Review

„Stürmische Ernte“ oder im Original „In Dubious Battle“ heißt der neue Film von Tausendsassa James Franco. Denn das Multitalent hat hier mitproduziert, Regie geführt und darüber hinaus noch eine tragende Rolle in dem Filmdrama übernommen, das auf dem gleichnamigen Roman „In Dubious Battle“ von John Steinbeck beruht. Für die Leinwand wurde das Drehbuch von Matt Rager adaptiert.

Für seine neue Regiearbeit konnte Franco einen äußerst namhaften Cast gewinnen: Die tragenden Rollen des Films übernehmen Franco selbst („Spider-Man“-Trilogie, „Ananas Express“, „Planet der Affen: Prevolution“), Nat Wolff („Happy New Year“) sowie Vincent D’Onofrio („Marvel’s Daredevil“, „Jurassic World“).
In kleineren Rollen und Nebenrollen sehen wir außerdem Selena Gomez („Bad Neighbors 2“), Josh Hutcherson („Die Tribute von Panem“-Reihe), Robert Duvall („Der Pate“, „Apocalypse Now“), Analeigh Tipton („Viral“, „The Runaround“), Ed Harris („Die Truman Show“, „The Way Back – Der lange Weg“) und, und, und. Außerdem sehen wir in Cameos auch noch den „Scrubs“-Star Zach Braff sowie den großartigen Bryan Cranston („Breaking Bad“, „Trumbo“).

Inhaltlich steht das Drama ganz im Zeichen des Klassenkampfes. Es geht um die geschichtliche Entstehung des Streikrechts in den USA sowie die Entstehung von Gewerkschaften und das kollektive Aktivwerden von Lohnabhängigen, des Proletariats gegen die besitzende, herrschende Klasse und die unwürdige Ausbeutung.

Wir befinden uns in den 1930er-Jahren in den USA. Der Großgrund- und Plantagenbesitzer Bolton (Robert Duvall) hat zahlreiche Landarbeiter für seine Apfelpflückerplantage engagiert. Zu dieser Zeit ist jeder dankbar, der überhaupt einen Job hat, denn es herrscht die „Große Depression“ und die Arbeitslosigkeit dominiert.
Doch nachdem der allmächtige Großgrundbesitzer den Arbeitern noch kurz vor Beginn der Ernte die Arbeitslöhne – oder vielmehr Hungerlöhne – von 3 $ auf gerade einmal 1 $ gekürzt hat, sinkt die Stimmung abermals erheblich. Insbesondere der Rädelsführer London (Vincent D’Onofrio) ist frustriert, traut sich jedoch zunächst nicht, die Arbeit niederzulegen. Zu wichtig ist der Lohn für die Familie.
Die Stimmung ändert sich jedoch mit der Ankunft der Arbeitkämpfer“ Jim Nolan (Nat Wolff) und Mac McLeod (James Franco), die einzig deshalb kommen, um einen Streik heraufzubeschwören und die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse im Land zum Positiven zu ändern. Dafür müssen sie jedoch zunächst das Vertrauen der örtlichen Arbeiter auf der Obstplantage gewinnen. Vor allem Mac McLeod erweist sich dabei als ein Mann mit zwei Gesichtern: So möchte der Idealist zwar tatsächlich aufrichtig helfen, indes folgt er dabei stets einer rigorosen „Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Politik“ und manipuliert sein Umfeld, um das Ziel der fairen Verhältnisse letztendlich zu erreichen. Der Streik und die folgende Konfrontation sollen einige Opfer fordern …

So beachtenswert und ansehnlich wie der Cast ist James Francos neuer Film im Ganzen leider nicht.
Das liegt nicht etwa daran, dass das Thema nicht interessant genug wäre oder die Darsteller gar unmotiviert. Vielmehr schafft es das Drama nicht recht, den Zuschauer emotional zu packen. Es mangelt an einem spürbaren Spannungsbogen. Statt ehrlich gefühlvoll und temperamentvoll wirkt der Film außerdem hier und da oft zu inszeniert, zu pathetisch.

James Franco als Mac McLeod in seinem Film „Stürmische Ernte / In Dubious Battle“ (Copyright: Universum Film)

Problematisch ist auch, dass sich das Publikum mit keiner der Figuren gänzlich identifizieren kann beziehungsweise will, denn keiner der Charaktere ist durchweg sympathisch und so fällt auch das Mitfiebern schwer. Es hätte dem Film sicher gutgetan, sich auf einige Charaktere weniger zu fokussieren und diesen mehr Fleisch auf den Leib zu schreiben. Gerade weil auch der (Mit-)Protagonist Nat Wolff nicht derart markant und charismatisch ist wie manch anderer Hollywood-Recke, hätte diesem eine etwas ausgiebigere und nachvollziehbarere Hintergrundgeschichte für seine Motivation und Handlungen einen Bärendienst erwiesen.

Am Ende bleibt so die Erkenntnis, dass James Franco es durchaus vermag, einen ernsthaften Film zu inszenieren, allein es hapert noch an den dramaturgischen Details. So tut der Film zwar nicht weh, ist aber eben ganz bestimmt auch kein „Must See-Entertainment“.

Trailer

Inhalt

Kalifornien in den 1930er-Jahren: Jim Nolan, Sohn einer amerikanischen Arbeiterfamilie, will sich mit der Unterdrückung durch die allmächtigen Großgrundbesitzer nicht länger abfinden. Als Sprecher der Apfelplantagen-Arbeiter in Torgas Valley soll er gemeinsam mit dem erfahrenen Arbeiterführer Mac McLeod einen Streik gegen die Plantagenbesitzer organisieren, die kurz vor Beginn der Ernte die Arbeitslöhne gekürzt haben. Schnell müssen die beiden jedoch erkennen, dass sie als Neulinge auf der Obstplantage auf die Unterstützung der eingesessenen Arbeiter angewiesen sind. Beim Versuch, einen Streik heraufzubeschwören, erweist sich die Bürgerwehr der Landherren nicht als das einzige Hindernis, denn auch die auf Arbeit angewiesenen Familien müssen überzeugt werden. Deren Misstrauen müssen Jim und Mac erst in Verständnis und Unterstützung für den Kampf umwandeln, damit die Revolte zünden kann …

(Quelle: Universum Film)

Details

Format: Widescreen
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.40:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Erscheinungstermin: 08.06.2018
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 113 Minuten

Copyright Cover: Universum Film



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)