Inhalt

Mitsuha lebt gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Yotsuha bei ihrer Großmutter in einer ländlichen Kleinstadt Japans. Insgeheim beklagt sie ihr abgeschiedenes Dasein in der Provinz und wünscht sich ein aufregendes Leben in der Großstadt. Taki würde sich freuen, so beschaulich aufzuwachsen, denn er wohnt in der Millionen-Metropole Tokio, verbringt viel Zeit mit seinen Freunden und jobbt neben der Schule in einem italienischen Restaurant. Eines Tages scheint Mitsuha einen Traum zu haben, in dem sie sich als Junge in Tokio wiederfindet. Parallel macht Taki eine ähnliche Erfahrung: Er findet sich als Mädchen in einer Kleinstadt in den Bergen wieder, wo er noch nie zuvor war. Doch wie kommt es zu dieser schicksalhaften Verstrickung und welches Geheimnis verbirgt sich wirklich hinter den Träumen der beiden Teenager?

(Quelle: Universum Film)

Details

Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 18.05.2018
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 106 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)