Review

Wotan Wilke Möhring als Erpressungsopfer durch Berlin

Auf dem Weg zur Arbeit will der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) noch schnell seine Kinder Josefine (Emily Kusche) und Marius (Carlo Thoma) zur Schule bringen. Nicht ahnend, dass ihn diese Autofahrt als Erpressungsopfer durch Berlin führen wird. Denn nach wenigen gefahrenen Metern weist ihn ein unbekannter Anrufer an: „Steig. Nicht. Aus!“. Er fordert Geld oder lässt andernfalls eine Bombe unter den Autositzen hochgehen …

Konzentrierte Handlung mit Schwächen

Viel Spielraum, was in dem Action-Thriller „Steig. Nicht. Aus!“ von Regisseur Christian Alvart wohl passieren wird, lässt also schon der Titel nicht. Auf dieses Szenario konzentriert sich der Film entsprechend und zeigt sich von seiner Handlung sehr konzentriert und linear.

Zwar kündigt die Pressemitteilung dabei „atemlose Spannung, packende Action, große Emotionen [und] raffinierte Wendungen“ an, spürbar ist von alldem allerdings wenig. Zu sehr krankt „Steig. Nicht. Aus!“ an vielen zunehmenden Ungereimtheiten, Leerstellen, Lücken und Logikfehlern.

Immerhin: Spannung und Action sind vorhanden. So sorgt insbesondere der gelungene Schnitt für ein ausreichendes Maß an – der Situation angemessenen – Hektik. Dies kommt den Actionszenen und ihrer Wirkung auf den Zuschauer zugute.
Sowohl die sich steigernde Verzweiflung des Protagonisten als auch die Frage, wer hinter der Erpressung steckt, halten wiederum die Spannung aufrecht.

Es gelingt Alvart, die Zuschauer insofern in die Handlung zu ziehen, dass sie sich nicht nur fragen, wie die eigene Reaktion in einer derlei brisanten und scheinbar ausweglosen Situation ausfallen würde, sondern sie auch neugierig auf die Auflösung des Films machen.

Unpassendes Ende

Schade daher, dass die Unglaubwürdigkeit in allen Belangen mit jeder verstreichenden Minute der insgesamt 109-minütigen Spielzeit zunimmt.

Dies mündet schließlich in einem eher enttäuschenden Filmende. Hier wurde sich nicht nur zu sehr um ein unpassendes „Happy End“ bemüht, auch die Umsetzung des Abschlusses wirkt geradezu – und entgegen der gezeigten liebreizenden Szenerie – lieblos inszeniert. Es hätte „Steig. Nicht. Aus!“ somit besser gestanden, wäre die letzte Szene komplett gestrichen worden.

Auch beim Abschlusssong, der Titel „Die Kaputtilation“ von Grossstadtgeflüster, bewies man kein glückliches Händchen. Ein zwar guter Track, der jedoch zum vorausgegangenen Action-Thriller rein musikalisch irgendwie gar nicht passen möchte.

Die Prominenz des deutschen Films

Letztlich kann leider auch die prominente Besetzung diese Kritikpunkte nicht wettmachen. Mit Hannah Herzsprung, Christiane Paul oder Fahri Yardim standen neben Wotan Wilke Möhring großartige Schauspieler/innen für „Steig. Nicht. Aus!“ gemeinsam vor der Kamera. Sie alle bleiben jedoch permanent unter ihren Möglichkeiten.

„Steig. Nicht. Aus!“ heißt es im Thriller von Regisseur Christian Alvart. (Copyright: EuroVideo Medien GmbH)

Wundern tut dies insbesondere bei Wotan Wilke Möhring, dessen Filmografie zeigt, dass er emotionale und auch diverse Rollen (u.a. beispielsweise jene des Karl May/Old Shatterhand in dem TV-Event „Winnetou – Der Mythos lebt“) normalerweise hervorragend beherrscht. In „Steig. Nicht. Aus!“ wirken aber insbesondere seine Mimik stark reduziert und seine Gefühlsregungen eher offensichtlich geschauspielert denn glaubwürdig und authentisch.

Positiv ins Gedächtnis spielt sich hingegen der „Nachwuchs“ Emily Kusche. Ihr emotionales Spiel stellt die alten Hasen phasenweise regelrecht in den Schatten.

Must-see?

Sollte das Fernsehprogramm einmal nicht den eigenen Wünschen entsprechen, man sich aber für Thriller begeistern kann, dann spricht nichts dagegen, „Steig. Nicht. Aus!“ in den Player zu legen. Ein Must-see ist der Film „made in Germany“ allerdings nicht.

Trailer

Handlung

Auf dem Weg zur Arbeit will der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) noch schnell seine Kinder Josefine (Emily Kusche) und Marius (Carlo Thoma) zur Schule bringen. Doch bereits kurz nachdem er das Auto startet, erhält er einen Anruf: Ein Unbekannter droht damit, das Auto mit einer Bombe, die unter dem Sitz versteckt ist, in die Luft zu sprengen, sollten Karl oder die Kinder versuchen auszusteigen! Vom Auto aus soll Karl in kürzester Zeit eine große Summe Geld beschaffen. Als seine Ehefrau Simone (Christiane Paul) ihn verdächtigt, die gemeinsamen Kinder entführt zu haben, nimmt auch die Polizei die Verfolgung von Karl auf und schaltet Sprengstoffexpertin Pia Zach (Hannah Herzsprung) ein. Es beginnt ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit: Der Bombe ausgeliefert und von der Polizei verfolgt, versucht Karl verzweifelt, seine Kinder und sich zu retten.

(Quelle: EuroVideo Medien GmbH)

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Details

Format: Widescreen
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: EuroVideo Medien GmbH
Erscheinungstermin: 20.09.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 109 Minuten

Copyright Cover: EuroVideo Medien GmbH



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde