Review

Das „Viktorianische Zeitalter“ umschreibt wohl nicht nur die florierendste Wirtschaftszeit Großbritanniens Ende des 19. Jahrhunderts, diese Ära inspiriert und fasziniert auch heute noch viele Menschen, denkt man zum Beispiel an das alljährlich stattfindende „Viktorianische Picknick“ im Rahmen des Wave Gotik Treffens in Leipzig.
Geprägt durch die Regentschaft von Königin Victoria wird diese Epoche nun auch filmisch erneut zum Leben erweckt, und zwar durch die zunächst als Miniserie angelegte Produktion mit dem schlichten Titel „Victoria“.

Jener zeugt bereits vom Inhalt der jetzt auch in Deutschland auf DVD, Blu-ray und digital erhältlichen ersten Staffel, die sich ganz der Darstellung der einstigen Monarchin verschrieben hat.
Ihre frühen Herrschaftsjahre stehen zunächst im Mittelpunkt der vorliegenden acht Episoden, die authentisch nachgezeichnet wurden, indem sich Drehbuchautorin Daisy Goodwin die originalen Tagebücher von Queen Victoria als Vorlage genommen hat.

Die Absicht, das Filmmaterial daher so historisch genau zu halten, wie möglich, gelingt, birgt allerdings gleichzeitig die Gefahr, dass die Serie hinsichtlich der Spannung phasenweise deutliche Abstriche machen muss. Das Leben und Regieren einer Königin ist nun einmal nicht permanent so spektakulär, wie man es sich vielleicht vorstellt. Entsprechend stößt der Zuschauer einige Male auf eher langgezogene Sequenzen, die zwar den Charme des Zeitalters stets gut widerspiegeln, inhaltlich aber oftmals recht belanglos oder gar langweilig wirken.
Diesbezügliche Abhilfe hätte das eine oder andere hinzugedichtete Detail schaffen können, insgesamt wird in „Victoria“ (für eine britische Produktion immerhin verständlich) jedoch ein weitgehend unkritisches Bild der Monarchin präsentiert, das solche filmischen Kniffe ausschließt.

Erst mit dem Auftreten weiterer Figuren, darunter vor allem Victorias zukünftiger Ehemann Prinz Albert, steigert sich zusehends auch der Unterhaltungswert der Fernsehserie, wenngleich dadurch die amouröse Seite im Leben der Königin fokussiert wird, während ihre Regentschaft sowie etwaige Intrigen am Hof parallel dazu mehr in den Hintergrund rücken.

Die Figur des Prinzen ist es auch, die hier fortan immer mehr an Profil gewinnt. Im direkten Vergleich dazu wirkt die veranschaulichte Charakterentwicklung der Protagonistin fast schon zu unauffällig, insbesondere weil es scheint, dass der Zeitspanne, in der Victoria von einer jungen unbedarften Frau in die Königsrolle mit Verantwortung wechselt, gesamt gesehen zu wenig Platz eingeräumt wird.

Szenefoto aus „Victoria – Staffel 1“ (Copyright: Edel:Motion)

Gut forcieren die Macher von „Victoria“ aber zunehmend zwei größere Nebenhandlungen. Fern vom Leben der Hauptfigur spielen somit sowohl Prinz Ernest als auch die Zofe Eliza Skerret eine verstärkte Rolle in diesem Serienformat. Gerade die Einbindung des Handlungsstrangs um Zofe Eliza Skerret (gespielt von Nell Hudson) streift dabei die damaligen Gegensätze vom Leben am Hof gegenüber den täglichen Nöten, gesundheitlichen Sorgen und Existenzängsten des einfachen Volkes, sodass „Victoria“ nicht allzu eindimensional ausfällt.

Noch fällt unser Urteil zu „Victoria – Staffel 1“ eher verhalten aus, wenngleich eine Empfehlung für Fans von Historiendramen an dieser Stelle ausgesprochen wird. Die Serie besitzt jedoch das Potenzial, sich bereits mit Staffel 2 deutlich zu steigern – und der Cast – u.a. mit Jenna Coleman in der Hauptrolle – lädt ebenfalls zum Schauen und Weiterverfolgen ein.

Trailer

Handlung

England, 1837: Nach dem überraschenden Tod ihres Onkels Wilhelm IV muss Victoria im Alter von nur 18 Jahren den Thron besteigen. Hin- und hergerissen zwischen Gefühlen und Verpflichtungen, muss die junge Königin (Jenna Coleman, „Doctor Who“) an einem intriganten Hof und gegen den Willen der eigenen Familie in die Rolle der Herrscherin hineinwachsen.

Nur ihr engster Berater und innigster Vertrauter, Lord Melbourne (Rufus Sewell, „The Man in the High Castle“) steht ihr zur Seite, was am Hof schon bald Anlass zu skandalösen Spekulationen bietet. Das ändert sich, als der deutsche Prinz Albert (Tom Hughes, „Silk“) auftaucht und äußerst unwillig anfängt, um Victorias Hand anzuhalten …

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

DVD 01
01 Puppe 123
02 Hofdamen

DVD 02
03 Broket Hall
04 Ein Prinz wie ein Uhrwerk
05 Eine gewöhnliche Frau

DVD 03
06 Die Position des Prinzgemahls
07 Die Weichen werden gestellt
08 Young England

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 31. März 2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 408 Minuten
Extras: DVD-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde