Review

Horrorfilme mit Retro-Charme

Horrorfilme und -serien mit Retro-Charme sind gegenwärtig voll im Trend. Die wichtigsten und berühmtesten Trendsetter in Sachen 80er Jahre-Retro-Horror sind sicherlich die hervorragende Science-Fiction-Mysteryserie „Stranger Things“ von Netflix oder auch der erste Teil der Neuverfilmung von „Es“ von Andrés Muschietti mit einem Bill Skarsgård, der mal eben gekonnt die großen Fußstapfen eines Tim Curry ausfüllt und in der Rolle des fiesen Pennywise brilliert. Aber auch der jüngst besprochene Horrorstreifen „The Strangers: Opfernacht“ ist aufgrund seiner Stilmittel hier zu verorten.

Man nehme eine Prise Mystery, etwas puren Horror, reichlich Thrill und in aller Regel noch Elemente des Coming-of-Age-Films und schon hat man (wieder) einen zeitgemäßen sowie massentauglichen Horrorfilm.

Summer of 84

Auf dieser Retro-Welle schwappt nun auch „Summer of 84“ des für die Regie verantwortlichen Filmemacher-Kollektivs RKSS („Turbo Kid“), bestehend aus François Simard, Anouk Whissell und Yoann-Karl Whissell, zu uns herüber.
Original mit atmosphärischem Synth-Soundtrack von Le Mato, Coming-of-Age-Elementen satt und einem gehörigen Spielberg-Feeling. Hierzulande auf den Markt gebracht wird der Film von Pandastorm Pictures.

Vorstadtidylle kann trügerisch sein

Wir befinden uns im Sommer 1984 in einer idyllischen Kleinstadt. Allerdings kann auch eine vermeintlich ruhige Vorstadtidylle trügerisch sein.

Die vier Freunde Davey Armstrong (Graham Verchere), Tommy „Eats“ Eaton (Judah Lewis), Dale „Woody“ Woodworth (Caleb Emery) und Curtis Farraday (Cory Gruter-Andrew) sind typische Teenager, die die meiste Zeit gemeinsam im Baumhaus verbringen und endlos vom anderen Geschlecht träumen. Objekt der Begierde ist vor allem die hübsche und etwas reifere Nachbarin Nikki (Tiera Skovbye), die allerdings allenfalls Augen für den cleveren Davey hat.

Doch wenn die Jungs nicht gerade von ihren Hormonen beschäftigt werden, verdingt sich vor allem Davey gerne als Hobby-Verschwörungstheoretiker, der darauf wartet, dass in seinem Kaff endlich etwas passiert. So verdächtigt er schon bald seinen Nachbarn, den alleinstehenden Polizisten Wayne Mackey (Rich Sommer), ein berüchtigter Serienkiller, der Schlächter von Cape May, zu sein.

Als die Teenies dann auch noch einige Indizien finden, die Daveys These stützen, sind sie Feuer und Flamme für ihre neue Mission. Nach anfänglicher Skepsis helfen ihm die Jungs bei den eigenen Ermittlungen. Doch was zunächst als harmloses Detektivabenteuer beginnt, wird nach und nach zu einem gefährlichen Spiel 

Liebevoll düstere Hommage

„Summer of 84“ ist ein richtig gelungener Vertreter dieser Horrorstreifen mit Retro-Charme und braucht sich als Geheimtipp vor den obigen Genregrößen nicht zu verstecken.

Dabei ist natürlich offensichtlich, dass das Filmemacher-Kollektiv RKSS hier auch eine liebevoll düstere Hommage, vor allem an die Kultfilme der 80er, im Blick hat. Besonders augenscheinlich sind etwa die Versatzstücke aus Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers von Rob Reiner, in dem es ebenfalls um die Erlebnisse von vier Jungen aus einer amerikanischen Kleinstadt geht. Freilich denkt man auch unweigerlich an Die Goonies“, die auf der Suche nach Abenteuern ihre Stadt und die nähere Umgebung unsicher machen. Aber auch weiter zurückliegende Vorbilder drängen sich auf, wie beispielsweise Hitchcocks Das Fenster zum Hof“ aus dem Jahr 1954 beziehungsweise das Remake Disturbia“ mit Shia LaBeouf. Schließlich finden wir auch hier zuhauf die voyeuristischen Tendenzen, die sich aus der beengten Kleinstadt ergeben können.

Coming-of-Age-Film mit Horrorelementen

Abgesehen von diesen Verbeugungen vor und der Zuneigung zu den großen Vorbildern ist der Film aber überwiegend vergnüglich und als Jugend- und Abenteuerfilm inszeniert, der sich primär der lockeren Unterhaltung verschreibt und der viel Herz besitzt. Stärker noch als etwa in „Es“ geht es hier um das Erwachsenwerden von Jugendlichen. So gesehen ist „Summer of 84“ eher ein Coming-of-Age-Film mit Horrorelementen als umgekehrt.

Nikki (Tiera Skovbye) und Davey (Graham Verchere) kommen sich näher in „Summer of 84“ (Copyright: Pandastorm Pictures)

Indes kommt es spät im Film noch zu einem harten Bruch in der Geschichte, sodass auch die harten Horror-Fans auf ihre Kosten kommen können. Zwar deutlich kürzer als man aufgrund des Covers meinen könnte, aber dennoch wird der Film noch sehr spannend, bietet einigen Nervenkitzel und sogar nicht mehr erwartete überraschende Wendungen, die den Ton des Filmes noch einmal nachdrücklich ändern.

Die Jungdarsteller sind ein echter Glücksgriff in der Besetzung. Den einen oder anderen werden wir ganz bestimmt eher früher als später noch in anderen Produktionen wiederfinden.

Retro-Edition im VHS-Look

„Summer of 84“ ist bereits seit dem 05. Oktober als Retro-Edition im VHS-Look erhältlich und erscheint außerdem am 26. Oktober 2018 regulär auf DVD und Blu-ray.

Wie schon „Das Geheimnis von Marrowbone“ neulich ein echter Geheimtipp, den man sich getrost auf die Watchlist setzen sollte.

Trailer

Inhalt

Sommer 1984: Vier Freunde schlagen die Zeit zwischen Baumhaus, Bowlingbahn und BMX-Fahrten tot – bis ein Serienkiller seinen dunklen Schatten auf die sonst so perfekte Vorstadtidylle wirft.

Hobby-Verschwörungstheoretiker Davey (Graham Verchere) verdächtigt schon bald seinen Nachbarn, den alleinstehenden Polizisten Wayne Mackey (Rich Sommer). Um dem Schlächter von Cape May auf die Schliche zu kommen, verwandeln die Jungen ihr Geheimversteck in eine Einsatzzentrale. Und was zunächst als harmloses Detektivabenteuer beginnt, wird nach und nach zu einem gefährlichen Spiel auf Leben und Tod …

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Details

Sprache: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 26.10.2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 105 Minuten

erscheint auch als Retro-Edition im VHS-Look (Vö: 05.10.)

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)