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Der Bestseller-Roman „Der Circle“ von Dave Eggers aus dem Jahr 2013 erfreut(e) sich großer Popularität und stand nach seiner Veröffentlichung wochenlang auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. In seiner dystopischen Zukunftsvision widmet sich Eggers aktuellen Themen, wie sozialen Netzwerken, Überwachung zulasten der Freiheit und zugunsten der Sicherheit sowie der Privatsphäre in einem digitalen Zeitalter. Hier fallen diverse Slogans wie „Community First“, „Alles, was passiert, muss bekannt sein“, „Geheimnisse sind Lügen“, „Teilen ist heilen“ oder auch „Alles Private ist Diebstahl“ – mit dem Endziel der umfassenden Transparenz jeder einzelnen Person.

Bei derart aktuellen Themen war es nur eine Frage der Zeit bis Eggers‘ Buch verfilmt werden würde. So erschien denn auch im Jahr 2017 der gleichnamige dystopische Film „The Circle“ des – bisher noch relativ unbekannten – Regisseurs James Ponsoldt, der sich auch für das Drehbuch und die Produktion des Films verantwortlich zeigt.

Sein Film ist mit einem vielversprechenden Starensemble besetzt: Emma Watson übernimmt die Hauptrolle der Mae Holland. Der ehemalige „Harry Potter“-Star hat – gerade im Vergleich zu manch anderem Kinderdarsteller – eine kometenhafte Entwicklung hingelegt und konnte bereits Rollen in Darren Aronofskys „Noah“ oder auch in Walt Disneys Neuverfilmung des gleichnamigen Zeichentrickfilms „Die Schöne und das Biest“ ergattern.
In der weiteren Starbesetzung finden sich insbesondere noch OscarPreisträger
Tom Hanks („Philadelphia“, „Forrest Gump“, „The Green Mile“), Shooting-Star John Boyega (in der Rolle des Finn in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ und „Star Wars: Die letzten Jedi“ und zuletzt auch in „Detroit“ von Kathryn Bigelow), Patton Oswalt („Spence“ Olchin in „King of Queens“, „Zoolander“, „Blade: Trinity“) und nicht zuletzt etwa auch Bill Paxton („True Lies – Wahre Lügen“, „Titanic“) in seiner letzten Rolle, da er 2017 im Alter von 61 Jahren verstorben ist.

Inhaltlich lässt sich „The Circle“ wie folgt kurz zusammenfassen:
Die junge Mae Holland (Emma Watson) ist geradezu glückselig. Ihre Freundin Annie (Karen Gillan – wir kennen sie etwa als Nebula aus „Guardians of the Galaxy“ und „Guardians of the Galaxy Vol. 2“) hat ihr einen Job in dem hippen und weltweit dominierenden Internet-Unternehmen „The Circle“ vermittelt. Unter der Führung der sogenannten „drei Weisen“ Eamon Bailey (Tom Hanks), Tom Stenton (Patton Oswalt) und Ty (John Boyega) ist der Internetkonzern rasant aufgestiegen und die Wunschadresse für ambitionierte junge Leute geworden. Der jüngste der drei Gründer Ty hatte das anfängliche System entwickelt, das alles online kombinierte, was bis dahin getrennt und „chaotisch“ war – die Profile von Usern in sozialen Netzwerken, ihre Zahlungssysteme, ihre zig Passwörter, ihre E-Mail-Konten, Benutzernamen, Vorlieben und, und, und – jeder Kunde ausgestattet mit einer einzigen Internetidentität, über die er alles abwickeln kann.

Außerdem werden weitere hoch entwickelte Technologien vorgestellt, darunter auch „SeeChange“, das mit leichten, tragbaren Kameras ermöglicht, Videos in Echtzeit an jeden beliebigen Ort zu übertragen. Dies alles dient dem Ziel, „transparent“, gläsern zu sein. Selbst Politiker schließen sich diesem Trend an und tragen die „SeeChange“-Kameras rund um die Uhr, um dadurch der Öffentlichkeit zu erlauben, jederzeit zu sehen, was sie tun. Eine nennenswerte Opposition ist kaum zu finden. Lediglich etwa Maes Freund aus Kindestagen Mercer (Ellar Coltrane) sorgt sich um die Privatsphäre der Menschen und sucht die Abgeschiedenheit, was ihn zu einem unsozialen Spinner abstempelt.

In diese schöne neue gläserne Welt stürzt sich Mae zunächst voller Begeisterung und beginnt, wie die meisten beim „Circle“, bei der „Customer Experience“, der Kundenbetreuung des Unternehmens. Anschließend soll sie aber schnell in der Hierarchie aufsteigen, gerade da sie sich entschließt, auch dauerhaft eine „SeeChange“-Kamera am Körper zu tragen und somit „transparent“ zu werden. Nach einem dramatischen Ereignis soll sich Maes Leben jedoch wieder grundlegend ändern, insbesondere weil der mysteriöse Ty ihr besorgniserregende Details offenbart.

Zunächst einmal muss man festhalten, dass „Der Circle“ von Dave Eggers durchaus eine lesenswerte dystopische Zukunftsvision zeichnet, die bis zum Ende konsequent erzählt ist, mit runden Charakteren und einem äußerst stimmigen, düsteren Ende aufwarten kann.

Leider lässt sich das nicht über den Film von James Ponsoldt sagen. Dessen Drehbuchadaption und die damit zusammenhängenden Veränderungen der Vorlage tun nichts Gutes für den Film. Nicht nur, dass die komplizierte Liebesbeziehung zwischen Mae und ihrem Kollegen Francis, der in Ponsoldts Film überhaupt nicht vorkommt, gänzlich ausgespart wird, obwohl sie viel über die Ansichten dieser fiktiven Gesellschaft aussagt, auch der mysteriöse Kollege namens „Kalden“, mit dem Mae in der Vorlage eine sexuelle Beziehung eingeht, der immer wieder für verwirrende Situationen sorgt und vor allem für einen der größten Twists des Buches verantwortlich ist, findet keinen Widerhall in der Verfilmung.

Äußerst problematisch sind auch die Änderungen, die das Drehbuch hinsichtlich Mae Holland selbst vorsieht. So ist sie im Roman eine durchaus vielschichtige, dreidimensionale Figur, die zwar zum einen schüchtern, zurückhaltend und unsicher ist, aber andererseits zuweilen auch anmaßend, überheblich, aufdringlich und unsympathisch sein kann. Davon bleibt in der weich gespülten Verfilmung des Romans kaum etwas übrig. James Ponsoldt zeichnet ein inkonsequentes Bild seiner Hauptrolle, die konturlos, unscheinbar und unspektakulär daherkommt.

Mae Holland (Emma Watson) beginnt ihre neue Stelle beim „Circle“ (Copyright: Universum Film)

Das geht Hand in Hand mit der absolut unverständlichen Veränderung des Endes der Vorlage, das hier nicht nur unausgegoren und angepasst wirkt, sondern das Werk auch maßgeblich seiner Dramaturgie beraubt. Ohne Kenntnis der Roman-Vorlage von Dave Eggers wird der eine oder andere Zuschauer sicherlich überhaupt nicht verstehen, warum die Materie es einst an die Spitze der Bestsellerlisten schaffte.

Dass die Casting-Entscheidungen vor allem zugunsten von Emma Watson als Mae Holland sowie Tom Hanks als charismatisches Circle-Oberhaupt Eamon Bailey für sich genommen äußerst passend erscheinen, ändert leider nichts daran, dass Emma Watson eine Rolle ohne sämtliche Ecken und Kanten spielen muss, in der man nicht glänzen kann; und dass Tom Hanks zu wenig Zeit auf der Leinwand bekommt, um seiner Figur die angemessene Tiefe zu verleihen – wozu er fraglos in der Lage gewesen wäre.

Unter dem Strich kann man „The Circle“ leider keine positive Bewertung zukommen lassen, da der Gesamteindruck zu kraftlos und ohne jede Dynamik ist. Trotz der interessanten Themen und einer gelungenen Vorlage handelt es sich – gerade aufgrund der verheerenden Veränderungen – um eine misslungene filmische Umsetzung.

Trailer

Inhalt

Die 24-jährige Mae Holland (Emma Watson) ist überglücklich. Sie hat einen Job in der angesagtesten Firma der Welt ergattert: beim „Circle“, einem Internetkonzern, der alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die alles abgewickelt werden kann. Mae stürzt sich voller Begeisterung in die schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, Gratis-Konzerten und coolen Partys. Während sie innerhalb der Firma immer weiter aufsteigt, wird sie vom charismatischen Firmengründer Eamon Bailey (Tom Hanks) ermutigt, an einem für den „Circle“ bahnbrechenden Experiment teilzunehmen. Die Teilnahme an dem Experiment und ihre Entscheidungen zugunsten des „Circles“ beeinflussen zunehmend das Leben und die Zukunft ihrer Freunde und Familie. Und dann ist da auch noch ihr mysteriöser Kollege Kalden (John Boyega) …

(Quelle: Universum Film)

The Circle – Homepage
The Circle – Facebook

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 26.01.2018
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 110 Minuten
Extras: Interviews mit Cast & Crew

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?