Review

Die schwedische Schauspielerin Noomi Rapace ist einem breiteren internationalen Publikum insbesondere durch ihre Darstellung der Lisbeth Salander in der schwedischen Version der „Millennium-Trilogie“ des Autors Stieg Larsson vorstellig geworden. Durch ihre überzeugende Leistung konnte sie sich für Hollywood und vor allem für die Hauptrolle in „Prometheus – Dunkle Zeichen“ von Ridley Scott qualifizieren. Im Gegensatz zu Michael Fassbender, der im folgenden Scott-Film „Alien: Covenant“ eine Doppelrolle übernommen hat, begnügt sich Rapace im hiesigen Tommy Wirkola-Film „What Happened To Monday?“ nicht mit einer läppischen Doppelrolle, sondern mimt gleich sieben Rollen.

In der Dystopie des „Dead Snow“- und „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“-Regisseurs geht es um eine dunkle Zukunftsvision. In dem uns präsentierten Setting hat die rasant wachsende Menschheit – insbesondere die gestiegene Zahl von Mehrlingsgeburten – zu einer dramatischen Überbevölkerung geführt. Die globale Regierung unter der Führung der hartgesottenen Nicolette Cayman (Glenn Close) hat daher eine einschneidende Ein-Kind-Politik ins Leben gerufen. Überschüssige und rechtswidrige Geschwister und vor allem Mehrlinge werden – angeblich schmerzfrei – in einen Kryoschlaf gelegt, um sie in einer möglichen besseren Zukunft wieder aufzuwecken.

In dieser beklemmenden Zeit bringt Karen Settman Siebenlinge zur Welt, wobei sie selbst nicht überlebt. Der Großvater der Sprösslinge Terrence Settman (Willem Dafoe) möchte sich jedoch von keinem seiner Enkelkinder trennen. Er tauft sie im Krankenhaus zunächst nach den Wochentagen Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und Sunday (im Erwachsenenalter allesamt verkörpert von Noomi Rapace). Terrence erklärt den Siebenlingen schon recht früh, dass Mehrlinge keinen Platz in der Welt haben. Er unterrichtet sie darin, stets vorsichtig zu sein und stellt ihnen gemeinsam die Identität der Karen Settman zur Verfügung, die jede der (äußerst unterschiedlichen) Siebenlinge einen Tag pro Woche in der realen Welt darstellt. Eines Tages begibt sich Monday in Erwartung einer Beförderung zur Arbeit, soll indes am Abend für die routinemäßige Besprechung über den genauen Verlauf des Tages nicht wiederkehren. Die übrigen Settman-Schwestern befürchten das Schlimmste. Monday könnte in die Fänge des Kinder-Zuteilungsbüros geraten sein …

Wenn wir oben von gewichtig klingenden Begriffen wie Dystopie, Überbevölkerung oder Ein-Kind-Politik sprechen, mag das beinahe so klingen, als hätte Tommy Wirkola sich hier einem äußerst anspruchsvollen Science-Fiction-Thriller verschrieben – und ja, die Prämisse ist tatsächlich anspruchsvoll und zeitgemäß. Allerdings bleibt diese Prämisse dabei auch recht zügig auf der Strecke. Wirkola bleibt hinter den Möglichkeiten seines Themas zurück, da er es im Prinzip nur als Katalysator für einen – visuell allerdings gut gemachten – Action-Film nutzt. Von den knapp zwei Stunden Laufzeit widmet sich der Film nur relativ überschaubar den Verhältnissen und den Ursprüngen, die zu dieser kritischen Situation geführt haben. Das bleibt alles recht blass und schablonenhaft und geht nicht erheblich über das interessante Kernthema hinaus.

Passt man seine Erwartungshaltung jedoch diesen Begebenheiten an, dann kann man sich als Zuschauer über ein kurzweilig gestaltetes und mitunter richtig rabiates Actionspektakel freuen. An Action spart der Film nämlich keineswegs und kann mit Schießereien, allerlei handfesten Auseinandersetzungen, Explosionen und Verfolgungsjagden aufwarten.

Karen Settman ( Noomi Rapace), die gemeinsame Identität der Settman-Siebenlinge (Copyright: Splendid Film)

Die Darsteller sind hier ebenfalls durchweg gut aufgelegt. „Cruella De Vil“-Glenn Close („101 Dalmatiner“, „Guardians of the Galaxy“) mimt mühelos die machthungrige Regierungschefin, Willem Dafoe (zuletzt etwa in „Mord im Orient-Express“ zu sehen) kann alles spielen und glänzt hier entgegen seinen üblichen, verdächtigen Rollen als sorgender Großvater. Ein böser Ausrutscher, wie vor nicht allzu langer Zeit „Dog Eat Dog“, bleibt Dafoes Fans damit hoffentlich auch in Zukunft wieder erspart. Nicht zuletzt gebührt natürlich Noomi Rapace Anerkennung, die den Film mit ihren sieben Rollen trägt. Zwar hat sie nicht ausreichend Zeit um jede der Settman-Schwestern gleich individuell und facettenreich zu verkörpern, aber es gelingt ihr eine beachtliche, abgrenzbare Darstellung.

Abschließend kann man konstatieren, dass Tommy Wirkolas „What Happened To Monday?“ zwar sicherlich kein sonderlich gehaltvoller Film ist, aber er gefällt als kurzweiliges Action-Popcornkino mit einer omnipräsenten Hauptdarstellerin. Kann man sich – spätestens auf Netflix – durchaus mal angucken.

Trailer

Inhalt

In naher Zukunft zwingen Überbevölkerung und Hunger die globale Regierung zu einer drastischen Ein-Kind-Politik. Daher treiben die sieben Settman-Schwestern (Noomi Rapace) seit ihrer Geburt ein gefährliches Versteckspiel mit dem Kinder-Zuteilungsbüro: Jede von ihnen darf nur an einem Tag der Woche in die Öffentlichkeit – um die gemeinsame Identität der Karen Settman zu verkörpern. Für die anderen sechs wird ihr Zuhause zum Gefängnis. Der Plan funktioniert und stellt das Überleben der jungen Frauen sicher. Bis eine der Schwestern eines Tages nicht nach Hause kommt …

(Quelle: Splendid Film)

Homepage zum Film

Details

Region: Region B/2
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Splendid Film
Erscheinungstermin: 23.02.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 124 Minuten
Extras: B-roll / Behind the Scenes / Original-Trailer

Copyright Cover: Splendid Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)