Review

Aus der klassischen Musik ist Sergei Prokofjews Musikmärchen „Peter und der Wolf“ kaum wegzudenken. Das 1936 komponierte Stück hatte einst zum Ziel, Kinder mit den Instrumenten eines Sinfonieorchesters vertraut zu machen. So wurde jeder Figur ein bestimmtes Instrument sowie ein Leitmotiv zugeschrieben, während ein Hörspielsprecher das Märchen erzählerisch vorträgt. Nicht zuletzt dadurch fand „Peter und der Wolf“ Eingang in den Schulunterricht. Bis heute erfuhr das Stück darüber hinaus eine Vielzahl an Adaptionen, darunter auch der vorliegende Animationsfilm unter der Regie von Suzie Templeton.

>Peter und der Wolf< à la Suzie Templeton

Bereits 2006 erstmals erschienen, veröffentlichen nun Weltkino und Universum Film diesen Katalog-Titel auf DVD.

Templeton beschreitet mit ihrer Inszenierung in vielerlei Hinsicht neue Wege – und das erfolgreich, denn das Ergebnis wurde 2008 mit einem Oscar in der Kategorie „Animierter Kurzfilm“ ausgezeichnet.

Auf knappen 34 Minuten erzählt sie die Fabel Prokofjews – in relativ groben Zügen – neu, adaptiert sie an die heutige Zeit und deutet das Stück an einigen Stellen sogar radikal um.
Während der Schauplatz nun das winterliche Russland der Gegenwart ist, stellt auch das Ende des Märchens (durch eine bewusste Abkehr vom ursprünglichen Ausgang) eine Neuinterpretation des Originals dar.

Bild und Musik als Stilmittel

Neu ist ebenfalls, dass sich ihr Film in Stop-Motion-Technik – im Vergleich zum Original – einzig auf die Bildsprache und die Musik reduziert. Auf einen Erzähler, Dialoge oder sonstige Formen der Sprachausgabe wird verzichtet. Umso mehr müssen Bild und Musik das Geschehen vermitteln und die Spannung halten. Ein schwieriges Unterfangen angesichts der kurzweiligen Länge. Dies gelingt jedoch derart gut, dass der Film verdeutlicht, wie gewaltig und ausreichend Bild und Musik in ihrer Wirkung sein können.

Fern heutiger Animations-Highlights

Fern der heutzutage angesagten bunten und actionreichen Animations-Highlights wie „Ich – Einfach unverbesserlich“, „Die Unglaublichen – The Incredibles“, „Ice Age“ und Co. kommt Templetons Inszenierung somit auf sehr künstlerische Art daher und weckt teilweise eher Assoziationen zu den Animationsfilmen eines Tim Burton.

Eigenwillige Figurendarstellung

Dazu tragen vordergründig auch die eigenwillig dargestellten Figuren bei.

Szenebilder aus Suzie Templetons Inszenierung von „Peter und der Wolf“. (Copyright: Weltkino / Universum Film)

Aufgrund des fehlenden, in diesem Genre eigentlich allseits bekannten Kindchenschemas wirken diese zunächst gewöhnungsbedürftig. Mehr noch erscheinen Katze, Vogel und Wolf sogar ein wenig verwahrlost. Ihre Niedlichkeit und die Sympathien des Zuschauers gewinnen jene dann aber durch ihr Verhalten und ihre Handlungen. So wissen allen voran das erfindungsreiche Gebaren des Vogels, die Tollpatschigkeit der Ente oder die Garstigkeit der Katze schließlich zu überzeugen.

Überschaubares, aber wertschätzendes Publikum

Gleichzeitig schließt die Machart von Templetons „Peter und der Wolf“ womöglich ein breites Publikum aus. Die Masse an Zuschauern, wie sie heutige Animationsfilme haben, wird der Kurzfilm vermutlich nicht erreichen. Denn mit insgesamt gedeckten Farben, eher ruhig und ohne „Action“ liefert „Peter und der Wolf“ in dieser Version kein Gesamtpaket, das heutige Animationsfilme bieten. Ein eventuell überschaubares Publikum wird das etwas Arthouse-mäßige extravagante Stück Kunst im Animationsbereich dafür aber umso mehr wertschätzen.

Das umfangreiche Bonusmaterial inklusive des Blicks hinter die Kulissen rundet die Veröffentlichung ab, die sowohl im Schulunterricht als auch im Heimkino dem Prädikat „pädagogisch wertvoll“ durchaus gerecht wird.

Trailer

Inhalt

Es ist eine Welt, in der Wölfe Enten fressen. Es ist aber auch eine Welt, in der ein kleiner Junge außergewöhnlichen Mut entwickelt und mit Hilfe eines drolligen Vogels und einer verträumten Ente diesen Wolf bezwingt.

Seit über fünf Generationen begeistert Sergei Prokofjews „Peter & der Wolf “Kinder und Erwachsene auf der ganzen Welt. Die Regisseurin Suzie Templeton erzählt diese Geschichte völlig neu – in fantastisch und wunderbar animierten Bildern haucht sie den liebevoll und aufwändig gestalteten Puppen Leben ein und lässt sie in neuem Licht erstrahlen. „Peter & der Wolf“ wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Oscar® 2008 in der Kategorie Bester animierter Kurzfilm.

(Quelle: Universum Film)

Details

Bildseitenformat: 1,78:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Niederländisch / (5.1 DD)
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Weltkino Filmverleih / Universum Film
Erscheinungstermin: 16.11.2018
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 34 Min. + 68 Min. Bonusmaterial
Extras: Audiokommentar der Regisseurin mit Picture-in-Picture-Funktion, Making of, Hinter den Kulissen, Featurette „Musikalische Themen – Die Instrumente“, Fotogalerie, Kinder musizieren „Peter und der Wolf“, Trailer, Wendecover

Copyright Cover: Weltkino Filmverleih



Über den Autor

Conny
Conny
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert." - Oscar Wilde