Review

Schon als die ersten offiziellen Szenefotos zu der britischen Dramaserie „Taboo“ erschienen sind, konnte man als Serienliebhaber nur allzu leicht in Verzückung oder gar einen Zustand der Euphorie geraten.
Die Vorzeichen für ein echtes Schmankerl auf dem viel umkämpften Serienmarkt verdichteten sich dann mehr und mehr. So wurde „Taboo“ von Tom Hardy sowie seinem Vater Edward „Chips“ Hardy und dem britischen Drehbuchautor, Film- und Fernsehregisseur Steven Knight (als Drehbuchautor u.a. schon an „Tödliche Versprechen – Eastern Promises“ oder der Serie „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“ beteiligt) erschaffen.

Gerade Tom Hardy, der hier auch die Hauptrolle übernimmt, hat in den letzten Jahren eine kometenhafte Karriere als Schauspieler hingelegt und sich in Hollywood zu einem der größten und heiß begehrtesten Superstars entwickelt. Dieser hat geradezu ein goldenes Händchen, wenn es um Filme geht; sieht man sich nur dessen Filmografie seit 2010 an, findet man dort Blockbuster à la „Inception“, „Warrior“, „The Dark Knight Rises“, „Mad Max: Fury Road“ oder auch „The Revenant – Der Rückkehrer“; alles Projekte, in denen er mit den Größten der Branche zusammenarbeitete, wie etwa den beiden Regisseuren Christopher Nolan und Alejandro G. Iñárritu oder auch Leonardo DiCaprio, Michael Caine, Nick Nolte, Gary Oldman und noch vielen mehr.

So vielseitig wie die oben genannten Filme ist auch Tom Hardy selbst, der immer wieder Neues ausprobiert und auch schon mal ungewöhnliche Entscheidungen trifft. Nun ist es in Hollywood aber schon seit längerer Zeit nicht mehr verpönt, sich mal in einer Serie zu versuchen und umso erfreulicher ist es, einen gewachsenen Tom Hardy in einer eigens (mit-)erdachten Dramaserie zu erleben. Ob sich aus diesen vorzüglichen Zutaten hier auch ein Prachtexemplar einer Serie ergibt, das schauen wir uns nun an.

Inhaltlich lässt sich „Taboo“ folgendermaßen umreißen: Die Story spielt im Jahre 1814. James Keziah Delaney (Tom Hardy) kehrt in seine Heimat nach London zurück. Zuvor verbrachte er mehrere Jahre in Afrika und wurde infolgedessen sogar für tot erklärt; Delaney erfreut sich jedoch bester Gesundheit und ist gewillt, die Verhältnisse in London auf den Kopf zu stellen. Von seinem verstorbenen Vater erbt James Delaney das Land Nootka Sound. Dieses ist wirtschaftlich besonders interessant, sowohl für die Krone als auch für die Britische Ostindien-Kompanie, die Delaney für sein Erbe ein beachtliches Angebot unterbreitet. Der mysteriöse Heimkehrer ist daran jedoch nicht interessiert; er möchte sich vielmehr eine eigene Existenz aufbauen und gründet daher die DelaneyHandelskompanie. Durch sein Verhalten schafft sich der kaltblütige und geheimnisvolle Einzelgänger zahlreiche mächtige Feinde in London, wobei es so scheint, als sei er immer einen Schritt voraus. Es entwickeln sich Verschwörungen, Intrigen und Machtspiele, während Delaney sich eine zwielichtige „Liga der Verdammten“ zusammenstellt. Diese folgt seinem vorbestimmten Plan und steht zu ihm in einem Weisungsverhältnis. Seine Mitstreiter sind für ihn weniger Partner als vielmehr Randfiguren, während er das Geschehen nach seinem Willen ablaufen lassen kann.

Entgegen meiner sonstigen Vorgehensweise nehme ich mein Fazit diesmal schon vorweg: War das ein bockstarker Auftakt!

Freilich hat Tom Hardy „Taboo“ miterschaffen, aber es gilt dennoch zu betonen, dass er für die Rolle des James Delaney einfach nur ideal besetzt ist. Ähnlich seiner Rolle als Max Rockatansky in „Mad Max: Fury Road“ agiert der britische Schauspieler auch als grimmiger, wortkarger und emotionsloser (Anti-)Held, der sich (auch) hier mit allen und jedem anlegt. Dabei ist seine Performance – man fühlt sich schon geneigt zu sagen, wie immer – außergewöhnlich; es ist ein Hochgenuss, ihm bei seiner intensiven Darbietung zuzusehen, da er seine Rolle geradezu inhaliert. Hardy grunzt, schnauft und schnaubt („Hm“ oder auch „Hmmm“), was das Zeug hält und spricht bedrohlich in fremden Zungen. Recht früh in der Staffel raunt Delaney beklemmend gegenüber einem Gesprächspartner: „Wusstet Ihr, dass ich ein sehr gefährlicher Mann bin?“ Wir sollen es über die ganze Staffel hinweg erleben.

Angemessen ist auch die Kulisse, die eine düstere, schmutzige und unheilvolle Atmosphäre heraufbeschwört; in dieser Welt ist alles morbide oder gar bizarr; akzentuiert wird das Ganze noch durch eine durchweg passende musikalische Untermalung.

Jonathan Pryce als Sir Stuart Strange in „Taboo – Staffel 1“ (Copyright: Concorde Home Entertainment)

Hinzu kommt noch, dass „Taboo“ – auch neben Tom Hardy – mit einem tollen Cast begeistern kann. Bis in die Nebenrollen ist hier alles in äußerst begabte Hände gelegt worden. Besonders hervorzuheben ist etwa Franka Potente als schaurig schön scheußliche Zuhälterin Helga; oder auch Jessie Buckley, die Lorna Bow bzw. Delaney, die zweite Ehefrau und Witwe von James Delaneys Vater verkörpert und dann einen wichtigen Platz an seiner Seite einnehmen soll; diese inszeniert ihre unbekümmerte Figur diametral entgegengesetzt zu Hardy. Ferner sehen wir hier noch den britischen Schauspieler Jonathan Pryce als eigensüchtigen Kopf der Britischen Ostindien-Kompanie, der zuletzt etwa bei „Game Of Thrones“ die Rolle des Hohen Spatz spielte; daneben noch Oona Chaplin (ihr  Großvater war tatsächlich kein anderer als Charlie Chaplin) in der Rolle der Zilpha Geary, als James Delaneys Schwester und zeitweise inzestuöse Geliebte. Man könnte hier indes den ganzen Cast noch für seine bravouröse Leistung mit Beifall bedenken.
Die Serie lebt aber vor allem von einem Tom Hardy in bestmöglicher Form und daher gibt es hier noch ein passendes Zitat zu seiner mysteriösen und absolut irren Hauptrolle:

„Ihr meint in dem Sinne von niemand kennt James Delaney wirklich? Ich kenne James erst seit kürzerem nicht, aber ich habe das Gefühl, dass Ihr ihn schon etwas länger nicht kennt.“ (Miss Bow gegenüber Delaneys Schwester)

Die ersten acht Folgen von „Taboo“ habe ich mit großer Begeisterung angeschaut und die Serie ist der anfänglichen Euphorie absolut gerecht geworden. Gottlob wurde die Serie im März bereits um eine zweite Staffel verlängert. Es sei noch der Hinweis erlaubt, dass die Folgen mit annähernd einer Stunde Laufzeit durchaus eine beachtliche Länge aufweisen. Wer seine Zeit jedoch investiert, wird mit ausgezeichneter Unterhaltung belohnt. Man könnte unter Umständen vorbringen, dass die Episoden teilweise ein wenig langatmig sind; dies wird hier aber nicht als negative Kritik verbucht. Die eindeutige Empfehlung lautet: Anschauen!

Trailer

Inhalt

London 1814: Der Einzelgänger James Keziah Delaney kehrt in seine Heimat London zurück. Nach zehn Jahren in Afrika wurde er sogar für tot erklärt. Nun plant er, endlich das Erbe seines Vaters – ein Schifffahrtsunternehmen – anzutreten und sich so eine neue Existenz aufzubauen. Dieses Erbe erweist sich aber als höchst schwierig – es lauern Feinde mit tödlicher Agenda an jeder Ecke. James muss sich seinen Weg durch die ihm feindlich gesinnte Londoner Gesellschaft bahnen, legt sich mit der Krone an und ist gezwungen, seinen eigenen Kopf zu retten. Umgeben von Verschwörungen, Mord und Betrug entfaltet sich obendrein ein düsteres Familiengeheimnis – eine brandgefährliche Geschichte von Liebe und Verrat …

(Quelle: Concorde Home Entertainment)

Taboo – Facebook

Details

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Concorde Home Entertainment
Erscheinungstermin: 13.04.2017
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 450 Minuten

Copyright Cover: Concorde Home Entertainment



Über den Autor

Fabian
Fabian
Warum denn so ernst?