Review

Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

So heißt es jedenfalls in § 130 Abs. 3 StGB, der Fälle der Volksverhetzung normiert und unter Strafe stellt. Leugnen meint dabei das Abstreiten des als historische Tatsache offenkundigen unter dem NS-Regime begangenen Völkermordes. Dies erfasst sowohl die „einfache Auschwitzlüge“ (schlichtes Bestreiten) als auch die „qualifizierte Auschwitzlüge“, die den NS-Völkermord als „Lüge“, „Mythos“ oder „Erfindung“ mit dem Motiv angeblicher Erpressung kombiniert. Entscheidend ist, dass sich aus den Umständen der Äußerung das Bestreiten ergibt (vgl. Graf v. Schlieffen in: Leipold/Tsambikakis/Zöller, Anwaltkommentar StGB, 2. Aufl. 2015, § 130 Volksverhetzung, Rn. 23).

Dass das nicht überall oder schon immer so klar war bzw. ist, veranschaulicht das auf wahren, aber nicht minder skurrilen Begebenheiten beruhende US-amerikanisch-britische Filmdrama „Verleugnung“ (Originaltitel: Denial) von Regisseur Mick Jackson („Bodyguard“).

Zu Beginn des Dramas hält die amerikanische Historikerin und Holocaust-Forscherin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) einen Vortrag anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Buches, als sie unerwartet aus dem Auditorium von dem britischen Autor und Historiker für Nationalsozialismus David Irving (Timothy Spall) mit Fragen und Vorwürfen konfrontiert wird. In ihren Büchern und Vorträgen bezeichnet Lipstadt jenen, der etwa 30 Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus verfasst hat, als Holocaust-Leugner. Sie weigert sich mit ihm darüber zu diskutieren, ob die  staatlich organisierten Verbrechen tatsächlich stattgefunden haben und glaubt zunächst die Angelegenheit habe sich erledigt. Irving strengt jedoch eine Verleumdungsklage im Vereinigten Königreich gegen Lipstadt und ihren Verleger an. Dies führt zu einem hochexplosiven und äußerst bizarren Rechtsstreit, da im Vereinigten Königreich die Beweislast in einem Verleumdungsfall bei der Beklagten liegt. Deborah Lipstadt und ihre britischen Rechtsanwälte Anthony Julius (Andrew Scott) sowie Richard Rampton (Tom Wilkinson) und ihr Team müssen also beweisen, dass der Holocaust tatsächlich stattgefunden und Irving in Bezug darauf vorsätzlich gelogen hat. Diese Aufgabe erweist sich als schwieriger, als man zunächst annehmen dürfte …

Für sein Drama konnte Filmemacher Mick Jackson einen äußerst talentierten Cast gewinnen. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass seine Darsteller nicht immer genug an die Hand bekommen, um in ihren Rollen zu brillieren.
Gerade Rachel Weisz („Die fantastische Welt von Oz“, „The Fountain“) als Protagonistin Deborah Lipstadt gibt hier leider allzu oft die
klischeebeladene, temperamentvolle Amerikanerin, die stets im Überschwang der Gefühle und trotz Ratschlägen ihrer Fachmänner selten souverän und sachlich wirkt.
Selbst der hervorragende Timothy Spall (unbedingt anschauen: „Mr. Turner – Meister des Lichts“ als exzentrischer, lebendiger, komischer Kauz und Maler William Turner) kann hier nur eingeschränkt sein Talent zur Schau stellen.
Dies gilt auch für seinen Kontrahenten im Gerichtssaal Tom Wilkinson („Snowden“, „Batman Begins“) als Richard Rampton, der aber noch am meisten in seiner Rolle aufblüht und überzeugt.

Deborah E. Lipstadt (Rachel Weisz) im Filmdrama „Verleugnung“ (Copyright: SquareOne / Universum Film)

Dass die Darstellungen das Publikum nicht vollends überzeugen können, liegt vor allem an der größtenteils leidenschaftslosen, unaufgeregten und nüchternen Inszenierung. Man sollte hier zwar auch kein Spektakel erwarten, dennoch hätten die Szenen etwas weniger eintönig ausfallen können.

Auch die musikalische Untermalung gerät teilweise zu emotionalisierend und gefühlsbetont. Insgesamt überwiegt am Ende daher leider das Gefühl, dass hier mehr drin gewesen wäre.

Dessen ungeachtet ist der Prozess Irving gegen Lipstadt gerade deshalb so attraktiv für eine Verfilmung, weil er so dermaßen befremdlich ist. Sicherlich ist „Verleugnung“ kein Film für einen entspannten und kurzweiligen Abend auf der Couch, aber die Thematik ist hochinteressant und regt zum Nachdenken an. Gerade in einer Zeit, in der Donald Trump sich regelmäßig seine geliebten „Fake News“ vorknöpft, ist das Drama am Puls der Zeit.

Trailer

Inhalt

Die amerikanische Universitätsprofessorin Deborah E. Lipstadt (Rachel Weisz) wird unerwartet zur Verteidigerin der historischen Wahrheit, als der britische Autor David Irving (Timothy Spall) sie wegen Verleumdung verklagt. In ihrem jüngsten Buch hatte Lipstadt ihm die Leugnung des Holocaust vorgeworfen. Durch das britische Justizsystem in die Defensive gedrängt, steht sie nun gemeinsam mit ihren Verteidigern, angeführt von Richard Rampton (Tom Wilkinson), vor dem absurden Problem, nicht nur sich selbst zu verteidigen, sondern auch beweisen zu müssen, dass der Holocaust tatsächlich stattgefunden hat. Statt sich jedoch eingeschüchtert zu geben, weckt diese scheinbar unlösbare Aufgabe ihren Kampfgeist. Lipstadt lehnt jeden Vergleich ab und stellt sich vor Gericht ihrem unerbittlichen Gegner …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 25.08.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 110 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian

Warum denn so ernst?