Review

Was ist real? Diese Frage stellt sich der Zuschauer nicht nur einmal, wenn er die neun Folgen der belgisch-deutschen Psychothriller-Serie „Tabula Rasa“ in deren ersten Staffel verfolgt.

Die mit Mystery-, Drama-, Krimi- und Thriller-Elementen gespickte Produktion mit Veerle Baetens (bekannt u.a. aus „Code 37“) als Annemie „Mie“ D’Haeze in der Hauptrolle switcht zwischen Realität, Fiktion, Einbildung und (vermeintlichen) Erinnerungsfetzen der Protagonistin und sorgt damit nicht nur im Innenleben der Figur, sondern auch beim Publikum für reichlich Verwirrung.
Gut daher, dass hilfreiche „Was bisher geschah“-Sequenzen zu Beginn einer jeden Episode dafür sorgen, den Überblick nicht zu verlieren.

Doch wie kommt es zu diesem Verwirrspiel?

Annemie „Mie“ D’Haeze leidet seit einem Unfall an Amnesie. Während ihr Langzeitgedächtnis noch intakt ist, erinnert sich die einst erfolgreiche Tänzerin nur selten an Geschehnisse, die sich nach dem Unfall zugetragen haben; mehr noch füllt sie die dadurch entstehenden Lücken mit scheinbaren Fantastereien.
Nachdem sie in einem verwirrten und verwundeten Zustand in einem Wald gefunden wurde, befindet sie sich zu Beginn der ersten Staffel in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Damit nicht genug, gilt sie als Hauptverdächtige im Fall des vermissten Thomas De Geest.
Kennt sie den Mann? Hat sie etwas mit seinem Verschwinden zu tun? Das gilt es in dem Auftakt zur Serie „Tabula Rasa“ für alle Beteiligten herauszufinden. Dabei schwindet das Vertrauen zu ihrer Familie ebenso schnell wie ihre Erinnerungen aus dem Kurzzeitgedächtnis. Und auch der Zuschauer ist sich nie sicher, was passiert ist und als nächstes noch passieren wird …

Für kontinuierliche Spannung ist somit ausreichend gesorgt. Und während die entschleunigt präsentierte Handlung mit einem grandiosen, durchdachten und nachvollziehbaren puzzleartigen Aufbau ihren Lauf nimmt, verdichtet sich eine bedrückende, mystische, verstörende, teils unheimliche und am Horror kratzende Atmosphäre.

In allen neun Episoden von „Tabula Rasa – Staffel 1“ wird zugunsten einer subtilen Spannungsentwicklung passenderweise auf Action verzichtet. Vielmehr lebt die Serie von einer permanenten Ungewissheit, die darüber hinaus durch zahlreiche überraschende Wendungen geschürt wird. Jene sorgen nicht nur einmal für einige Aha-Erlebnisse und wenden die Handlung in eine ganz neue Richtung. Auf diese Art vervollständigt sich das Gesamtbild – über die neun Folgen verteilt – sehr langsam, aber plausibel.

Ähnlich wie viele Nordic Noir-Kassenschlager gewinnt „Tabula Rasa“ also an Komplexität.
Eine weitere Parallele zu diesen Produktionen ist außerdem die oftmals kühle, dunkle Farbgebung, welche die Stimmung der Serie nicht nur visuell perfekt einfängt und wiedergibt, sondern auch beim Zuschauer ihre Wirkung nicht verfehlt. Hier gehen Tempo, Bild, Ton und Handlung definitiv Hand in Hand.

Veerle Baetens als Annemie „Mie“ D’Haeze in „Tabula Rasa – Staffel 1“ (Copyright: Sofie Silbermann / Pandastorm Pictures)

Zum Gelingen trägt zudem die schauspielerische Leistung enorm bei. Von der Haupt- bis zur Nebenrolle perfekt besetzt, ist es aber allen voran Veerle Baetens, die ihre Rolle authentisch mimt und nicht zuletzt für die nötige Emotionalität der Serie sorgt.

Selten erlebt man eine Serie, die bis zum Schluss packend, unaufgelöst und damit spannend bleibt sowie zu überraschen versteht. Und das auch noch ganz ohne Längen. „Tabula Rasa – Staffel 1“ verliert von der ersten bis zur letzten Folge nichts an ihrem Reiz, zieht den Zuschauer in ihren Bann und macht auch nach Ablauf der letzten Episode neugierig auf eine folgende zweite Staffel.

Absoluter stimmungsvoller Hingucker und eine Perle unter den Psychothrillern im Serienformat.

Trailer

Handlung

Die einst erfolgreiche Tänzerin Annemie „Mie“ D’Haeze (Veerle Baetens) befindet sich in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Verwirrt und verwundet wurde sie im Wald gefunden und gilt nun als Hauptverdächtige im Fall des vermissten Thomas De Geest. Mie leidet an einer besonderen Form der Amnesie: Sie kann sich an alles vor dem Unfall erinnern, aber was sie seitdem erlebt hat, erreicht selten ihr Langzeitgedächtnis. Mit Skizzen und Notizen versucht sie, ihre Erinnerungen festzuhalten. Doch ihre Aufzeichnungen verschwinden oder werden verändert. Je mehr Mie über die Vergangenheit herausfindet, desto weniger vertraut sie ihrer Familie und letztlich auch sich selbst. Mie muss das Puzzle in ihrem Kopf zusammensetzen, sonst gibt es keine Chance, Thomas De Geest zu finden …

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Episoden

01 Der Sandsturm (De Geest)
02 Houdini (Houdini)
03 Das Schweigen im Wald (Vogel voor de kat)
04 Der rote Faden (De draad van Ariadne)
05 Wer ist V.? (V.)
06 Ein Moment Licht (De Berenput)
07 Die Wände haben Ohren (Wally)
08 Das Ende der Lügen (Het bos door de bomen)
09 Auf Kollisionskurs (Bob)

Details

Sprache: Niederländisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 17.04.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 450 Minuten

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde