Review

Wie gut kennt ihr euch im Bereich japanischer Animes der 70er aus? Nicht so sehr? Vielleicht lief ja mal Captain Future über die Flimmerkiste, aber von „Steel Jeeg“ oder „Jeeg Robot“ habt ihr vermutlich noch nichts gehört. Nun, die wesentlichen Grundlagen könnt ihr jetzt in dem italienischen Mafia-Superhelden-Action-Streifen „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ lernen.

Bevor der Kleinkriminelle Enzo allerdings seine selbstgestrickte Superheldenmütze überstreifen konnte, war er ein unterdurchschnittlich begabter Ganove. Wegen einer geklauten Uhr wird er direkt zu Beginn des Films von der Polizei verfolgt. Er zu Fuß, die zwei Gesetzeshüter auf dem wohl langsamsten Moped der Welt unterwegs. Ja, Action sieht anders aus. Intelligenz auch, denn als sich der Gesuchte auf ein kleines Boot im Tiber flüchtet, geben die zwei ihre Suche auf. Enzo allerdings findet radioaktiven Müll.

Dem Ausflug ins Nasse folgt eine miserable Nacht. Aber the Show must go on, also geht er am nächsten Tag zu seinem Gangster-Kollegen auf der Suche nach einem neuen Job. Natürlich hat es was mit Drogenschmuggel zu tun, natürlich ist der Chef der Chose, Gipsy, ziemlich verrückt und ebenso natürlich geht dabei einiges schief. Nicht nur, dass sein Kollege dabei erschossen wird, nein, Enzo darf zudem feststellen, dass er nun Superkräfte hat.

Wieder zurück in seiner Junggesellenbude, in der es anscheinend nur Pornos und Vanillepudding gibt, will er sich allerdings weiter seinem traurigen Lebensstil aus Diebstahl und nicht jugendfreiem Filmkonsum widmen. Er hat allerdings die Rechnung ohne Alessia gemacht: Die Tochter seines frisch verstorbenen Kollegen ist nämlich nach dem Tod ihrer Mutter ziemlich neben der Spur. Allein die Anime-Serie „Jeeg Robot“ hält sie ein bisschen auf dem Damm. Gipsy will von ihr aber wissen, wo ihr Vater (vermeintlich mit den Drogen des Chefs unterwegs) untergetaucht ist.

Die bedrohliche Situation entlockt Enzo dann doch etwas Empathie und so nimmt er Alessia notgedrungen bei sich auf. Sie bedankt sich dafür, indem sie ihn für die Inkarnation ihres Superhelden hält. Eine typische „Held wider Willen“-Situation, die der Protagonist hier genüsslich auskosten darf. Ein wenig vergleichbar mit „Hancock“, allerdings mit deutlich weniger Kitsch und Pathos. Dafür liefert „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ hässlichen Realismus, der die FSK-Kennzeichnung „ab 16“ durchaus rechtfertigt.

Strick ist chic – auch bei Superhelden in „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ (Copyright: Pandastorm Pictures)

Durch die verwirrte Alessia und ihre ernsthaften Probleme erhält der Film zudem eine bedrückende Note. Hier muss man der Schauspielerin Ilenia Pastorelli wirklich ein Lob aussprechen. Ebenfalls Lob verdient Luca Marinelli, der als Gipsy eine irre Kombo aus dem Joker und Eros Ramazotti ist. Egal ob er italienische Schlager singt oder einen seiner Gangster mit einem iPhone zu Brei schlägt, bleibt es irgendwie auf verrückte Weise glaubhaft. Hier, oder bei den ungeschickten Superhelden-Versuchen von Enzo, wären außerdem Ansätze möglich gewesen, dem Film noch eine gewisse komödiantische Note à la „Kick Ass“ zu verleihen. Regisseur Gabriele Mainetti hat allerdings darauf verzichtet.

Dennoch bleibt diese Produktion in sich rund. Zwar leidet sie bisweilen an unnötigen Längen, dafür wirkt wirklich nichts überstürzt. Auch optisch und akustisch passt hier alles zusammen. Wer also einem absolut unperfekten Superhelden, Drogengeschäften und dem einen oder anderen italienischen Schnulzsong etwas abgewinnen kann, sollte „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ durchaus eine Chance geben.

Trailer

Handlung

Auf der Flucht vor der Polizei kommt der Kleinkriminelle Enzo mit radioaktivem Abfall in Berührung. Er entwickelt übermenschliche Kräfte, die er konsequent zum eigenen Vorteil nutzt.

Als Enzo dabei gefilmt wird, wie er einen Bankautomaten aus der Wand reißt, erlangt er landesweite Berühmtheit und weckt das Interesse des größenwahnsinnigen Mafiabosses Gypsy. Dieser will ihn benutzen, um ganz Rom zu beherrschen. Als Enzo die hübsche und verrückte Alessia trifft, sieht diese in ihm den Manga-Superhelden Jeeg Robot. Sie versucht ihn zu überzeugen, für das Gute zu kämpfen und den Herrn des Feuers zu besiegen …

Die tollkühne Superhelden-Mafia-Mischung wurde in den italienischen Kinos zum Nummer-1-Überraschungshit und räumte in gleich sieben Kategorien den Preis der italienischen Filmakademie ab. Auch weltweit wurde „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ auf Festivals gefeiert und gewann u.a. in Sitges und auf dem Fantasy Filmfest Publikumspreise.

(Quelle: Pandastorm Pictures)

Details

Sprache: Italienisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Pandastorm Pictures
Erscheinungstermin: 03.02.2017
Produktionsjahr: 2015
Spieldauer: 112 Minuten

Copyright Cover: Pandastorm Pictures



Über den Autor

Ivonne
Ivonne
"Gute Bücher sind Zeitgewinn, schlechte Bücher Zeitverderber, gehaltlose Bücher sind Zeitverlust." - Rosette Niederer