Review

Der Name Martin Campbell ist womöglich keiner, bei dem Filmliebhaber augenblicklich hellhörig werden. Indes ist der neuseeländische Filmregisseur und -produzent schon für den einen oder anderen filmischen Leckerbissen verantwortlich gewesen. In dessen Vita finden sich etwa der muntere Actioner „Die Maske des Zorro“, „James Bond 007 – GoldenEye“, in dem Pierce Brosnan erstmals die Rolle des MI6-Agenten mit der Lizenz zum Töten übernahm, und nicht zuletzt auch der fulminante Neustart der Bond-Reihe „James Bond 007: Casino Royale“, in dem Daniel Craig zum ersten Mal seine Version des Geheimagenten zum Besten gab. Gerade Letzterer ist sicherlich einer der besten Bond-Filme überhaupt. Verschwiegen werden soll aber auch nicht, dass Campbell mit „Green Lantern“ schon mal gehörig auf die Nase gefallen ist. Jener schmeckte den Kritikern eher weniger und zählt rein wirtschaftlich zu den größten Flops der Kinogeschichte.

Seitdem hat sich Martin Campbell daher eine etwas längere Schaffenspause gegönnt, um nun mit dem vorliegenden ActionThriller „The Foreigner“ zurückzukehren. Mit im Gepäck hat er dabei mit Jackie Chan („Police Story“, „Rush Hour“, „The Forbidden Kingdom“) und Pierce Brosnan („James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie“, „James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug“, „Der Ghostwriter“) gleich zwei HollywoodVeteranen.

Inhaltlich lässt sich der Film wie folgt kurz skizzieren:
Als der Restaurant-Besitzer Quan (Jackie Chan) mit seiner Tochter Fan (Katie Liu Leung, die wir vor allem als Cho Chang aus den „Harry Potter“Filmen kennen) ein Kleid kaufen möchte, kommt es zu einem tragischen Unglück. Fan  und etliche andere unschuldige Menschen fallen einem Bombenattentat irischer Terroristen in London zum Opfer. Quan ist nach diesem terroristischen Anschlag zunächst wie versteinert. Das Attentat soll von einer neuen Gruppierung der IRA verübt worden sein. Da der jetzige britische Regierungsbeamte Liam Hennessy (Pierce Brosnan) eine Vergangenheit in der IRA hat, nimmt Quan, nachdem er täglich die Polizei um Informationen gebeten hat, Kontakt zu diesem auf. Quan vermutet, dass der Politiker die Identität der verantwortlichen Terroristen kennt, und bittet ihn, sie ihm zu verraten. Nachdem Hennessy sowohl eine Beteiligung an den Anschlägen leugnet als auch jegliches Mitwissen bestreitet, geht Quan zu anderen Maßnahmen über, um die Namen der Mörder seiner Tochter in Erfahrung zu bringen. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, das noch einige Intrigen und Überraschungen bereithält.

Mit „The Foreigner“ kehrt Martin Campbell gekonnt auf die Leinwand beziehungsweise in die Heimkinos zurück. Der Film ist dabei sicherlich kein Anwärter auf einen Klassiker, aber er schafft es, den Zuschauer bis zum Ende – und die Laufzeit beträgt immerhin knapp zwei Stunden – gut und packend zu unterhalten. Es sei auch der Hinweis erlaubt, dass der Film – entgegen seinem Klappentext – kein typischer Rachefeldzug-Film ist oder gar derart dümmlich daherkommt wie „Gesetz der Rache“ mit Gerard Butler. 

Die Bedrohung durch eine Inkarnation der IRA wirkt freilich nicht sonderlich zeitgemäß. Das liegt indes schlicht daran, dass der Film auf dem Roman „The Chinaman“ von Stephen Leather basiert, der bereits 1992 erschienen ist. Im Ergebnis tut das aber auch keinen Abbruch, da die terroristische Gefahrenlage hier austauschbar wirkt.

Besonders gelungen sind vorliegend die Casting-Entscheidungen. So können sowohl Jackie Chan als auch Pierce Brosnan „against type“ absolut überzeugen. Zwar ist Jackie Chan vor allem für seine leichten Kung-Fu-Filme bekannt; dass er aber auch anders kann, hat er bereits etwa in „New Police Story“ aus dem Jahr 2004 bewiesen. Sicherlich will man noch nicht von einem Charakterdarsteller sprechen, aber er liefert eine respektable Leistung ab und überzeugt auch hier in seiner ernsten Rolle. Wenn Jackie mit hängenden Schultern und traurigem Blick durch die Gegend schlurft, löst das zweifellos das Mitgefühl des Zuschauers aus. Er vermittelt den Schmerz seiner Figur durchaus glaubwürdig.

Liam Hennessy (Pierce Brosnan) & Quan (Jackie Chan) in „The Foreigner“ (Copyright: Universum Film)

Kritisieren kann man allerdings, dass es hinsichtlich Quan an einer intensiven Figurenzeichnung mangelt. Hier wird vieles in allzu kurzen Rückblenden und beiläufig geschildert. Pierce Brosnan gibt seinen Liam Hennessy dagegen äußerst facettenreich und wirft bei einigen Zuschauern sicher die Frage auf, welche der beiden Hollywood-Größen eigentlich die Hauptrolle sein soll.

Trotz seiner dramaturgischen Schwächen, die sich gerade aus der recht dünnen Figurenzeichnung ergeben, sollen hier aber noch die hervorragenden Actionszenen gelobt werden. Die Action ist zwar mitunter etwas spärlich gesät, aber wenn sie kommt, dann hart, rücksichtslos und grimmig.

„The Foreigner“ ist ein geradliniger und packender Thriller, der einiges an Unterhaltung bietet und den man sich ohne Weiteres mal auf seine Watchlist setzen darf.

Trailer

Inhalt

Durch einen unglücklichen Zufall wird Fan, die Tochter des Geschäftsmanns Quan (Jackie Chan), bei einem Bombenattentat irischer Terroristen in London getötet. Durch dieses Ereignis traumatisiert sinnt Quan, einstiger Vietcong-Kämpfer, auf Rache. Auf seiner Suche nach der Identität der Terroristen, bittet er den britischen Regierungsbeamten Liam Hennessy (Pierce Brosnan) um Unterstützung. Nachdem er von offizieller Seite aber keine Hilfe bekommt, nimmt er das Gesetz selbst in die Hand und geht auf einen persönlichen Rachefeldzug …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Widescreen
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 23.02.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 120 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?