Review

Zombie-Apokalypse in Paris – und mittendrin Sam als (scheinbar) einziger Überlebender in der Wohnung seiner Ex.

Regisseur Dominique Rocher widmet sich in seinem Film „The Night eats the World“ den beliebten lebenden Toten, präsentiert seinen Survival-Horror aber anders, als die meisten Filmemacher dies tun.
Im minimalistischen Arthouse-Flair fokussiert sich Rocher auf die psychischen und physischen Aspekte des Protagonisten inmitten der Apokalypse und die damit einhergehende Sicherstellung elementarer Grundbedürfnisse (wie beispielsweise ausreichend Nahrung und Wasser zu sammeln). Dreh- und Angelpunkt des Films ist zudem der Umgang mit der Einsamkeit und der völligen Isolation.
Während all dies im Vordergrund steht, spielen Splatter-Elemente, Action sowie die Frage nach der Ursache der Zombifizierung lediglich eine untergeordnete bis gar keine Rolle.

Entsprechend setzt „The Night eats the World“ nicht auf Tempo. Durch seinen sehr entschleunigten Handlungsverlauf braucht der Film allerdings ein bisschen Zeit, um in Fahrt zu kommen; an einigen Stellen entstehen zudem unnötige Längen respektive Szenen, die keine oder nur wenig Relevanz für die Handlung haben.

Gewöhnungsbedürftig dürfte einigen Zuschauern auch der zurückgenommene Sprachanteil erscheinen. Sowohl mit Dialogen als auch mit Monologen oder sonstigem Sprechtext geht „The Night eats the World“ sehr sparsam um. Mehr noch lassen die Macher oft lediglich Bilder einer Szene durch langes „Draufhalten“ für sich sprechen. Dies mag der Arthouse-Ausrichtung geschuldet sein, die eventuell nicht jedermanns Geschmack trifft. Der Atmosphäre des Films ist dieses Vorgehen jedoch dienlich und ebenso lauern in diesen Sequenzen die Momente, in denen sich der Zuschauer in die Hauptrolle hineindenkt und sich fragt, wie das eigene Handeln und Verhalten in solch einer Situation wohl ausfallen würde.

Dabei ertappt man sich allerdings auch, das Verhalten des Protagonisten logisch nachvollziehen zu wollen. So verfolgt man gespannt seinen bisweilen sehr authentischen und plausiblen Handlungen. Stellenweise erscheinen diese aber ebenso unlogisch und weniger nachvollziehbar. Verwunderlich ist somit gleich schon zu Beginn die Tatsache, dass Sam sehr schnell erkennt, es mit Zombies zu tun zu haben. Auch seine Emotionen, wenngleich passend dargestellt, hätten weitaus intensiver und häufiger zum Vorschein kommen können.
Gelungen ist hingegen die Ausarbeitung der Folgen und Nebenwirkungen seiner Einsamkeit, die u.a. dazu führen, sich einen Zombie als „Mitbewohner“ zu halten, improvisierte Jogging-Strecken zu erdenken oder die „Außenwelt“ zu betreten, um eine Katze als Begleiter zu gewinnen.

Ganz nebenbei liefert der Film für den geneigten Zombie-Fan einen weiteren Punkt für die „How to survive a Zombie Apocalypse“, denn merke: Spiele nie zu laut Schlagzeug, wenn du keine zombieeske Gesellschaft möchtest.
Trotz des überwiegenden Ernstes, mit dem der Film den Zuschauer konfrontiert, ist somit doch noch Platz für einige kleine Schmunzler.

Erst Ex, dann Zombie in „The Night eats the World“ (Copyright: EuroVideo Medien GmbH)

Spannend ist „The Night eats the World“ hingegen recht konstant – und das trotz seiner entschleunigten Art inklusive einiger Längen. Schon bald stellt sich beim Publikum die Frage, wie Dominique Rocher seinen „Helden“ wohl enden lassen wird. Umso unbefriedigender ist daher seine Lösung, den Film mit einem offenen Ende zu versehen. Freunde der eigenen interpretatorischen Spielwiesen mag dies zwar erfreuen, ohne konkretere finale Ausblicke stellt sich für manch einen jedoch die Sinnhaftigkeit von „The Night eats the World“ fast schon infrage.

Damit ist vorliegender Survival-Horror sicherlich mehr als seine Genre-Mitstreiter auf den persönlichen Geschmack des Zuschauers angewiesen. Wer gerne mal abseits des Mainstreams schaut und auf Antworten nach den Fragen „wie“ und „warum“ verzichten kann, darf einen Blick riskieren.

Trailer

Inhalt

In einem minimalistischen Arthouse-Zombiefilm stellt sich ein junger Mann als moderner Robinson Crusoe den lebenden Toten in Paris und der totalen Isolation

Nach einer wilden Party in Paris erwacht Sam alleine in einer Wohnung und muss feststellen, dass die französische Metropole von lebenden Toten heimgesucht wurde – er selbst könnte der letzte Überlebende sein.

Sam wacht nach einer Party alleine in dem Appartement seiner Ex auf und muss sich plötzlich mit einer bitteren Realität auseinandersetzen. Über Nacht wurde Paris von lebenden Toten heimgesucht und er scheint der letzte Überlebende zu sein. Auf sich alleine gestellt, verbarrikadiert er sich in dem Wohnhaus und versucht dort sein Überleben im Kampf gegen Zombies und einer totale Isolation zu organisieren.

(Quelle: EuroVideo Medien GmbH)

Details

Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: EuroVideo Medien GmbH
Erscheinungstermin: 06.06.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 93 Minuten

Copyright Cover: EuroVideo Medien GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde