Review

In der ersten Staffel der australischen TV-Drama-Serie „Wentworth“ begleitet der Zuschauer zunächst die Protagonistin Bea Smith (Danielle Cormack) in das berüchtigte (fiktive) Frauengefängnis Wentworth.
Sie kommt aufgrund des versuchten Totschlags an ihrem (gewalttätigen) Ehemann in die Haftanstalt. Die zurückhaltende Bea steht dort einer Ansammlung gefährlicher weiblicher Straftäterinnen gegenüber und muss sich in eine bereits bestehende hierarchische Struktur einfügen. Vor allem die Machtspiele und Intrigen zwischen den rivalisierenden Insassinnen Franky Doyle (Nicole da Silva) und Jacs Holt (Kris McQuade) bringen auch alle anderen Inhaftierten in außerordentliche Gefahr. Andererseits ergeben sich auch innerhalb der Gefängnisleitung Intrigen, die zu Spannungen führen. Zu allem Überfluss fühlt sich Beas Tochter mit ihren Nöten als Heranwachsende völlig allein gelassen.

Damit ist die Handlung der „Frauenknast-Serie“ auch bereits in aller Kürze erzählt. Naturgemäß – wir sehen eine Gefängnisserie – wird der Zuschauer insbesondere mit sozialen Problemen konfrontiert, wie vor allem Drogensucht, Verwahrlosung und Gewalt; aber auch Liebe, Freundschaft, Sexualität, Eifersucht und Rache sind zentrale Themen in „Wentworth“. Hier wird man also mit einem ganzen Strauß von Emotionen konfrontiert.

Entgegen der ersten Erwartung zeichnet sich diese Serie aber nicht durch eine klassische Erzählweise aus. Es gibt keine ausgeprägte Hierarchie der Haupt- und Nebenfiguren, also kein hergebrachtes Ein-Protagonisten-Prinzip.
Gerade zu Beginn der ersten Staffel bleibt die Rolle der Bea Smith noch auffällig blass und uninteressant, vor allem im Vergleich zu der – vermeintlichen – Nebenfigur Franky Doyle. Gerade die
Rivalität zwischen der jungen und attraktiven Franky und der alternden Jacs ist oft beherrschend. Die Darstellerin der Franky, Nicole da Silva, neigt jedoch allzu gern (mit ihrer Mimik) zum Overacting, was auf Dauer nervend für den Zuschauer ist. Auch einige der anderen Damen sind oft allzu klischeebeladen. Bei fast jeder der Insassinnen zeigt sich aber auch: harte Schale, weicher Kern.

Das Publikum erhält dabei in jeder einzelnen Episode Hintergrundinformationen in Form von Rückblenden über die einzelnen Frauen in Wentworth. Durch diese Art der Inszenierung wird einer größeren Anzahl von Figuren ähnlich viel Zeit und Raum gewährt und jeder Dame ist ein eigener Handlungsstrang zugeordnet. Dadurch steigt auch das Interesse an den einzelnen Gefängnisinsassen.
Das Gesagte bezieht sich auch auf die Gefängniswärter und deren Privatleben, die dem Zuschauer ebenfalls ausgiebig vorgestellt werden.

Die rivalisierenden Insassinnen Franky Doyle (Nicole da Silva) und Jacs Holt (Kris McQuade) aus „Wentworth“ (Copyright: WVG Medien GmbH)

Eine weitere Stärke von „Wentworth“ ist die düstere Stimmung im Frauengefängnis; hier wird nichts beschönigt und nichts veralbert. Allerdings mangelt es der Serie in den ersten Episoden an spannenden Höhepunkten; mit solchen kann sie aber gerade gegen Ende wieder auftrumpfen.

„Wentworth“ ist vor allem im Herstellungsland Australien sehr erfolgreich (es gibt schließlich bereits eine fünfte Staffel) und wird mit Sicherheit auch hier eine Zielgruppe finden. Es sei allerdings der Hinweis erlaubt, dass man schon ein gewisses Interesse für die Themen rund um ein Frauengefängnis mitbringen sollte, da die Serie sicher nicht jedermanns Sache ist. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass gerade der US-Serien-Boom der letzten Jahre bewirken könnte, dass „Wentworth“ hierzulande einen schweren Stand hat.
Gerade für Zuschauer, die grundsätzlich Interesse an einer Drama-Serie über einen „Frauenknast“ haben, ist „Wentworth“ (dessen zweite Staffel bereits am 28. April erscheinen wird) mit seiner realitätsnahen Härte und seinen Wendungen aber durchaus empfehlenswert.

Inhalt

Nach der Verurteilung wegen versuchten Mordes an ihrem Ehemann kommt Bea Smith (Danielle Cormack) ins berüchtigte Frauengefängnis Wentworth. Hineingeworfen in diese unbekannte und gewalttätige Welt weiblicher Straftäterinnen, in der die brutale Franky mit harter Hand regiert, scheint Bea nicht lange überleben zu können. Es gibt nur eine Möglichkeit: Sie muss schnell lernen, wie das Leben im Frauenknast funktioniert. Besonders schwer fällt ihr dabei, dass sie durch die Gefängnismauern von ihrer Tochter getrennt ist.
Als jedoch die Direktorin Meg Jackson (Catherine McClements) die rivalisierenden Insassinnen Franky Doyle (Nicole da Silva) und Jacs Holt (Kris McQuade) aufeinander loslässt, treten menschliche Abgründe zu Tage. Doch es zählen auch Werte wie Zusammenhalt und Freundschaft, wenn die Frauen sich Trost spenden.

(Quelle: WVG Medien GmbH)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: WVG Medien GmbH
Erscheinungstermin: 24.02.2017
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 450 Minuten
Extras: Behind the scenes / Interviews mit Cast & Crew / Am Filmset

Copyright Cover: WVG Medien GmbH



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?