Review

Schwedens renommierte Drehbuchschreiber, das Autorenpaar Cilla und Rolf Börjlind, waren wieder aktiv. Neben ihren Ideen zu „Kommissar Beck“, „Wallander“ oder „Arne Dahl“ steht mit „Springflut“ eine neue Thrillerserie auf dem Programm, die – als fünfteilige Reihe angelegt – mit der ersten Staffel ab sofort im Heimkino (in fünf Episoden, verteilt auf drei DVDs) zu sehen ist.

Trotz gelegentlicher Schauplatzwechsel (allen voran der kontrastreiche Schwenk von Schweden nach Costa Rica), trumpft „Springflut – Staffel 1“ mit den typischen Trademarks einer Nordic Noir Veröffentlichung auf. Dies macht sich nicht nur anhand der atmosphärischen Titelmusik (von Johan Söderqvist) bemerkbar, sondern spiegelt sich insbesondere in den kühlen, dunklen Bildern wider.

Diese gibt es bereits in den ersten Minuten der Serie zu sehen, denn ohne viel Zeit zu verlieren, konfrontiert „Springflut“ die Zuschauer umgehend mit den bedrückenden Bildern des nächtlichen Mordes an einer jungen, hochschwangeren Frau. Jene wird im Jahr 1990 am Strand der schwedischen Insel Nordkoster bis zu den Schultern eingegraben und ertrinkt in der nahenden, der Thrillerserie ihren Namen gebenden Springflut.

25 Jahre später ist es an der angehenden Polizistin Olivia Rönning, sich diesem bis dato ungelösten Fall im Rahmen ihrer Ausbildung zu widmen. Freund Zufall möchte es, dass auch bereits ihr mittlerweile verstorbener Vater an den damaligen Ermittlungen beteiligt war, was den Ehrgeiz der Protagonistin, den Fall zu lösen, einmal mehr anstachelt.

„Zufall“ ist auch ein gutes Stichwort, denn im weiteren Verlauf der Serie kommt genau dieser den Figuren häufig zur Hilfe. Dadurch wirkt „Springflut“ nicht selten äußerst konstruiert. Indem sich weitere (oftmals gesellschaftliche Themen aufgreifende) Handlungsstränge der Haupthandlung hinzugesellen (wie beispielsweise Gewalt gegen Obdachlose und entsprechende Gewaltvideos im Internet), mangelt es „Springflut“ somit zwar nicht an bedrückenden Szenen, es gelingt allerdings auch nicht reibungslos, die einzelnen Themengebiete und Handlungsebenen adäquat miteinander zu verbinden.

Immerhin, den Faden über die komplexer werdende und zeitweilig mit Rückblicken der Protagonistin gespickte Handlung verliert der Zuschauer zu keinem Zeitpunkt. Dafür sorgen allen voran die kurzen inhaltlichen Zusammenfassungen zu Beginn einer jeden neuen Folge.

Julia Ragnarsson als Olivia Rönning in „Springflut – Staffel 1“ (Copyright: Niklas Maupoix / Edel:Motion)

Eine gute Figur macht zudem Julia Ragnarsson in der Hauptrolle. Sehr offensichtlich kommt gerade ihr zwar Freund Zufall mehrfach zur Hilfe, dies spielt die junge Darstellerin aber souverän beiseite.
Mysteriöser bleibt hingegen ihr „Partner“ Tom Stilton. Während seine Rolle (noch) etwas undurchsichtig erscheint und mehr Fragen aufwirft, als am Ende der ersten Staffel beantwortet werden, wird die Figur immerhin hervorragend von Kjell Berqvist gespielt.

Zum Staffelfinale lässt „Springflut“ schließlich noch eine Bombe platzen, die zwar irgendwie nachvollziehbar, aber ebenfalls doch sehr konstruiert wirkt. Diesbezüglich bleibt es spannend, ob und wie es den Autoren gelingen wird, dies in einer schon in Planung befindenden zweiten Staffel aufzugreifen und weiterzuführen. Dann – hoffentlich – werden sich auch noch die vielen offenen Fragen (gerade rund um den Charakter Tom Stilton) klären. Bis dahin sorgt „Springflut“ für einen atmosphärischen Fernsehabend mit nordisch-kühlem Thrill.

Trailer

Handlung

Im Jahr 1990 wurde bei Vollmond auf der schwedischen Insel Nordkoster eine hochschwangere Frau am Strand bis zu den Schultern eingegraben. Der einsetzenden Springflut hilflos ausgeliefert ertrank die Unbekannte. Bis heute konnte dieser Mord nicht aufgeklärt werden.

Als Semester-Aufgabe soll sich nun die angehende Polizistin Olivia Rönning mit diesem Verbrechen beschäftigen. Als sie feststellt, dass ihr verstorbener Vater an den ursprünglichen Ermittlungen beteiligt war, ist Olivia geradezu davon besessen, den Fall zu lösen. Schnell wird ihr klar, dass sie dazu den damaligen Hauptermittler Tom Stilton finden muss. Doch der scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Erst als brutale Handyvideos von Überfällen auf Obdachlose die Runde machen, kreuzen sich ihre Wege.

(Quelle: Edel:Motion)

Episoden

DVD 01
01 Schatten der Vergangenheit
02 Vergeltung

DVD 02
03 Vermisst
04 Erdrückender Beweis

DVD 03
05 Das Vermächtnis

Details

Format: Dolby, PAL
Sprache: Schwedisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 3
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 01.12.2017
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 450 Minuten

Copyright Cover: Edel:Motion



Über den Autor

Conny
Conny

„Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert.“ – Oscar Wilde