Review

Mit ihrem Dokumentarfilm „Cowspiracy – Das Geheimnis der Nachhaltigkeit“ zeigten Kip Andersen und Keegan Kuhn den Zusammenhang zwischen Umweltschäden und der industriellen Viehwirtschaft auf und sorgten damit für viel Diskussionsstoff. Nun folgt mit „What The Health“ der nächste Streich, der darüber aufklären soll, „wie Konzerne uns krank machen und warum niemand was dagegen unternimmt“.

In Zeiten, in denen Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Bluthochdruck immer stärker um sich greifen und auch das Thema Übergewicht zum alltäglichen Geschäft vieler Ärzte, Patienten und der Pharmaindustrie gehört, scheint eine gesunde Lebensweise nicht nur ratsam, sondern unabdingbar. Denn neben der genetischen Veranlagung lassen sich weitere Faktoren wie Umwelteinflüsse, der individuelle Lebensstil und hier insbesondere die Ernährung von jedem einzelnen Menschen selbst steuern, um die eigenen gesundheitlichen Risiken zu minimieren.
Doch was tun, wenn Lebensmittelkonzerne, Gesundheitsorganisationen und die Pharmaindustrie nicht mit offenen Karten spielen und statt die Betroffenen lieber den eigenen Profit im Blick haben? Dem und vielen weiteren Fragen und unbequemen Fakten gehen die beiden amerikanischen Dokumentarfilmer in „What The Health“ nach und konfrontieren mit ihren Rechercheergebnissen die Vertreter dieser Branchen.

Dem Zuschauer verspricht der Klappentext zudem: „„What The Health“ ist ein Film, der Ihnen die Augen öffnen wird – und mögliche Alternativen aufzeigt!“
Wer diesbezüglich noch nicht mit offenen Augen durch die Welt geht, dem werden tatsächlich einige interessante Fakten und Informationen beschert. Leider bleiben letztlich aber mögliche Alternativen nur angekratzt oder sogar ganz aus. Hier hätte man sich definitiv mehr „Anleitungen“ und Vorschläge gewünscht, um die bei vielen nach dem Film sicherlich angestrebte gesunde Lebensweise inklusive der Umstellung von (falschen) Essgewohnheiten auch praktikabler zu machen.

Ein großes Thema ist in diesem Zusammenhang natürlich der Fleischkonsum. Dass es in vielerlei Hinsicht Sinn macht, eine pflanzliche Ernährung der tierischen vorzuziehen, hatte bereits „Cowspiracy“ zum Thema. Sobald in „What The Health“ dies ebenfalls zur Sprache kommt, werden Zuschauer, die das Doku-Debüt von Andersen und Kuhn bereits kennen, so manch eingebaute Sequenz wiedererkennen, denn vorliegend greifen die Macher diesbezüglich nicht selten auf bereits für „Cowspiracy“ getätigte Aufnahmen und Interviewausschnitte zurück. Berechtigt, arbeitssparend und natürlich auch sinnvoll integriert, allerdings hätte man sich über zusätzliche, neue, bekräftigende Eingebungen und Argumente gefreut anstatt sich hier lediglich in Teilen von „Cowspiracy“ wiederzufinden.

Etwas fundierter und vor allem differenzierter hätte es ebenfalls zugehen können, denn gerne greift Kip Andersen auf Verallgemeinerungen zurück und kratzt daher mit seinen Ansätzen nur an der Oberfläche, neigt zu Pauschalisierungen und bleibt oftmals auf einem ähnlichen Niveau wie jene Protagonisten, die er selbst (zu Recht natürlich!) an den Pranger stellt.

Keegan Kuhn (links) und Kip Andersen (rechts) | Copyright: polyband Medien

In 88 Minuten der gesamten Komplexität dieses Themas gerecht zu werden, Missstände und Wahrheiten aufzudecken oder die aufgezeigte (man muss schon sagen) Scharlatanerie aus den Angeln zu heben, ist natürlich auch ein sehr ambitioniertes Ziel, das, gezwängt in diese kurze Spielzeit, in aller Konsequenz gar nicht gelingen kann. Dafür machen Kip Andersen und Keegan Kuhn ihre Sache allerdings sehr solide und setzen vor allem auf Emotionalität.
Punkten können sie dabei vor allem durch Sympathie, die der Zuschauer ihnen schnell entgegenbringt, und die nicht nur in zahlreichen empathischen Interviews zum Vorschein kommt. Da verzeiht man Kip Andersen auch manch Subjektivität gerne, da er insgesamt überzeugende Argumente vorbringt, die nicht nur passionierte Veganer oder Vegetarier ansprechen sollten.

Allein aufgrund des Themas und der authentischen Machart der Dokumentation hätte jene – wie sein Vorreiter „Cowspiracy“ – die Höchstwertung verdient. Leider ist nicht nur der kurzen Spielzeit geschuldet, dass einiges zu undifferenziert oder ganz auf der Strecke bleibt. Empfehlenswert und als Denkanstoß mehr als geeignet ist „What The Health“ jedoch allemal und weniger kritische Geister dürfen auf unsere Wertung gerne noch einen Punkt aufschlagen. Bleibt außerdem zu hoffen, dass Kuhn und Andersen noch einige weitere interessante Dokus folgen lassen werden, die den einen oder anderen zum Mit-, Nach- und vielleicht sogar Umdenken animieren werden.

Trailer

Inhalt

Der neue Film von den Machern von „Cowspiracy“ und Executive Producer Joaquin Phoenix

Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck und Krebs – diese Zivilisationskrankheiten kommen nicht von ungefähr. Aber es ist nicht ein einzelner Faktor, der für eine Erkrankung verantwortlich ist, sondern das Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren, dem individuellem Lebensstil – und somit auch der Ernährung!

Die Macher des preisgekrönten Dokumentarfilms COWSPIRACY konfrontieren Vertreter der Lebensmittelkonzerne, Gesundheitsorganisationen und Pharmaindustrie mit unbequemen Fakten und Fragen:
Warum wollen uns Konzerne scheinbar systematisch krank machen und wieso unternimmt niemand was dagegen?
WHAT THE HEALTH ist ein Film, der Ihnen die Augen öffnen wird – und mögliche Alternativen aufzeigt!

(Quelle: polyband Medien)

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Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Polyband / WVG
Erscheinungstermin: 29.09.2017
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 88 Minuten

Copyright Cover: polyband Medien



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde