Review

Wir schreiben das Jahr 2048. Wieder einmal steht die Menschheit an der Schwelle zu ihrer gänzlichen Extinktion. Die Bevölkerungszahl auf dem blauen Planeten ist außer Kontrolle, die Umwelt geht immer mehr zugrunde, die Ressourcen sind erschöpft und Kriege haben die Welt völlig verwüstet. Die Menschen sind ihrer Heimat entwachsen. In etwa zehn Jahren werde die Erde unbewohnbar sein, prophezeit der Wissenschaftler Professor Martin Collingwood (Tom Wilkinson).

Doch Collingwood hat eine Hintertür bei der Hand: Titan, der größte Mond des Planeten Saturn, lässt die Menschheit hoffen. Bei diesem handelt es sich, ob seiner Atmosphäre und des Auftretens von Flüssigkeit, um den erdähnlichsten Himmelskörper des Sonnensystems. Dessen ungeachtet herrschen dort äußerst lebensfeindliche Bedingungen. Statt aber diesen Mond im Sinne der Menschen umzuformen, plant Professor Collingwood, das Menschengeschlecht passend zu den Gegebenheiten zu entwickeln – quasi erzwungene Evolution mit dem Ziel, optimierte Menschen zu erschaffen.

Zu diesem Zweck laden der Professor und sein wissenschaftliches Team eine Reihe Kandidaten mit militärischer Erfahrung ein, die ihre Überlebensfähigkeit bereits zuvor unter härtesten Bedingungen unter Beweis gestellt haben. Unter den für das genetische Evolutionsexperiment Auserwählten ist auch Lieutenant Rick Janssen (Sam Worthington). Dieser und die anderen Probanden (u.a. auch Nathalie Emmanuel) können zunächst einige beeindruckende Erfolge und evolutionäre Fortschritte verzeichnen. Schon bald ändert sich jedoch nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch das Verhalten der Teilnehmer einschneidend. Die Angehörigen, insbesondere Dr. Abigail Janssen (Taylor Schilling), Ricks Frau, müssen – mehr oder weniger – hilflos mit ansehen, wie ihre Liebsten zunehmend zu anderen Geschöpfen mutieren …

Titan – Evolve or die ist das Langfilm-Debüt des Mannheimer Filmemachers Lennart Ruff, der sich bislang vor allem als Kurzfilm- und Werberegisseur hervorgetan hat. Für seinen Genre-Mix aus Science-Fiction, Thriller und einem Quäntchen Drama konnte er einen recht beachtlichen Cast gewinnen. So sehen wir hier insbesondere den großen Tom Wilkinson (siehe unsere Reviews zu: „Jenny’s Wedding“ oder „Verleugnung“) als eine Art verrückten Wissenschaftler, „Game of Thrones“-Star Nathalie Emmanuel (dort in der Rolle der Missandei) als eines der Versuchskaninchen, Agyness Deyn (als Aphrodite in der Neuverfilmung von „Kampf der Titanen“ zu sehen) als Laborassistentin, „Orange Is the New Black“-Star Taylor Schilling als besorgte Ehefrau und nicht zuletzt natürlich Sam Worthington als ehemaligen Air Force-Pilot Rick Janssen und (eigentlichen) Protagonist der Story.

Letzterer war für kurze Zeit immerhin mal DAS Gesicht des Blockbuster-Kinos, mit prestigeträchtigen Rollen in Filmen, wie „Terminator: Die Erlösung“, James Camerons technischem Meisterwerk „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ oder auch dem 3D-Reißer „Kampf der Titanen“. Zuletzt haben wir ihn etwa in Mel Gibsons „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ gesehen. Bisher ist der australische Darsteller indes auch für durchwachsene schauspielerische Leistungen bekannt, was sich mit Titan – Evolve or die“ auch nicht ändern soll. Emotionaler Anker des Filmes ist vielmehr Kollegin Taylor Schilling, die ihre Sache – im Rahmen des Skriptes – sehr ordentlich macht und dem Science-Fiction-Film damit eine gewisse gefühlsbetonte Tiefe verleiht.

Nun zum Drehbuch: Alle Zuschauer, die hier antreten, da sie sich, ob des Trailers, ein opulentes Weltraum-Abenteuer versprochen haben, dürften herb enttäuscht werden. Denn „Titan – Evolve or die“ spielt primär in diversen Laboratorien, zeigt Experimente oder schlicht Rick Janssen und seine Frau Abigail im Pool.

Sam Worthington als Rick Janssen in „Titan – Evolve or die“ (Copyright: EuroVideo Medien GmbH)

Der ganze Film ist dabei recht entschleunigt. Das wirkt zu Beginn noch recht stimmungsvoll und steigert das Interesse, wird aber nach einiger Zeit langatmig. Wie schon bei dem zuletzt besprochenen „What Happened To Monday?“ ist auch hier die Prämisse grundsätzlich interessant und rechtfertigt eine filmische Umsetzung. Allein ist der Film viel zu oberflächlich und belanglos, als dass der Zuschauer sich wirklich für seine Welt interessieren könnte. Der ebenfalls dystopische „Wat Happened To Monday?“ konnte im Gegensatz dazu mit einiger rasanter Action punkten, die hier aber größtenteils ausbleibt. Stattdessen entwickelt sich die vornehmlich eintönige Handlung dann viel zu abrupt zu  – unpassendem – Body-Horror und fixiert sich zunehmend auf nicht besonders gelungen in Szene gesetzte Mutationen und mehr oder weniger starke Deformationen (Haarausfall, blutende Augen etc.). Dies wird dem zähen Aufbau nicht gerecht und lässt den Zuschauer doch recht enttäuscht zurück.

Von den Logik-Löchern innerhalb der Geschichte mal abgesehen, bleiben am Ende kaum gute Gründe, sich Lennart Ruffs Sci-Fi-Film auf die Watchlist zu setzen – schade.

Trailer

Inhalt

In einer nahen Zukunft steht die Erde kurz davor, für die Menschen unbewohnbar zu werden. Mit Titan, dem größten Mond des Saturns, scheinen Forscher eine alternative Heimat für die Menschheit gefunden zu haben. Der ehemalige Air Force-Pilot Rick Janssen (Sam Worthington) wird für ein geheimes Gen-Projekt ausgewählt, das ihn zu einem Übermenschen transformieren soll, um die rauen Bedingungen auf dem neuen Planeten überleben zu können. Doch bald zeigen sich gefährliche Nebenwirkungen, die ihn selbst, seine Frau Abigail (Taylor Schilling) und ihren Sohn in Gefahr bringen …

(Quelle: EuroVideo)

Details

Format: Widescreen
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: EuroVideo Medien GmbH
Erscheinungstermin: 09.05.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 97 Minuten
Extras: Interviews

Copyright Cover: EuroVideo



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)