Review

„Lust auf Blut“ haben laut Untertitel nicht nur die Protagonistinnen des Erotik-Horror Remakes „Vampyres“, das unter Regie von Victor Matellano in einer FSK 18 Version ungeschnitten veröffentlicht wird, sondern auch die Augen jener Zuschauer mit Vorliebe für „Lesbo-Vampir-Slasherei“ bekommen vom roten Saft mehr als genug. Doch reicht eine Menge Kunstblut schon aus, um Horror-Genuss zu garantieren?

Die Antwort auf diese Frage ergibt sich nach knappen 76 Minuten Laufzeit des Films quasi von selbst. Viel Platz für tiefgehende Inhalte bleibt da nicht und leider verliert man in dieser Kürze nicht nur sämtliche Logik, sondern auch den Fokus auf die Erotik zugunsten einiger „Saw“-artiger Folterszenen aus den Augen. Folter statt Orgien ist daher gegen Ende das Motto von „Vampyres“, der insgesamt nur wenig von seinen angekündigten plakativen Zutaten bietet.

Mehr noch fragt man sich im Nachhinein, weshalb es überhaupt weibliche Vampire sein mussten, die Pate für die hier auserwählten Horrorfiguren stehen. Auf ganzer Linie austauschbar hätten jede x-beliebigen weiblichen Komparsen ohne blutsaugerischen Hintergrund oder solide Soziopathinnen dem Plot gerecht werden können, denn von der „Inspirationsquelle“ – namentlich Elisabeth Báthory – ist bis auf ihre einmalige Erwähnung am Rande als Vorfahrin der Protagonistinnen keine weiterreichende Rede. Das Vampirmotiv als solches dient somit zwar als netter Aufhänger, der auch in Schrift-, Cover- und Menüdesign gelungen zum Ausdruck gebracht wird und einige Male an die visuelle Ästhetik einer Band wie Cradle of Filth erinnert, wird aber im Film selbst eher stiefmütterlich behandelt.

Nun haben wir unsere Vampirinnen aber einmal – und schön anzusehen sind sie ja auch, wenngleich man sich fragt, inwiefern sich eine „Vampirin“ wohl einer Brust-OP unterziehen kann (dies alles war im 1974er Original einfach weitaus „authentischer“ angelegt), oder warum jene ausgerechnet eine für sie tödliche Armbrust als Wohnaccessoire ausgesucht haben… Sei es drum, optisch machen sowohl die weibliche Blutsaugerbesetzung als auch die Armbrust etwas her. Anders der Inhalt von „Vampyres“, der einfach nicht auf den Punkt kommen will und statt den Zuschauer zu fesseln, ihn zu eben solchen Fragen verleitet.

Abschweifen wird man daher nicht nur einmal – und daran ändern leider auch die partiell erotisch-ästhetischen Aufnahmen nichts. Vielmehr können sie für den Moment zwar gefallen, täuschen jedoch nicht über zahlreiche Fehler und Makel des Films hinweg. Beinahe jeder Ansatz einer Handlung oder jede Möglichkeit, Inhalt zu liefern, wird in der nächsten Szene irrelevant oder gar ad absurdum geführt. Zunächst wichtige Begebenheiten verschwinden damit im Nichts oder werden binnen kürzester Zeit zur Nebensächlichkeit. Ein befreundetes Paar wird vermisst und gesucht? In der nächsten Minute bereits komplett vergessen. Ein weiterer Freund verschwindet? Umgehend nach der Feststellung seines Fehlens egal. Gerade noch helllichter Tag, beim nächsten Kameraschwenk jedoch tiefste Nacht? Was solls, man soll ja schließlich in erster Linie gucken und nicht mitdenken. Dass dabei die Reaktionen und Verhaltensweisen einzelner Figuren nicht nachvollziehbar sind, ist somit letztlich pure Gewöhnungssache.

Schöne Frauen, Sex und Blut – die Zutaten von „Vampyres“. (Copyright: Donau Film)

In diesem Kontext überzeugen außerdem die Dialoge nicht. Schlecht und nichtssagend besitzen sie weder inhaltliche Relevanz noch dienen sie hilfreich den entsprechenden Szenen.

Hervorragend ist jedoch der Soundtrack ausgefallen. Und wer auf lesbische Kurzszenen (im für FSK 18-Verhältnisse und als Uncut-Version überraschenderweise jedoch eher amerikanisch-züchtigen Stil) steht, der wird ebenfalls sporadisch bedient werden. Davon abgesehen wird das Original in den 70er Jahren aber für weitaus mehr Furore gesorgt haben. Schade, „Vampyres“ hätte in seiner Neuauflage durchaus ein Kracher werden können.

Trailer

Handlung

Uncut, atmosphärisch und erotisch – Das bluttriefende Remake des gleichnamigen Horror Klassikers

Fran und Miriam sind zwei lesbische Vampire, die in Mittelengland auf einem alten Anwesen leben. Ihre Nahrungsquelle: Männer und Frauen auf der Durchreise. Sie schenken ihnen eine leidenschaftliche Nacht, um ihnen danach auf bestialische Weise das Leben zu nehmen.
Nachdem Fran für eines ihrer männlichen Opfer Gefühle entwickelt, gerät die Situation allmählich außer Kontrolle. Als dann drei neue Gäste auftauchen, nimmt das Unheil seinen Lauf …

(Quelle: Donau Film)

Details

Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Donau Film / Al!ve
Erscheinungstermin: 17.02.2017
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 76 Minuten
Extras: Making-of / Original Trailer / Interview mit Caroline Munro / Bildergalerie

Copyright Cover: Donau Film



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde