Review

Unermüdlich über vier lange Jahre hinweg produziert, ist SCHNEEFLÖCKCHEN das Leidenschaftsprojekt einer wilden Truppe von unabhängigen Filmemachern aus Berlin, die es sich in den Kopf gesetzt hat, einen der wohl ungewöhnlichsten und ambitioniertesten deutschen No-Budget-Spielfilme aller Zeiten zu machen.

(Quelle: SCHNEEFLÖCKCHEN in der 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook, capelight pictures)

Handlung

Berlin in naher Zukunft: In einem postapokalyptischen Szenario ist die Welt von Gesetzlosigkeit und Chaos geprägt. Wir begegnen zunächst den beiden Protagonisten, den Freunden Tan und Javid (Erkan Acar, Reza Brojerdi). Sie sind zwei Gesetzlose, die in einer Spelunke darüber diskutieren, was einen guten Döner eigentlich ausmacht. Dies ist jedoch nur der Startschuss für einen verrückten Rachetrip. Denn die beiden Männer sind auf der Suche nach dem Mann, der ihre Familien auf dem Gewissen hat.

Begierig auf Rache ist allerdings auch die junge Frau Eliana (Xenia Assenza), die ihrerseits ihre Eltern bei einem Blutbad verloren hat. Um ihre Vendetta wahr werden zu lassen, wendet sich Eliana nicht nur an sadistische und verrückte Auftragsmörder, sondern – vermeintlich – auch an Gott höchstpersönlich.

Derweil finden Tan und Javid auf dem Rücksitz ihres Autos ein ominöses Drehbuch zu einem Film namens „Schneeflöckchen“. Völlig fassungslos müssen die beiden Freunde feststellen, dass in dem Drehbuch ihre eigene Geschichte erzählt wird – und zwar Wort für Wort. Um wieder Herr der Lage zu werden und Licht ins Dunkel zu bringen, wollen sie unbedingt den Drehbuchautor (Alexander Schubert) finden, damit er ihr Ende umschreibt.

Am Ende soll das alles irgendwie zusammenhängen. Ach ja, und mit dem „Hyper Electro Man“ ist auch noch ein waschechter Superheld auf den Straßen der Stadt unterwegs …

Ein wilder Genremix

„Schneeflöckchen“ von Drehbuchautor Arend Remmers, Regisseur Adolfo J. Kolmerer, Gastregisseur und Editor William James sowie vielen weiteren kreativen Köpfen ist wahrlich ein wilder und ambitionierter Genremix, ein Independent-Film, der in der deutschen Filmlandschaft ohne Weiteres als willkommene Einzel- und Ausnahmeerscheinung bezeichnet werden kann. Schließlich ist deutsche Filmindustrie heutzutage – gelinde gesagt –  nicht gerade für den mutigen und verrückten Genrefilm bekannt. Ganz anders „Schneeflöckchen“, der viel wagt und viel gewinnt und dem man daher auch gerne die eine oder andere Schwäche verzeiht.

Diese Schwächen dürften nämlich zumeist schlicht dem langen und aufwendigen Produktionsprozess geschuldet sein. Gekonnt verbinden die Macher hier Endzeit mit Science-Fiction, mit Thriller, mit Komödie und Buddy-Movie. Dabei liefern sie allerhand skurrilen und frischen Humor und halten einige abgedrehte Wendungen parat.

Vorbilder und Experimentierfreude

So stellen sich beim Zuschauer schnell Assoziationen zu großen Genre-Vorbildern ein. An dieser Stelle möchte ich nur einige bekanntere und größere Werke hervorheben, an die „Schneeflöckchen“ zuweilen erinnert Dogma“ von Regisseur Kevin Smith, Quentin Tarantinos legendären Kultfilm „Pulp Fiction“, vor allem Robert Rodriguez‘ schwarzhumorigen Vampir-Horror From Dusk Till Dawn“, den nicht minder schwarzhumorigen Streifen Der blutige Pfad Gottes“ oder auch Snatch – Schweine und Diamanten“ aus der Feder von Guy Ritchie.

Allein diese Auswahl sollte den Filmfreunden unter uns offenbaren, mit was für einem ungewöhnlich erfreulichen Genrefilm aus deutschen Landen wir es hier zu tun haben. Ein solches Projekt ist eben das Kind der Liebe vieler Gleichgesinnter. Hier hat man sich nötige Freiräume – trotz Widrigkeiten – einfach gegönnt, Experimentierfreude und Mut zum Risiko bewiesen.

Bekannte Gesichter aus Film und Fernsehen

Javid (Reza Brojerdi), Schneeflöcken (Judith Hoersch) und Tan (Erkan Acar) in „Schneeflöcken“ (Copyright: capelight pictures)

Dass das Drehbuch nicht so schlecht gewesen sein kann, zeigt sich auch an dem Umstand, dass hier neben den gut aufgelegten, unbekannteren Darstellern und Darstellerinnen wie Erkan Acar, Reza Brojerdi und Xenia Assenza auch einige bekannte Gesichter aus Film und Fernsehen zu sehen sind. Insbesondere spielen hier Alexander Schubert („Bullyparade – Der Film“) als mysteriöser Drehbuchautor, in größeren Nebenrollen Gedeon Burkhard („Inglourious Basterds“) sowie David Gant, „Der Clown“ Sven Martinek oder auch Judith Hoersch mit.

Fazit

Alle Filmliebhaber, die sich zuweilen ein abwechslungsreicheres Filmangebot aus Deutschland wünschen, dürfen sich diesen bekloppten Genremix von leidenschaftlichen, begeisterten Film-Fans für Film-Fans nicht entgehen lassen.
Besonders empfehlenswert ist dabei einmal mehr die
2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook, die viele Interviews und Hintergrundinformationen zu „Schneeflöckchen“ bereithält.

Trailer

Inhalt

Berlin in naher Zukunft: Nach einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch herrscht Anarchie auf den Straßen der Stadt.

Die zwei Freunde Tan und Javid sind zwei Gesetzlose auf der Suche nach dem Mann, der ihre Familien getötet hat.
Bei einer Schießerei in einem Kebap-Laden töten Tan und Javid versehentlich die Eltern der jungen Reporterin Eliana und sind fortan Ziel ihrer Vendetta.

Die beiden Freunde haben keine Ahnung, was ihnen bevorsteht, bis sie eines Tages ein mysteriöses Drehbuch finden, in dem ihre eigene Geschichte erzählt wird. Es ist das Drehbuch zu einem Film namens „Schneeflöckchen“. Egal was Tan und Javid machen, alles passiert genau so, wie es geschrieben steht. Und so versuchen sie verzweifelt, aus der Handlung auszubrechen, die sie auf einen fatalen Höhepunkt zusteuert.

(Quelle: capelight pictures)

Details

Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 2
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: capelight pictures
Erscheinungstermin: 23.11.2018
Produktionsjahr: 2017
Spieldauer: 121 Minuten

Copyright Cover: capelight pictures



Über den Autor

Fabian
Fabian
"Du lächelst wie jemand, der keine Ahnung hat, wozu ein Lächeln überhaupt gut ist." (Das kleine, blaue, geflügelte Einhorn Happy, in: Happy!)