Review

Wildling“ ist das Spielfilmdebüt des deutschen Filmschaffenden Fritz Böhm als Regisseur. Dabei handelt es sich um einen Genre-Mix aus Fantasy, Horror, Creature Feature, Märchenfilm, aber auch Coming-of-Age-Story.

Der Film markiert zudem nach zehn Jahren das Comeback von „Der Herr der Ringe“-Elbin Liv Tyler im Horror-Genre, welches sie 2008 mit der Hauptrolle im Horrorfilm „The Strangers“ (die Fortsetzung ohne Tyler – „The Strangers: Opfernacht“ – erschien erst kürzlich) erstmals besuchte.

Handlung

Die (vordergründige) Handlung lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

Die zierliche Anna (Bel Powley) wächst eingesperrt und in völliger Isolation in einem kleinen Zimmer auf dem Dachboden eines abgelegenen Waldhauses auf. Ihren einzigen Kontakt zur Außenwelt stellt ein älterer Mann da, augenscheinlich ihr Vater, den das kleine Mädchen auch nur „Daddy“ (Brad Dourif) nennt. Jener schürt mit schaurigen Geschichten über ein kinderfressendes Ungeheuer, den bösartigen Wildling, ihre Angst vor der Welt außerhalb ihrer vier Wände. Außerdem verabreicht er ihr merkwürdige Spritzen, die sie ans Bett binden und die sie offenbar krank machen.

Eines Tages wird Anna dann im Alter von 16 Jahren von der örtlichen Polizei befreit. Das Leben in Freiheit überfordert die junge Frau zwar zunächst, doch Sheriff Ellen Cooper (Liv Tyler) und ihr Bruder Ray (Collin Kelly-Sordelet) nehmen diese bei sich auf und kümmern sich liebevoll um den verstörten Teenager. Anna wird immer offener und freundet sich mit der Außenwelt an.

Doch schon bald soll Anna ihre finstere Vergangenheit heimsuchen, denn der Wildling wartet schon auf das Mädchen …

Modernes Märchen

Mit Wildling“ präsentiert Fritz Böhm dem Zuschauer definitiv einen anderen Film, als es der obige Kurzinhalt zunächst erwarten lässt. Auf den ersten Blick sieht hier alles nach einem reinen Monster-Horror-Film aus, der womöglich mit etwas Fantasy angereichert ist. Doch der Film ist nur teilweise ein Creature Feature beziehungsweise ein modernes Märchen.

Fantastische Coming-of-Age-Story

Über den Subtext werden nämlich gänzlich andere Aspekte in den Mittelpunkt gestellt.

So ist „Wildling“ primär als eine Art fantastische Coming-of-Age-Story zu verstehen. Im Fokus steht die sonderbare Verwandlung eines jungen Menschen, eben nicht im wahrsten Sinne des Wortes in ein Monster, sondern etwa in eine andere Person. Man denke nur an die Pubertät und die Veränderungen, die Jugendliche in dieser Zeit erleben und durchmachen. Außerdem wird auch das Problem der Väter mit der Frauwerdung des Körpers der Tochter in der Pubertät angedeutet und deren Versuch skizziert, sie vor allen denkbaren Gefahren zu schützen, aber auch klein zu halten.

Vordergründige Handlung nur sekundär

Dadurch, dass das Publikum zu diesen lobens- und nennenswerten Untertönen und Leitmotiven aber zunächst durchdringen – wollen – muss, leidet der Fantasy-Horrorfilm allerdings an einer großen Schwäche: Die doch recht dünne Geschichte weiß für sich allein nicht zu überzeugen. Der Zuschauer merkt schon bald, dass die vordergründige Handlung eher sekundärer Natur ist und dass die unterschwelligen Botschaften, wie das Abweichen von der Norm sozialen Verhaltens sowie Verständnis dafür, den eigentlichen Kern des Filmes ausmachen.

Bel Powley in der Rolle der Anna (Copyright: capelight pictures)

Die vordergründige Handlung ist aber nun einmal auch relevant und so wäre es wünschenswert, dass der Film auch diese Seite nicht vernachlässigen würde. Doch trotz einiger atmosphärisch dichter und bedrohlicher Szenen bleibt Wildling“ größtenteils harmlos, bietet kaum Spannung oder gar Grusel und wird das Publikum im Horror-Bereich kaum abholen können.

Visuell ist das alles ausgesprochen ansprechend inszeniert, die darstellerischen Leistungen, insbesondere jene von Protagonistin Bel Powley wissen zu überzeugen und auch für einige Star-Power ist mit Brad Dourif und Liv Tyler gesorgt. Allein der Funke will nicht so recht überspringen.

Das Mediabook

Wer dennoch neugierig geworden ist, kann sich das Spielfilmdebüt von Fritz Böhm nunmehr zulegen, denn der Film erschien am 26. Oktober als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook, auf Blu-ray, DVD sowie digital.
Das Mediabook ist Capelight-typisch absolut hochwertig und kommt mit einem Interview mit Fritz Böhm sowie einem Storyboard daher.

Trailer

Inhalt

Eingesperrt in einem kleinen Zimmer auf dem Dachboden eines abgelegenen Waldhauses und isoliert von der Außenwelt, wächst Anna (Bel Powley) unter der Obhut eines mysteriösen Mannes auf, den sie nur als „Daddy“ (Brad Dourif) kennt. Mit schaurigen Geschichten über ein kinderfressendes Ungeheuer schürt er seit jeher ihre Angst vor der Welt außerhalb ihres Gefängnisses. Als Anna im Alter von 16 Jahren von der örtlichen Polizei befreit wird, fällt es ihr schwer, sich an die neue Lebenssituation in Freiheit zu gewöhnen. Erst als Sheriff Ellen Cooper (Liv Tyler) den verstörten Teenager fürsorglich bei sich aufnimmt, beginnt Anna, ihre Angst vor der Außenwelt und dem Monster zu verlieren. Doch schon bald kommt es zu einer Reihe beunruhigender Ereignisse …

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 26.10.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 92 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)