Review

Island-Import

2007 strahlte der isländische Sender Stöð 2 mit „Næturvaktin“ den ersten Teil einer TV-Trilogie aus, der im gleichen Jahr noch mit dem isländischen Edda-Preis in der Kategorie „Beste Fernsehserie“ ausgezeichnet wurde. Ähnliche Erfolge möchte man nun auch in Deutschland feiern und adaptiert dafür kurzerhand diese Serie. Unter dem Namen „Tanken – Mehr als Super“ konnte der Zuschauer seit 31. Juli 2018 auf ZDFneo am Nachtschichttreiben der Hauptfiguren Georg, Olaf und Daniel teilnehmen. Jetzt erobern die Zapfsäulenhelden auch die Heimkinos, denn ab sofort ist die erste Staffel der Serie auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Mehr als Super?

Doch was ist zu erwarten von einer deutschen Sitcom, die ihren Schauplatz auf eine einsame Tankstelle bei Nacht reduziert? Nerd-Stuff oder Unterhaltung für jedermann?
Beides trifft hier wohl irgendwie zu. Und teilweise mag man sogar dem Untertitel der Serie, „mehr als super“ zu sein, zustimmen.

Dafür sorgt nahezu jede einzelne der insgesamt zwölf Episoden der ersten Staffel, die zuweilen Assoziationen zu Formaten wie „The IT Crowd“ und „Stromberg“ wecken.
Jene sind inhaltlich in sich abgeschlossen, während sich die Nebenhandlungen rund um die einzelnen Charaktere stetig weiterentwickeln.

Die Charaktere

Diese stehen – neben dem Humor – im Mittelpunkt der Serie.

Während die Hauptrollen mit Stefan Haschke als Georg, Ludwig Trepte als Daniel und Daniel Zillmann als Olaf nicht nur gut und passend, sondern auch authentisch besetzt wurden, sorgen (teils prominente) Gastauftritte (u.a. Eko Fresh, William Cohn oder Zack Michalowski) in Nebenrollen für einige Hingucker.
Der Mikrokosmos „Tankstelle“ weist damit zusammengenommen vielschichtige Persönlichkeiten auf.

Diesbezüglich greift man nicht selten auf einige Klischees zurück, welche jedoch in regelmäßigen Abständen wieder durchbrochen werden. (Rand)Figuren, Rollen und ihre Klischees werden somit zwar aufs Korn, aber gleichzeitig auch ernst genommen.

Ein schöner Kniff der Serie ist außerdem, Nebenrollen wiederkehrende Auftritte zu gewähren. Dadurch gewinnen das nächtliche Treiben an familiärem Flair und die Figuren an Sympathiepunkten beim Zuschauer.

Sympathien weckt auch Chef Gregor beim Publikum. Seine Fehltritte, Überheblichkeiten und Manager-Gebärden stellen den Ausgangspunkt einer jeden Folge dar, vermitteln allerdings nicht nur ein rein negatives Bild von dieser Rolle. Zu verdanken ist dies einigen emotionalen Momenten sowie einer ausreichenden Charakterentwicklung.

Eine gute Entwicklung schreibt man außerdem der Figur Daniel zu, die durch Ludwig Trepte am deutlichsten sicht- und spürbar gemacht wird.

Außen vor bleibt in Staffel 1 aber die Hintergrundgeschichte um Figur Jana, gespielt von Christina Petersen.
Hier versucht man eine mysteriöse, geheimnisvolle Note in die Serie zu bringen, die, da vom sonstigen Konzept abweichend, weder passend wirkt noch nötig gewesen wäre. Eine angestrebte Auflösung ihrer Backgroundstory bleibt am Ende zu oberflächlich und erfüllt die binnen zwölf Folgen geweckten Erwartungen (zumindest innerhalb der ersten Staffel noch) nicht. Ein entbehrlicher bzw. sogar überflüssiger Handlungsstrang.

SUPER: Das >U< steht für Innovation

Nicht entbehrlich ist hingegen der Humor einer Sitcom wie „Tanken – Mehr als Super (Staffel 1)“. Dieser zeigt sich allen voran in Running Gags und ergibt sich vor allem aus situationskomischen Szenen sowie aus den Eigenarten der oben erwähnten eigenwillig angelegten Figuren.

Jana (Christina Petersen), Georg (Stefan Haschke), Olaf (Daniel Zillmann), Daniel (Ludwig Trepte) und Charlotte (Vita Tepel) in „Tanken – Mehr als Super (Staffel 1)“ | Copyright: ZDF, Marion von der Mehden

Teilweise unterschätzt die Serie diesbezüglich allerdings ihr Potenzial. Statt dieses auszureizen, warten die Macher mit surrealen Sequenzen auf, um Komik zu erzeugen. Da die „Real-Szenen“ bereits ausreichend Stoff für gute Pointen liefern, wirkt das größtenteils nicht nur unpassend, sondern zugleich wenig authentisch.
Inwiefern es Serien-Fans gutheißen, dass bewährte Gags anderer Formate (wie z.B. aus der „Big Bang Theory“) hier subtil Eingang finden, wird darüber hinaus eine Frage des eigenen Geschmacks sein. Innovativ, wie der Werbeslogan der Serie es verheißt, der als Bonusmaterial in Aufkleberform in der Veröffentlichung zu finden ist, erscheint das zwar nicht, schadet der Serie jedoch auch nicht.

Wettgemacht wird genannte Kritik schließlich durch temporeiche Dialoge, witzige Sprüche und bereits erwähnte Running Gags.
Das Timing der Schauspieler weiß dies betreffend zu überzeugen und verleiht der Serie eine Dynamik, die die kurzen Folgen von je etwa 25 bis 30 Minuten im Nu vergehen lassen.

Kurzweilig, schnell und unterhaltsam vergeht damit die erste Staffel einer großartigen Serie, von der man zukünftig hoffentlich noch weitere Episoden sehen wird.

Trailer

Handlung

Es ist Nacht an Deutschlands einsamster SUPER-Tankstelle. Kunden aufgepasst: Georg, Olaf und Daniel haben Schicht!

Georg wird als Tagschichtleiter der „Super“-Tankstelle gefeuert und zum Leiter der Nachtschicht degradiert. Tagsüber liegt „sein altes Reich“ nun in den Händen der bezaubernden Jana. Das will Georg auf keinen Fall auf sich sitzen lassen und schmiedet die abstrusesten Pläne, um zu beweisen, dass er ins höhere Management gehört. Doch bei seinem Versuch, die Schicht zu leiten wie einen erfolgreichen DAX-Konzern, stehen ihm seine beiden Mitarbeiter im Weg: Studienabbrecher Daniel und der verhinderte Rockmusiker Olaf betrachten ihre Jobs eher als Auszeit. Und tatsächlich kommen nachts kaum Kunden an die Tanke im Nirgendwo. Georgs Ambitionen und sein paranoider Kontrollwahn nerven die beiden, die lieber über Daniels Freundin Charlotte quatschen und tagsüber für Jana arbeiten würden. Das Chaos nimmt seinen Lauf.

(Quelle: ZDFneo)

Episoden

01 Kundenterror
02 Pornorausch
03 Crimestopper
04 Gourmettempel
05 Frauenversteher
06 Millionengrab
07 Doppelschicht
08 Kindsköpfe
09 Geburtsstunde
10 Ungeziefer
11 Blindgänger
12 Schichtende

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Eye See Movies / AV Visionen
Erscheinungstermin: 12.10.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 360 Minuten
Extras: 12-seitiges Booklet / Aufkleber / Behind the Scenes / Interviews

Copyright Cover: Eye See Movies



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde