Review

Wer sich einen echten Cineasten oder jedenfalls einen leidenschaftlichen Filmfan nennt, der wird im Laufe seines filmischen Lebens nicht umhin kommen, auf das Werk des einzigartigen und virtuosen Stanley Kubrick zu stoßen. Ob nun die tiefschwarze Satire Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“, die überwältigende und zeitlose Weltraumoper 2001: Odyssee im Weltraum“, der gesellschaftskritische und die Popkultur nachhaltig prägende Uhrwerk Orange“ (A Clockwork Orange), das Horror-Meisterwerk Shining“ oder auch der intensive und realitätsnahe Kriegsfilm Full Metal Jacket“: Wo immer der Visionär Kubrick gewaltet hat, da hat er auch seine  prägenden Fußspuren hinterlassen. Der Computer HAL, der wahnwitzige Alexander DeLarge und sein „kleines bisschen Horrorschau“ oder natürlich der ikonische Jack Torrance sind noch heute absolut zeitlos und eine für Filmschaffende erstrebenswerte Messlatte.

Noch bevor der Meister aller Klassen seinen Zenit erreicht und ein Meisterstück nach dem anderen geschaffen hatte, schuf er in seinem Frühwerk im Jahre 1956 mit „The Killing – Die Rechnung ging nicht auf“ aber auch schon einen echten Leckerbissen. Der Film ist ein klassisches Heist-Movie (zuletzt: Der große Eisenbahnraub“), enthält indes auch zahlreiche Stilmittel des Film noir. Hierzulande wird Koch Media den Film erstmals in HD und auf Blu-ray zur Veröffentlichung bringen, weshalb wir hier noch einmal einen Blick auf diesen „kleinen Bruder“ der Meilensteine werfen wollen.

Der Inhalt ist recht schnell erzählt. Johnny Clay (Sterling Hayden; „Der Pate“, „1900“) wurde gerade erst aus Alcatraz entlassen, plant aber schon den nächsten ganz großen Coup: Während eines bedeutenden Rennens will er die Kasse einer großen Pferderennbahn überfallen. Zur Unterstützung sucht er sich ein ungleiches Team von vier kriminellen Laien. Jeder seiner Komplizen wird dabei von ganz eigenen Motiven und Nöten angetrieben. Während der eine Helfershelfer sich derart von seinen Schulden verabschieden will, will ein anderer unbedingt seine egozentrische Frau zufriedenstellen. Jene Femme fatale (Marie Windsor) treibt jedoch ein falsches Spiel und will sich auf ihre Art in den akribischen Plan einmischen. Ob bei so vielen Interessen am Ende alles nach Plan läuft?

Regiegigant Kubrick war mit „The Killing – Die Rechnung ging nicht auf“ sicherlich noch nicht auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt. Und dennoch ist auch dieser Heist schon von jener unangepassten und eigenständigen Art geprägt, die den Regisseur, Produzent und Drehbuchautor auszeichnet, wenngleich noch nicht von so tiefer intellektueller Symbolik und Bildsprache durchzogen, wie das spätere Werk.

Der technische Perfektionist konnte aber auch hier schon einen Stil prägen und entwickeln, der sich bis heute größter Beliebtheit erfreut. Für die 50er völlig untypisch, ist der Film in einer chronologisch verschachtelten Erzählweise präsentiert, die wir heute nur allzu gut von einem anderen Großmeister kennen: Quentin Tarantino arbeitet regelmäßig mit der Technik, dass die einzelnen Szenen nicht chronologisch angeordnet sind. Beispielhaft seien hier nur dessen Klassiker Reservoir Dogs – Wilde Hunde“, Pulp Fiction“ oder auch Kill Bill“ genannt. Nicht umsonst nennt Tarantino Stanley Kubrick als eines seiner großen Vorbilder.

Die Ganoven planen ihren großen Coup in Kubricks „The Killing – Die Rechnung ging nicht auf“ (Copyright: Koch Media)

Weitere hervorragende Filme dieser Machart sind etwa Christopher Nolans Memento“, der völlig unterschätzte 11:14″ (11:14 – elevenfourteen) des Regisseurs Greg Marcks oder auch die Filme 21 Gramm“ und Babel“ des brillanten Regisseurs Alejandro González Iñárritu. Jeder unserer Leser, in dem ein (kleiner) Kino-Enthusiast schlummert und der einen der genannten Filme nicht kennt, sollte dies schleunigst ändern und einen gemütlichen Filmabend planen.

Genauso sollte man durchaus darüber nachdenken, mal einen Blick in die Vergangenheit und auf die Ursprünge dieses Kinos zu werfen und sich „The Killing – Die Rechnung ging nicht auf“ hinzugeben; freilich noch nicht von jener atemberaubenden und einnehmenden Qualität geprägt, die Kubricks Filme später noch erreichen sollten, aber dennoch schon äußerst sehenswerte und innovative Unterhaltung.

Trailer (engl.)

Inhalt

Kaum aus Alcatraz entlassen, plant Johnny Clay (Sterling Hayden) das nächste große Ding: Unterstützt von vier kriminellen Laien will er die bedeutendste Rennbahn des Landes überfallen. Zunächst läuft alles nach Plan. Doch weil jede der beteiligten Parteien eigene Motive und Ziele für den Coup hat, läuft das Geschehen – geschildert aus unterschiedlichen Perspektiven – unweigerlich auf eine Katastrophe zu.

(Quelle: Koch Media)

Details

Format: Widescreen
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 12.07.2018
Produktionsjahr: 1956
Spieldauer: 84 Minuten
Extras: Deutscher und englischer Kinotrailer / Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Copyright Cover: Koch Media



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Das ist Sussudio. Ein ganz toller Song! Ein Lieblingssong von mir!" (Patrick Bateman, American Psycho)