Review

Der „Paddington Bär“ unter den Krimiserienermittlern (die kantige Hauptkommissarin Vera Stanhope, fast immer bekleidet mit Mantel und Hut und daher nicht selten an jene Kinderbuchfigur erinnernd), meldet sich mit „Vera: Ein ganz spezieller Fall – Staffel 5“ nach turbulenter vorausgegangener Staffel zurück und serviert vier neue Fälle, die diesmal weitaus deutlicher im Mittelpunkt stehen, als es der Zuschauer bisher gewohnt war.

Denn in Staffel 5 tritt die Nebenhandlung rund um die Protagonistin derart weit in den Hintergrund, dass die Fälle, deren Ermittlungsarbeit sowie die Einführung der neuen Figur, Sergeant Aiden Healy, fokussiert werden. Das kommt der Serie zugute und wird von Krimi-Fans begrüßt werden.

Leider bleibt das Potenzial des neuen Charakters unausgeschöpft und jener entsprechend blass und schablonenhaft. Dies wird sich vermutlich auch in den weiteren noch folgenden Staffeln nicht korrigieren lassen, denn statt mit der neuen Rolle gleichzeitig auch neue Impulse zu setzen, bedient man sich an gängigen Zutaten für seine Charakterausarbeitung und verpasst damit die Chance, mit Sergeant Aiden Healy die Serie zu bereichern.

Immerhin, für Bereicherungen sorgen auf ein Neues die abwechslungsreichen und komplexen Kriminalfälle, die – auf den Geschichten der Autorin Ann Cleaves basierend – hervorragend inszeniert wurden.
Landschaftlich in raue Kulissen gebettet und die Ermittlungsarbeit in ebenso raue Hände gegeben, überzeugen in „Vera: Ein ganz spezieller Fall – Staffel 5“ entsprechend sowohl die Schauplätze als auch die Hauptdarstellerin Brenda Blethyn. Ihre unkonventionelle Vorgehensweise macht es dem Hobbyermittler vor dem Bildschirm nicht immer einfach, selbst oder vorzeitig Lösungen zu finden; von allzu konstruierten Ermittlungen und nicht nachvollziehbaren Auflösungen der Fälle nimmt die Serie jedoch ebenfalls Abstand. So wird Spannung von der ersten bis zur letzten Folge garantiert, während nicht selten tief in die Vergangenheit der Nebenfiguren und Täter eingedrungen wird. Die dabei zum Vorschein kommenden brisanten Details und Hintergründe wirken authentisch und erscheinen in Kombination mit althergebrachten Ermittlungsmethoden, die auf moderne Techniken weitgehend verzichten, äußerst stimmig.

Auch wenn man für eine britische Krimiserie ein wenig mehr schwarzen Humor erwarten darf, sorgt insbesondere die schroffe Art der Protagonistin für einige Schmunzler, die das zumeist ernste, ab und an auch sehr tragische und dramatische Geschehen auflockern.

Raues Klima, raue Landschaft, raue Charaktere – und ein Mord nie weit entfernt: „Vera: Ein ganz spezieller Fall – Staffel 5“ (Copyright: Edel:Motion)

Mag die Hauptfigur zu Beginn der Serie noch polarisiert haben, wuchs sie den meisten Zuschauern über die bisherigen fünf Staffeln immer mehr ans Herz. So ist es auch in den vorliegenden aktuellen Fällen nicht mehr so, dass Vera Stanhope vom Publikum entweder geliebt oder gehasst wird; vielmehr überzeugt hier die Brillanz ihrer Arbeit innerhalb der Serie – eine sehr gute Entscheidung also, die privaten Geschehnisse dieses Charakters einmal zurückzustellen.

Die Möglichkeiten, sich mit einer Vielzahl an Krimiserien die Zeit zu vertreiben, sind groß. Ebenso groß ist jedoch auch die Gefahr, im Nachhinein auf reine Zeitverschwendungen zurückzublicken. „Vera: Ein ganz spezieller Fall – Staffel 5“ gehört glücklicherweise zu jenen Veröffentlichungen, die kein Bedauern nach sich ziehen. Weil hier außerdem der Fokus auf das kriminalistische Handwerk gelegt wird, sind Vorkenntnisse über einzelne Figuren aus bereits veröffentlichten Staffeln nicht notwendig, sodass auch Quereinsteiger einen großartigen Krimi-Genuss erfahren werden.

Trailer

Handlung

Die unverwechselbare Kommissarin Vera Stanhope (Brenda Blethyn) kehrt zurück, und sieht sich mit einer ganzen Reihe verzwickter Fälle konfrontiert. Unterstützt wird sie von dem neuen Sergeant Aiden Healy (Kenny Doughty).

Gemeinsam untersuchen sie eine tödliche Feuersbrunst in einem Trailer-Park und entschlüsseln ein seit dreißig Jahren gehütetes Geheimnis in einer verschworenen Bergarbeiter-Gemeinde. Außerdem tauchen sie in die letzten Monate des Lebens eines Toten ein, welcher in einer Jauchegrube gefunden wurde und decken das unfassbare Doppelleben eines Familienvaters auf.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

01 Schuldgefühle (Changing Tides)
02 Alte Wunden (Old Wounds)
03 Der Tote im Jauche-Becken (Muddy Waters)
04 Vergeltung (Shadows in the Sky)

Details

Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 03.02.2017
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 355 Minuten
Extras: DVD-Highlights

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde